16.01.2013
Berliner Fashion Week
Die Straße ist mein Catwalk!
Von Wlada KolosowaAurelia, 17, Schülerin und Model
Ich habe nicht viel Geld, pro Monat gebe ich höchstens hundert Euro für Kleidung aus. Alles, was ich heute anhabe, ist aus zweiter Hand oder von H&M und kleineren Straßenshops. Irgendwann würde ich gern Chanel tragen, aber man kann auch mit kleinem Budget viel experimentieren. Manchmal sogar zu viel. Ich hatte eine Phase, da hatten alle meine Sachen ein Tiermuster. Ich sah aus, wie ein Zoo. Aber solche Ausrutscher sind wichtig, damit man später seinen Stil findet. Ich verurteile kein Outfit auf der Straße. Jeder soll anziehen, was er will. Mode soll Freiheit sein.
Antonia, 24, Schauspielerin
Heute habe ich eine halbe Stunde im Bad gestanden, mehr Zeit hatte ich nicht. Normalerweise brauche ich eine Stunde. Ich bin von der Designerin Rebekka Ruetz für die Fashion Week ausgestattet: Mein Oberteil und die Leggings sind von ihr. Mein Stil ist eher klassisch bis extravagant, manchmal sportlich. Ich probiere viel herum. Um manches mache ich aber einen weiten Bogen: Ich mag nichts, was zu nackt ist, zum Beispiel Shorts, die den halben Hintern frei lassen. Und zu viel Schmuck. Oder wenn man zu markenbewusst ist. Obwohl: Für Prada würde ich morden.
Gloria, 44, arbeitet im Verkauf in der Modebranche
Mode ist meine Leidenschaft, aber ich halte nichts von Trends und Marken. Es ist wichtiger, dass der Look das Innere zur Geltung bringt. Stil ist für mich die Fortsetzung der Persönlichkeit. Meiner steht für: Offenheit, Verrücktheit, Lebenslust. Was ich morgens aus dem Kleiderschrank ziehe, ist reine Gefühlssache. Ich habe ja nicht einmal einen Schrank, nur eine Kleiderstange mitten im Raum, damit ich alle meine Sachen sofort im Blick habe. Darauf hängen viele Jacken und Kleider, aber einen Hosenanzug würde man dort vergeblich suchen. Das bin einfach nicht ich.
Thanos, 38, Textilienhändler aus Griechenland
Ich bin nicht sehr eitel, aber Stil ist mir wichtig. Ich bandele einfacher mit jemandem an, mit dem ich modetechnisch auf einer Wellenlänge bin. Ich könnte mir schon vorstellen, mich in jemanden zu verlieben, dessen Klamotten ich nicht mag. Aber wahrscheinlich würde ich ihr ständig Kleidungsstücke nach meinem Geschmack schenken. Ich habe ein paar Modeticks, zum Beispiel werde ich schnell von meinen Sachen gelangweilt, trage meine Lieblingsstücke aber, bis sie Löcher haben und kombiniere sie immer wieder neu. Ich experimentiere gern mit unterschiedlichen Texturen und mehreren Lagen. Wie man meinen Stil nennt? Ich glaube, ich bin eine Art urbaner Kohl.
Tamara, 27, Grafikdesignerin aus Holland
Ich habe eine Art persönliche Uniform: adrette Hose und Bluse, nicht sehr bunt, aber immer mit Charakter. Diese hier sind von Maison Scotch und French Connection. Die Schuhe sind von Miista und die Strickjacke ist ein Vintage-Stück. Ich mag Asymmetrie, wahrscheinlich weil ich als Grafikdesignerin so viel über Komposition nachdenke. Röcke und Highheels wird man an mir nie sehen. Ich kaufe selten ein, und bin wohl manchmal zu perfektionistisch in meiner Auswahl. Aber wenn mir etwas gefällt, muss ich es sofort haben. Einmal habe ich 400 Euro für einen Wintermantel von Acne ausgegeben. Ich habe sehr wenige Klamotten: Den Inhalt meines Kleiderschrankes kenne ich blind. Muss ich auch: Ich bin ein Morgenmuffel, in der Frühe kriege ich die Augen kaum auf. Oft lege ich mir sogar mein Outfit schon abends raus, wie damals in der Grundschule.
Moritz, 27, Model und Junge für alles in einer Biobäckerei
Mein T-Shirt ist vom Designer Patrick Mohr, die Hose und die Schuhe sind aus dem Sozialkaufhaus. Letztere trage ich schon seit acht Jahren. Den Pullover habe ich von meiner Freundin ausgeliehen, die ihn wiederum von einem Freund geschenkt bekommen hat. Ich mag es, wenn man untereinander Klamotten tauscht. Es wäre schön, wenn wir alle weniger Sachen kaufen würden. Ich denke viel an die Umwelt und frage mich bei jedem Stück: Brauchst du das wirklich? Einmal habe ich mich in eine Winterjacke verliebt, aber sie dann doch nicht gekauft, weil meine alte noch ein paar Saisons hält. Ich achte möglichst viel darauf, dass die Stoffe Fairtrade und Bio sind, gehe häufig zum Flohmarkt. Viel mehr als die Marke ist mir die Geschichte hinter einem Stück wichtig. Ich habe einen winzigen Kleiderschrank. Viel lieber gebe ich Geld für gutes Essen aus.
Frederic, 26, Filmemacher und Künstler
Annette Hauschild/ Ostkreuz

