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24.12.2012
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Rekord-Temperaturen

Weihnachten verrückt: 20,7 Grad in München

Weihnachten 2012 - in Süddeutschland wurde es den Menschen an Heiligabend nicht nur warm ums Herz. In Bayern wurden Rekordtemperaturen von mehr als 20 Grad gemessen. Ganz anders ist die Lage in Russland - dort bibbert die Bevölkerung bei Extremfrost.

Offenbach/Köln/München - So ein Weihnachtsfest gab es noch nie in Deutschland. Die Weihnachtsmänner müssen in ihren Kostümen, unter ihren Plastikbärten schwitzen. "Das ist der mit Abstand wärmste Heiligabend seit Beginn der Aufzeichnungen", sagte Meteorologe Jens Winninghoff. Flächendeckend existieren die Aufzeichnungen seit hundert Jahren. Einen Temperaturrekord gab es dem Deutsche Wetterdienst (DWD) zufolge mit 2,3 Grad auf der Zugspitze. Bisher war es auf Deutschlands höchstem Berg (2962 Meter) mit 2,2 Grad am 29. Dezember 1963 am wärmsten gewesen.

In München wurden am Mittag des 24. Dezembers sensationelle 20,7 Grad gemessen. Winninghoff betonte, dass es sich bei der betreffenden Messstation an der Ludwig-Maximilians-Universität in der Innenstadt nicht um eine DWD-Einrichtung handele. Die offizielle DWD-Station am Olympiapark habe nur ein Maximum von 16,2 Grad verzeichnet. Dennoch schätze er den Rekordwert von 20,7 Grad, der gegen 13 Uhr gemessen worden sei, als realistisch ein.

Zehntausende Menschen nutzten das Wetter, um letzte Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Die Straßencafés waren gut besucht, Restaurantbetreiber stellten Stühle und Tische raus, und im Englischen Garten war auf den Bierbänken am Seehaus kaum noch ein freier Platz in der Sonne zu ergattern.

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Wetterchaos in Europa: Zwischen plus 18 und minus 32 Grad
Auch in anderen süddeutschen Städten kletterte das Thermometer in Rekordbereiche: In Freiburg wurden 18,5 Grad gemessen. In Hechingen am Westrand der Schwäbischen Alb waren es immerhin 17 Grad. Auf dem Hohen Peißenberg in Bayern mit knapp tausend Metern Höhe stieg das Thermometer auf 16,6 Grad.

Auch im Harz taut's

Doch nicht alle freuen sich über den extrem milden Winter: Im Harz machen die Temperaturen den Wintersport nahezu unmöglich. Fast alle Betreiber hatten ihre Skilifte am Montag bereits abgestellt, wie der Harzer Tourismusverband auf seiner Internetseite berichtete.

Auch die Anwohner des Rheins stellt das Tauwetter vor Probleme. Köln und Düsseldorf bereiteten sich darauf vor, dass der Fluss über seine Ufer tritt. Schiffe dürfen nur noch langsam und in Flussmitte fahren. Am frühen Nachmittag lag der Kölner Pegel bei fast 7,50 Metern und stieg rund drei Zentimeter pro Stunde. Erst ab einem Pegelstand von neun Metern fließe Wasser in die Kölner Altstadt, sagte ein Sprecher der Kölner Hochwasserschutzzentrale. Zum Schutz seien bereits mobile Wände aufgestellt worden. Für die Schifffahrt ist ab einem Wasserstand von 8,30 Metern Schluss. Das letzte größere Hochwasser gab es in Köln 2003 mit einem Pegel von 9,71 Metern. Das "Jahrhunderthochwasser" Weihnachten 1995 stieg bis zur Marke von 10,69 Metern.

Zwischen Iffezheim und Mannheim musste der Oberrhein auf einer Länge von rund 60 Kilometern gesperrt werden. Um Mitternacht hatte der Fluss in Maxau bei Karlsruhe den kritischen Pegelstand von 7,50 Metern überschritten. Vor dem Stadthafen in Karlsruhe schlossen die Behörden als weitere Schutzmaßnahme ein Hafentor, das den Anstieg des Wassers im Stadtbereich verhindern soll.

In Rheinland-Pfalz führten Mosel und andere Flüsse extrem viel Wasser. Allerdings erwarteten die Hochwassermeldezentren in Mainz und Trier ab Montagabend wieder fallende Pegelstände, da es nicht mehr regnen soll.

Minus 32 Grad in Moskau

In Großbritannien gibt es nach tagelangen Regenfällen und Überflutungen in vielen Regionen auch zu Weihnachten keine Entwarnung: "Wir haben das Schlimmste hinter uns, aber weitere Regenfälle kann der Boden kaum noch aufnehmen", sagte ein Sprecher der Umweltbehörde am Montag. Die Flutwarnungen vor allem in Küstenregionen wie Cornwall oder in Schottland würden über die Festtage aufrechterhalten.

Mehrere hundert Häuser mussten in den vergangenen Tagen wegen Überflutungen geräumt werden. Die Bewohner verbringen Weihnachten bei Freunden oder Verwandten. Bahnlinien und Straßen wurden von über die Ufer getretenen Flüssen überspült.

Muss man in West- und Mitteleuropa mit den Folgen des Tauwetters umgehen, leidet der Norden und Osten noch immer unter einem besonders frostigen Winter.Das Thermometer war in Sibirien in den letzten Tage auf minus 57 Grad gefallen, der schwerste Dezemberfrost seit 50 Jahren. Auch das Leben in der Metropolenregion Moskau ist wegen der heftigen Minusgrade erstarrt. Mit minus 32 Grad hat die Hauptstadt die bislang kälteste Nacht des Winters erlebt. Auch am größten Flughafen der Metropole, Domodedowo, war es mit minus 30 Grad eisig. Eltern durften selbst entscheiden, ob sie ihre kleinen Kinder in die Grundschule schicken wollten.

Allein am Sonntag erfroren sieben Menschen, darunter ein Kind. Experten gehen aber von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Im Osten des Riesenreichs war es mit Temperaturen von unter minus 40 Grad noch deutlich kälter. Das Zivilschutzministerium schickte ein Flugzeug mit 60 Öfen in die südsibirische Teilrepublik Tuwa. In der Region an der Grenze zur Mongolei fiel bei tagelangem Frost zum wiederholten Male ein Heizkraftwerk aus.

Und auch Norwegen hat der Winter fest im Griff: Nachdem Schneestürme am Sonntag den Südwesten des Landes lahmgelegt hatten, mahnten die Behörden weiterhin zur Vorsicht. Autofahrer sollten volltanken, warme Kleidung tragen und Essensvorräte und Getränke mitnehmen, wenn sie auf Bergstraßen unterwegs seien.

cbu/dpa/dapd

Forum

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insgesamt 84 Beiträge
1.
verpiler 24.12.2012
Wieso denn verrückt. Der Winter entspricht doch der Tatsache, dass es im Gegensatz zum Sommer eher kühl ist. Und weiße Weihnacht ist doch sowieso nur ein Postkarten-Klischeebild. Schnee gibt's in den Wolken. Oder unterm [...]
Wieso denn verrückt. Der Winter entspricht doch der Tatsache, dass es im Gegensatz zum Sommer eher kühl ist. Und weiße Weihnacht ist doch sowieso nur ein Postkarten-Klischeebild. Schnee gibt's in den Wolken. Oder unterm Schneebrett. Also ab ins Tal.
2.
washington.mayfair 24.12.2012
Ganz gleich wie die Temperatur gerade ist, ich wünsche allseits fröhliche Weihnachten. Auch und besonders der Redaktion.
Zitat von sysopDPAWeihnachten 2012 - in Süddeutschland wurde es den Menschen an Heiligabend nicht nur warm ums Herz. In Bayern wurden Rekordtemperaturen von mehr als 20 Grad gemessen. Ganz anders ist die Lage in Russland - dort bibbert die Bevölkerung bei Extremfrost. http://www.spiegel.de/panorama/weihnachtswetter-rekord-temperatur-in-muenchen-von-20-7-grad-a-874612.html
Ganz gleich wie die Temperatur gerade ist, ich wünsche allseits fröhliche Weihnachten. Auch und besonders der Redaktion.
3.
rakatak 24.12.2012
---Zitat von SPon-Artikel--- (...)Die offizielle DWD-Station am Olympiapark habe nur ein Maximum von 16,2 Grad verzeichnet. Dennoch schätze er den Rekordwert von 20,7 Grad, der gegen 13 Uhr gemessen worden sei, für realistisch [...]
---Zitat von SPon-Artikel--- (...)Die offizielle DWD-Station am Olympiapark habe nur ein Maximum von 16,2 Grad verzeichnet. Dennoch schätze er den Rekordwert von 20,7 Grad, der gegen 13 Uhr gemessen worden sei, für realistisch ein.(...) ---Zitatende--- Verstehe ich nicht. Wenn die Anzeige dem Herrn nicht passt, dann legt er selbst noch ein paar Grade drauf? Sehr wissenschaftlich scheint mir das aber nicht zu sein.
4. 20,7 Grad?
089 24.12.2012
Keine Ahnung in welchem München ihr 20,7 Grad gemessen habt aber sicher nicht in dem, wo ich lebe. Es war warm, vor Allem für diese Jahreszeit, aber es war mit Sicherheit nicht wärmer als 15 Grad. Vielleicht ist euch das [...]
Keine Ahnung in welchem München ihr 20,7 Grad gemessen habt aber sicher nicht in dem, wo ich lebe. Es war warm, vor Allem für diese Jahreszeit, aber es war mit Sicherheit nicht wärmer als 15 Grad. Vielleicht ist euch das Thermometer ja in den Glühwein gefallen oder so. Wie dem auch sei frohe Weihnachten.
5. Stuttgart 1979
spiegelleser987 24.12.2012
Und aus der Geschichte wissen wir: Wetter-Statistik (http://www.wetterklima.de/monatswetter/dezemberstatist.htm) Stuttgart 1979: 19,9°C und "Dagegen war der Winter 1529 sehr mild; am 11. Dezember hingen [...]
Zitat von sysopDPAWeihnachten 2012 - in Süddeutschland wurde es den Menschen an Heiligabend nicht nur warm ums Herz. In Bayern wurden Rekordtemperaturen von mehr als 20 Grad gemessen. Ganz anders ist die Lage in Russland - dort bibbert die Bevölkerung bei Extremfrost. http://www.spiegel.de/panorama/weihnachtswetter-rekord-temperatur-in-muenchen-von-20-7-grad-a-874612.html
Und aus der Geschichte wissen wir: Wetter-Statistik (http://www.wetterklima.de/monatswetter/dezemberstatist.htm) Stuttgart 1979: 19,9°C und "Dagegen war der Winter 1529 sehr mild; am 11. Dezember hingen Kirschen von Bohnengröße an den Bäumen." Immerhin weit besser als der Extremwinter 1607

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