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19.12.2012
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Wochenlange Flucht

Pflegekind Jeremie in Hamburg aufgetaucht

Polizei Hamburg

Pflegekind Jeremie: Ende einer wochenlangen Flucht

Mehr als vier Wochen lang galt der elfjährige Jeremie als vermisst - er war aus dem Winterlager des Zirkus Monaco in Lübtheen verschwunden. Nun ist der Junge wieder in der Obhut der Hamburger Behörden. Seine Großeltern hatten ihn in eine Klinik gebracht.

Hamburg - Jeremie ist wieder da: Der Junge, der vor rund vier Wochen bei seiner Pflegefamilie ausgerissen war, wurde von seinen Großeltern in eine kinder- und jugendpsychologische Einrichtung in Hamburg gebracht. Dies teilte eine Sprecherin des zuständigen Bezirksamts Hamburg-Mitte mit. In der Klinik werde nun der Gesundheitszustand von Jeremie untersucht. Die Entscheidung, ob er zurück zum Zirkus müsse, werde danach getroffen. Es solle eine "einvernehmliche Lösung" geben.

Nach Angaben der Sprecherin ist "die ganze Sache noch so frisch", dass das Bezirksamt noch nichts Konkretes dazu sagen kann. Auch der Neukirchener Erziehungsverein, der für die Betreuung des Pflegekindes in dem Wanderzirkus zuständig war, hält sich bedeckt: "Wir hoffen jetzt erst einmal, dass Jeremie die ganze Aufregung um seine Person gut übersteht."

Die Übergabe sei Teil einer Vereinbarung, auf die man sich bei einem Familiengerichtstermin vor rund zwei Wochen verständigt habe, sagte die Sprecherin des Bezirksamtes. Wie es dem Jungen geht, blieb unklar. "Wir sind froh und erleichtert, dass Jeremie wieder in behördlicher Obhut ist", sagte der Leiter des Bezirksamts, Andy Grote. Wo Jeremie in den letzten vier Wochen war, ist nicht bekannt. Die Polizei hatte intensiv nach dem Elfjährigen gesucht.

Jeremie war Ende November aus dem Winterlager des Zirkus Monaco in Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern verschwunden. Der Junge wuchs wegen der Drogensucht seiner Mutter bei seinen Großeltern auf. Auch dort gab es Probleme, so dass den Großeltern das Sorgerecht entzogen wurde. Sie hatten nach dem Verschwinden des Jungen schwere Vorwürfe gegen die Zirkusfamilie erhoben: Er habe dort stehlen müssen und sei nicht glücklich gewesen. Die Pflegemutter wies die Vorwürfe zurück.

In der Kritik standen auch das Jugendamt Hamburg-Mitte und der Neukirchener Erziehungsverein, der den Jungen an die Zirkusfamilie vermittelt hatte. Im Zentrum stand dabei die Frage, ob es sinnvoll ist, einen Elfjährigen in einem Zirkus unterzubringen. Auch die Kosten von rund 7400 Euro pro Monat sorgten für Aufregung. Hamburgs Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) hatte daraufhin eine Überprüfung vergleichbarer Fälle in der Hansestadt angeordnet.

aar/dpa/dapd

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