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04.01.2013
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"Leichte Brise"

Islands namenloses Mädchen

AP

Blaer Bjarkardottir (l.), Bjork Eidsdottir: Namenloses Mädchen in Island

Vornamen haben in Island eine besondere Bedeutung, umso ungewöhnlicher ist der Fall einer 15-Jährigen: Sie ist das Mädchen, das nicht "Leichte Brise" heißen darf. Doch die Jugendliche will die strengen Vorschriften der Behörden nicht akzeptieren.

Reykjavík - Die 15-Jährige ist namenlos. Eigentlich wollte ihre Mutter sie "Blaer" nennen, auf Deutsch "Leichte Brise". Doch die Behörden lehnten das ab, weil der Name sich nicht auf der Liste der 1712 zugelassenen männlichen und 1853 weiblichen Namen steht. Jetzt kämpft Blaer, das Mädchen mit dem fröhlichen Sommersprossen-Gesicht, vor Gericht.

Die Logik der Regierung: Genau über die Namen zu wachen, soll Kinder davor bewahren, zum Gespött zu werden. Die Namen auf der Liste entsprechen zudem der isländischen Grammatik und haben eine festgelegte Aussprache. Väter und Mütter können sich für ihren Nachwuchs entweder aus dem Fundus bedienen oder sich mit eigenen Ideen an ein zuständiges Gremium wenden, das dann zustimmt oder ablehnt.

In Blaers Fall hatte der Geistliche, der das Mädchen getauft hatte, Mutter Bjork Eidsdottir verspätet darauf hingewiesen, dass der Name gar nicht auf der Liste steht. Er habe versehentlich die Zeremonie vollzogen, ohne auf die behördlichen Vorgaben zu achten. "Ich hatte keine Ahnung, dass der Name gar nicht auf der Liste steht", sagt Bjork Eidsdottir. Sie selbst habe jemanden gekannt, der 1973 auf den Namen Blaer getauft worden sei. In ihrem Fall lehnte das Gremium ab, weil das Wort Blaer männlich ist. Dass eine weibliche Person in einem Roman des isländischen Literaturnobelpreisträgers Halldór Laxness genauso heißt, ließ die Behörden kalt.

Klage gegen Entscheidung des Namenskomitees

Vornamen sind in Island besonders wichtig. Im Telefonbuch steht jeder zuerst mit Vornamen, die Nachnamen basieren auf den Vornamen der Eltern. Selbst wenn es um den isländischen Präsidenten Ólafur Ragnar Grimsson geht, redet man gemeinhin schlicht von Ólafur.

Bjork Eidsdottir hofft nun, dass durch ihre Klage erstmals eine Entscheidung des Namenskomitees rückgängig gemacht wird. Dabei werden die Regeln inzwischen schon etwas großzügiger gehandhabt. So ist beispielsweise der Name Elvis erlaubt. Cara, Carolina, Cesil und Christa hatten hingegen keine Chance, weil kein "C" im isländischen Alphabet vorkommt, das aus 32 Buchstaben besteht.

Eidsdottir ist bereit, bis zum Obersten Gerichtshof des Landes zu gehen. "Es scheint doch ein Menschenrecht zu sein, sein Kind zu nennen, wie man will. Vor allem, wenn es dadurch keinen Schaden erleidet", so die Mutter. "Und meine Tochter liebt ihren Namen."

wit/dapd

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