Lade Daten...
04.12.2012
Schrift:
-
+

Verschwundenes Pflegekind

Familiengericht beschäftigt sich mit Fall Jeremie

Polizei Hamburg

Jeremie auf einem Fahndungsfoto der Polizei: Aus Pflegefamilie verschwunden

Auch zwei Wochen nach seinem Verschwinden ist der elfjährige Jeremie immer noch nicht aufgetaucht. Dass er in Not ist, wird nicht vermutet. In Hamburg beschäftigen sich das Familiengericht und der Familienausschuss mit dem Fall.

Hamburg - Der Fall Jeremie bleibt rätselhaft. Noch immer haben die Hamburger Behörden keine Ahnung, wo sich der Junge aufhält. Dennoch hat jetzt ein Familiengericht in der Hansestadt über den Elfjährigen verhandelt. Bei dem Termin ging es um Umgangs- und Besuchsrechte von Jeremies Eltern und Großeltern.

Was genau besprochen wurde, gab das zuständige Bezirksamt Hamburg-Mitte nicht bekannt. "Es sind aber Verabredungen getroffen worden, wie es weitergehen soll mit der Betreuung", sagte eine Sprecherin der Behörde. Über Details sei Stillschweigen vereinbart worden. Man rechne damit, dass es dem Jungen gut gehe: "Man kann davon ausgehen, dass er nicht durch kalte Winternächte irrt."

Jeremie soll am 20. November in einem Kleintransporter einer Zirkusfamilie, bei der ihn das Jugendamt Hamburg-Mitte untergebracht hatte, geflohen sein. Angeblich ist er alleine von Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern nach Hamburg gefahren, wo er früher bei seinen Großeltern gelebt hatte.

Jugendamtschef Peter Marquard sagte im Familienausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft, Jeremies Großeltern hätten die Verhandlung auf das Thema Sorgerecht ausgedehnt. Alle Beteiligten hätten sich darauf verständigt, in den nächsten Tagen ein Arrangement zu suchen, das dazu beitrage, dass der Junge für ein Gespräch zur Verfügung stehe. Es gebe Signale, dass sich das Kind dann "in absehbarer Zeit" melde.

Sozialsenator will vergleichbare Fälle überprüfen lassen

Was nach Jeremies Auftauchen mit dem Jungen geschehe, könne man noch nicht sagen, so Marquard. Da auch die Großeltern mit dem Jungen Schwierigkeiten gehabt hätten, dränge sich keine einfache Lösung auf. Zugleich verteidigte der Jugendamtsleiter die Entscheidung, Jeremie in dem Zirkusprojekt untergebracht zu haben. Seine Behörde stehe zu dieser individuell angepassten Hilfe.

Detlef Scheele (SPD), Sozialsenator der Hansestadt, ordnete eine Überprüfung vergleichbarer Fälle an. Er sehe mit Sorge, dass Jugendämter immer wieder auf besondere Betreuungsarrangements bei auswärtigen Trägern zurückgriffen. Daher appellierte Scheele an Hamburger Einrichtungen, geeignete Angebote für Kinder wie Jeremie zu schaffen, damit man künftig nicht mehr auf Lösungen wie die Unterbringung im einem Zirkus angewiesen sei.

Nach Angaben des zuständigen Neukirchener Erziehungsvereins wurden zwölf weitere Kinder und Jugendliche aus der Hansestadt an ähnlichen Orten untergebracht. Der Verein aus Nordrhein-Westfalen - in Hamburg hatten laut Scheele sechs Träger die Aufnahme des Kindes abgelehnt - verteidigte Jeremies Unterbringung in dem Wanderzirkus. Der Junge habe in den knapp zwei Jahren im Zirkus sehr gute Fortschritte in seiner Entwicklung gemacht. Unterstützung erhielt der Verein vom Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik, der eine "Versachlichung" der Debatte forderte.

Eine Kleine Anfrage der Grünen-Bürgerschaftsfraktion an den SPD-Senat machte weitere Details des Falls bekannt. Demnach kostet die Unterbringung des Jungens in der Zirkusfamilie monatlich etwa 7400 Euro. Zudem habe die Zirkusfamilie keine pädagogische Ausbildung. Der Neukirchener Erziehungsverein entgegnete, alle Mitarbeiter in der Individualpädagogik würden von einem Team aus Sozialpädagogen und Sonderpädagogen betreut.

rit/dpa

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter RSS
alles zum Thema Jugendämter
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten