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16.01.2013
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Hubschrauber-Crash in London

Kranführer überlebt Unglück wegen Verspätung

DPA

Seine Verspätung hat einem Kranführer in London das Leben gerettet: Als der Hubschrauber um 8 Uhr morgens in die Baustelle in Vauxhall krachte, war der Mann noch nicht im Führerhaus. "Er war gerade dabei hochzuklettern", sagt ein Augenzeuge.

London - Sonst ist er immer pünktlich. Und auch an diesem Morgen war er nur wenige Minuten zu spät - aber das rettete dem Führer eines Krans das Leben. Gegen 8 Uhr krachte ein Hubschrauber in den Kran auf dem im Bau befindlichen Hochhaus "The Tower, One St George Wharf" im Londoner Stadtteil Vauxhall und stürzte brennend zu Boden. Der Kranführer war zu diesem Zeitpunkt nicht an seinem Arbeitsplatz.

Davon ist nicht mehr viel übrig: An dem rot-schwarzen Kran hängt nur noch der oberste Teil des Auslegers, abgeknickt, zeigt gen Boden, als wäre er ein zarter Ast. Auch ein Führerhaus ist nicht mehr zu erkennen.

"Der Kranführer beginnt seinen Arbeitstag normalerweise um 8 Uhr, aber entgegen seiner Gewohnheit war er ausgerechnet heute zu spät", sagte Tony Pidgley, der Vorsitzende der für den Bau von "The Tower" zuständigen Berkeley Group.

15 Menschen hatten weniger Glück. Der Hubschrauber war auf die Straße gestürzt und hatte mehrere Autos und Häuser in Brand gesteckt. Der Pilot kam ums Leben, außerdem starb ein Passant am Boden. 13 Menschen wurden verletzt. Ein Autofahrer konnte aus seinem brennenden Wagen gerettet werden.

"Er hat gezittert"

Angesichts der Tatsache, dass der Helikopter im Berufsverkehr in einem belebten Wohn- und Geschäftsviertel abstürzte, sei es "ein Wunder", dass nicht noch mehr Todesopfer zu beklagen seien, sagte Polizeisprecher Neil Basu. Das Unglück ereignete sich unmittelbar südlich der Stadtmitte in der Nähe der Themse.

Lkw-Fahrer Paul Robinson wartete mit seinem Müllwagen gerade auf Zufahrt zu der "The Tower"-Baustelle, als etwas sein Fahrzeug traf. Er habe zunächst an einen Auffahrunfall gedacht, berichtete der 42-Jährige: "Dann habe ich hochgeguckt und Trümmerteile herabfallen sehen. Ich bin wie verrückt gerannt." Als er über die Schulter schaute, sah Robinson, wie der Kranausleger mit einem riesigen Krach zu Boden stürzte.

Edmir Pishtar sah von einem Wagen außerhalb der Baustelle, wie Teile des Krans zu Boden krachten und zwei Autos trafen. Später habe er mit dem Kranführer gesprochen: "Er hat gezittert, weil er gerade dabei gewesen war, den Kran hochzuklettern."

Pilot flog Rettungseinsätze und Filmcrews

Die britische Luftfahrtbehörde hatte vor dem Unfall einen Warnhinweis herausgegeben, um Piloten auf den 230 Meter hohen Kran aufmerksam zu machen.

Zum Unglückszeitpunkt lag die Londoner Innenstadt in dichtem Nebel. Wegen des schlechten Wetters hatte der Helikopterpilot um eine Umleitung seines Fluges und eine Landegenehmigung am fünf Kilometer vom Absturzort entfernten London Heliport gebeten.

Aus Sicht des Flugexperten Chris Yates könnte das Wetter mit Nebel und schlechter Sicht maßgeblich zu dem Unfall beigetragen haben. Zudem müsse geklärt werden, ob an dem Kran Navigationsleuchten angebracht waren. "Eine weitere Frage ist, ob der Pilot fit war", fügte Yates hinzu.

Der Flieger galt als sehr erfahren. Er arbeitete seit 18 Jahren als Hubschrauberpilot, flog unter anderem Rettungseinsätze. Außerdem hat er bei zahlreichen Filmproduktionen mitgewirkt, flog unter anderem für Szenen aus Filmen wie "Der Soldat James Ryan", "Lara Croft: Tomb Raider - Die Wiege des Lebens", "James Bond - Stirb an einem anderen Tag" sowie zahlreichen TV- und Werbefilmen.

siu/Reuters/AFP

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