22.12.2012
Schwierige Geschenkesuche
Lass dich überraschen!
Von Peter Petschek
Vorfreude beim Auspacken des Geschenks: Gute oder schlechte Überraschung?
Rebecca und ich feiern jetzt schon unser drittes gemeinsames Weihnachten. Eigentlich sollten wir uns gut genug kennen, um bei der Geschenkauswahl den Geschmack des anderen zu treffen. Leider wissen wir alle, dass diese Logik überhaupt nicht zutrifft. Was sonst sagen uns die verzweifelten Gesichter offenbar lang verheirateter Herren, die dieser Tage ratlos in den Damenbekleidungsabteilungen diverser Kaufhäuser umherirren? Um am 27. Dezember wieder dort aufzutauchen: Umtausch, bei der Größe um zwei Nummern verschätzt. Selbstverständlich nach unten, Wunschvorstellung schlägt Realität.
Vielleicht war es diese Vorstellung, vielleicht aber auch nur meine Erschöpfung (erst im November hatte Rebecca Geburtstag), die mich veranlasste, ihr vorzuschlagen, an diesem Weihnachten auf Geschenke zu verzichten. "Wir haben doch schon alles!" Doch keine Chance, Rebecca besteht aufs Schenken. Laut einer Umfrage schenkt sich jedes vierte Paar, das in einer längeren Beziehung lebt, zu Weihnachten nichts. Was sind die Gründe?
Religion vielleicht, Weihnachten wird nicht überall gefeiert. Konsumkritik, klar. Meistens aber dürfte der Verzicht damit zusammenhängen, dass in den Jahren zuvor nicht immer alles so lief, wie beide sich das vorgestellt hatten. Wieso sollte man sonst freiwillig auf eine Sache verzichten, die Freude macht?
Wunschlisten sind für Kinder
Wahrscheinlich liegt es an den Wünschen. Laut dieser Umfrage lassen sich die meisten Leute von den Geschenken ihres Partners überraschen. Wunschlisten sind offenbar nur etwas für Kinder. Frauen sind geradezu allergisch dagegen, einen Wunsch zu äußern. Überraschungen sind für sie etwas tief Romantisches, das die Beziehung stärkt. Es sind aber wohl nicht immer die tollsten Überraschungen, die unter dem Weihnachtsbaum liegen, das zeigen die Details der Umfrage. Je länger die Paare zusammen sind, desto seltener wollen sie sich überraschen lassen.
Es läuft also ungefähr so in einer Beziehung: Ich lass mich überraschen -> böse Überraschung -> zaghafter Wunsch -> böse Überraschung -> Verzicht aufs Schenken.
Aber auch mit einem Wunschzettel kann der Schuss nach hinten losgehen. Bei unserem ersten gemeinsamen Weihnachten wies ich Rebecca auf diverse Bücher hin. Zack, sie lagen unterm Baum. Rebecca strahlte, ich auch. Aber nur so lange, bis ich jeweils ein paar Seiten der Werke las. Nein, die waren doch nichts, stellte ich fest, verkaufte sie heimlich bei Ebay, aber wer kann sowas schon auf Dauer vor seiner Freundin geheim halten? Da half es auch nichts, dass ich ihr versicherte, das Geld sofort in ein neues Buch investiert zu haben.
Seitdem heißt es wieder wie damals bei Rudi Carrell: Lass dich überraschen! Denn eines habe ich in den vielen Jahren gelernt: Die schlimmsten Geschenke sind irgendwann die schönsten! Ein gewisser Abstand macht aus jeder bösen Überraschung den lustigen Höhepunkt eines Weißt-du-noch-Gesprächs. Jedes Jahr kann sich meine Mutter vor Lachen kaum halten, wenn sie wieder von dem Nachthemd in der Dimension eines Zwei-Mann-Zelts oder dem Großsortiment 4711 Kölnisch Wasser erzählt, mit denen mein Vater sie mal beglückte.
Ganz so weit werde ich bei Rebecca diesmal noch nicht gehen.