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25.11.2012
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Feuer in Bangladesch

C&A drückt Opfern der Katastrophe Mitgefühl aus

Bei einem Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch sind mehr als hundert Arbeiterinnen ums Leben gekommen. Die Firma produzierte auch Kleidung für C&A. Die Feuerwehr vor Ort spricht von mangelnden Sicherheitsstandards - der Chef von Tazreen Fashion weist die Vorwürfe zurück.

Düsseldorf/Dhaka - Mehr als 7000 Kilometer trennen Düsseldorf von Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs. Eigentlich war die Textilfabrik, die dort am Samstagabend in Flammen aufging, weit weg. Von Düsseldorf, von Deutschland. Doch die rund tausend Mitarbeiter, die ihr Geld bei Tazreen Fashion verdienten, nähten unter anderem Kleidung für C&A, einen der größten Modeeinzelhandelskonzerne Europas.

Die Fabrik sei beauftragt gewesen, 220.000 Sweatshirts herzustellen und von Dezember 2012 bis Februar 2013 an C&A in Brasilien zu liefern, sagte Unternehmenssprecher Thorsten Rolfes in Düsseldorf. Weitere Produktionsaufträge von C&A an die Textilfabrik habe es nicht gegeben. Diese Angaben stehen aber dem Sprecher zufolge noch "unter Vorbehalt", da man in der Kürze der Zeit noch nicht alle Informationen habe sammeln können.

"Unser Mitgefühl gilt den Opfern dieses furchtbaren Unglücks sowie deren Familien und Angehörigen", sagte Rolfes, der Sprecher von C&A Europa ist.

Bei dem Feuer in der Fabrik kamen mehr als hundert Menschen ums Leben, die meisten Opfer waren Frauen. Die genaue Zahl der Toten sowie die Brandursache waren auch Stunden nach der Katastrophe noch unklar.

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Bangladesch: Textilfabrik wird zum Feuerkessel
Das Feuer war im Erdgeschoss der Fabrik ausgebrochen, dort befand sich ein Lager. Die Mitarbeiter in den oberen Stockwerken waren von den Flammen eingeschlossen. Viele versuchten, sich durch Sprünge vom Dach oder aus Fenstern in Sicherheit zu bringen. Rund 200 Menschen wurden verletzt.

Angehörige schritten am Morgen nach der Katastrophe die Reihen mit Leichensäcken vor der ausgebrannten Fabrik ab, um die Toten zu identifizieren. Sie hielten sich Tücher vor Mund und Nase. Immer mehr Leichen schleppten die Rettungskräfte aus der Ruine. Manche Säcke wurden auf Fahrradanhänger gehoben und weggefahren. Im Inneren der Fabrik türmten sich kohlschwarze Baumwollspindeln.

Monatlich eine Million T-Shirts

Ein Sprecher von Tazreen Fashion erklärte vor Kameras, der Betrieb habe Standards der Europäischen Union eingehalten. So habe es etwa vier alternative Treppenaufgänge gegeben, doch die Arbeiter seien in der Panik zum Hauptausgang gestürmt und nur wenige hätten die Notausgänge benutzt. Das Gebäude war 2009 errichtet worden. Die Fabrik gehört zur Tuba Group, die laut Homepage auch für Carrefour und Walmart produziert. Die Kapazität der Unglücksfabrik lag diesen Angaben zufolge monatlich bei einer Million T-Shirts, 800.000 Polo-Shirts und 300.000 Fleecejacken.

Zu den Arbeitsbedingungen und Sicherheitsstandards in der Fabrik äußerte sich C&A zunächst nicht. Das Unternehmen fühle sich aber verantwortlich, sich "zu kümmern" und um Aufklärung zu bemühen, wie es dort zu der Katastrophe kommen konnte. "Das wird eine unserer ersten Aktivitäten vor Ort sein", sagte Rolfes. Eine unabhängige Organisation hatte nach Worten des Sprechers geplant, vor Jahresende im Auftrag von C&A die Fabrik zu überprüfen.

Ein Sprecher der örtlichen Feuerwehr hatte gesagt, in der Fabrik habe es keine gekennzeichneten Notausgänge gegeben. "In der Fabrik gab es drei verschiedene Treppenhäuser, sie alle waren mit dem Erdgeschoss verbunden, so dass die Arbeiter das Gebäude nicht verlassen konnten", sagte Mohammed Mahbub.

Fehlende Sicherheitsstandards in den Fabriken

Firmenchef Delwar Hossain wies Berichte zurück, dass die Sicherheitsstandards nicht eingehalten worden seien.

Der Verband der Textilhersteller und -exporteure in Bangladesch versprach den betroffenen Familien eine Entschädigung. Die zuständigen Behörden kündigten an, die Sicherheitsbestimmungen in der ausgebrannten Fabrik zu untersuchen.

Bangladesch ist der zweitgrößte Textilexporteur der Welt. Es gibt dort mehr als 4000 Textilfabriken, viele von ihnen erfüllen nicht einmal minimale Sicherheitsstandards. Rund zwei Millionen Menschen arbeiten in ihnen.

Das Land verdient jährlich rund 20 Milliarden Dollar durch den Export von Textilien, die meisten von ihnen sind für den europäischen und den amerikanischen Markt bestimmt. Allein Deutschland importierte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2011 Bekleidung im Wert von drei Milliarden Euro aus dem asiatischen Entwicklungsland.

Laut einer Studie der Kampagne für Saubere Kleidung kam es seit dem Jahr 2005 zu sieben Bränden und Fabrikeinstürzen in Bangladesch, bei denen insgesamt 145 Menschen starben. Die vielen Toten seien mit mangelhaften Sicherheitsmaßnahmen zu erklären. Elektrokabel hingen häufig frei im Raum, Feuerlöscher fehlten, Notausgänge waren verschlossen und Fluchtwege versperrt.

han/dpa

Forum

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insgesamt 84 Beiträge
1.
Peter_Lublewski 25.11.2012
"C&A drückt Opfern der Katastrophe Mitgefühl aus" Dafür werden sich die Angehörigen der Opfer was kaufen können.
"C&A drückt Opfern der Katastrophe Mitgefühl aus" Dafür werden sich die Angehörigen der Opfer was kaufen können.
2.
sogenannanterislamist 25.11.2012
wo sind denn die ganzen angeblichen Menschenrechtsvertreter.. Oder sind sie etwa Hunde, die dort unter unmenschlichen Bedingungen für deutsche Kapitalisten arbeiten..
wo sind denn die ganzen angeblichen Menschenrechtsvertreter.. Oder sind sie etwa Hunde, die dort unter unmenschlichen Bedingungen für deutsche Kapitalisten arbeiten..
3.
sogenannanterislamist 25.11.2012
Naja ich würde sagen die leute haben.pech gehabt..morgen.wird sich niemand mehr darüber kopf machen.anstatt immer über pussy riot zu berichten kann die presse dieses Ereignis
Naja ich würde sagen die leute haben.pech gehabt..morgen.wird sich niemand mehr darüber kopf machen.anstatt immer über pussy riot zu berichten kann die presse dieses Ereignis
4. der deutsche Konsument...
inecht 25.11.2012
... ist dank der "Globalisierung" der Sklavenhalter dieser Ärmsten. Unsere Billigware hat immer seinen Preis!
... ist dank der "Globalisierung" der Sklavenhalter dieser Ärmsten. Unsere Billigware hat immer seinen Preis!
5. Hilfsfont
Spiegelleserin57 25.11.2012
Es wäre doch eine Geste wenn C&A anstatt warmer Worte eine Spende den Angehörigen zukommen lassen könnte damit wenigstens die toten eine Bestattung bekommen. Viele werden dazu auch kaum Geld haben.
Zitat von sysopBei einem Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch sind mehr als hundert Arbeiterinnen ums Leben gekommen. Die Firma produzierte auch Kleidung für C&A. Die Feuerwehr vor Ort spricht von mangelnden Sicherheitsstandards - der Chef von Tazreen Fashion weist die Vorwürfe zurück. Brand in Textilfabrik: C&A ließ in Bangladesch produzieren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/brand-in-textilfabrik-c-a-liess-in-bangladesch-produzieren-a-869189.html)
Es wäre doch eine Geste wenn C&A anstatt warmer Worte eine Spende den Angehörigen zukommen lassen könnte damit wenigstens die toten eine Bestattung bekommen. Viele werden dazu auch kaum Geld haben.

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