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27.01.2013
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Brandkatastrophe in Brasilien

Mehr als 200 Tote bei Feuer in Nachtclub

Es sollte ein ausgelassener Abend im Nachtclub Kiss werden - er endete in einer Katastrophe. Bei einem schweren Brand in der brasilianischen Stadt Santa Maria sind mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen, Dutzende wurden verletzt.

São Paulo - Ein Feuer in einem Nachtclub der brasilianischen Stadt Santa Maria hat mehr als 230 Menschenleben gefordert. Es seien 120 Männer und 112 Frauen getötet worden, sagte der verantwortliche Polizeisprecher Rois Tavares. Weitere 131 Menschen seien verletzt worden. Einige Stunden zuvor hatte ein anderer Polizeisprecher die Zahl der Todesopfer mit 245 Tote angegeben.

Das Feuer hatte sich gegen 2.30 Uhr in der Früh in dem Nachtclub Kiss entzündet, während des Konzerts einer Band. Es entwickelten sich hochgiftige Dämpfe. Unter den Besuchern kam es zu einer Massenpanik, nicht alle der jungen Menschen schafften es zum Ausgang. Laut Feuerwehr wurden viele Gäste totgetreten. Die meisten Opfer seien allerdings erstickt.

Die Brandursache ist noch unklar. Die Polizei leitete Ermittlungen ein. Mehrere brasilianische Medien berichteten unter Berufung auf Augenzeugen, die Band habe eine kleine Pyrotechnik-Show vorgeführt. Dabei geriet nach bisherigen Erkenntnissen möglicherweise das Dämmmaterial in der Decke in Brand.

Andere Augenzeugen machten mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen für die Brandkatastrophe mitverantwortlich. "Die Notausgänge reichten nicht aus", sagte eine junge Frau dem Fernsehsender Band News. "Das war eine zu kleine Tür für so viele Leute", sagte Luana Santos Silva TV Globo.

Feuer nach fünf Stunden gelöscht

Die Lage vor Ort war am Morgen (Ortszeit) noch chaotisch und unübersichtlich. Nach etwa fünf Stunden war der Brand gelöscht, und die Suche nach den Opfern begann. "Ich bin 40 Jahre bei der Feuerwehr, aber eine Tragödie solchen Ausmaßes habe ich noch nicht gesehen", sagte Feuerwehrmann Moisés da Silva Fuchs.

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Mehr als 200 Tote bei Brand: Feuerhölle im Nachtclub Kiss

Auf Bildern vom Brandort war zu erkennen, dass die Feuerwehr für die Lösch- und Bergungsaktion ein großes Loch in die Wand des Gebäudes geschlagen hat. Vor dem Gebäude versammelten sich Hunderte Angehörige und Freunde, die auf Nachricht warteten.

Leichen werden in Sportzentrum gebracht

Ein Sportzentrum in Santa Maria wurde zu einer Leichenhalle umfunktioniert, um dort die Todesopfer zu identifizieren. Die Verletzten wurden in den drei Krankenhäusern der Stadt sowie in Nachbarorten behandelt, wie der Gesundheitsminister des Bundesstaates Rio Grande do Sul, Ciro Simoni, mitteilte.

Die Discothek hatte eine Kapazität für 2000 Menschen. Wie viele in der Nacht zum Sonntag wirklich in dem Gebäude feierten, ist aber noch unklar. Es soll sich um eine Party von Studenten gehandelt haben. Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes sagte, zum Zeitpunkt des Unglücks seien zwischen 1000 und 2000 Menschen in dem Club gewesen.

Santa Maria liegt im Bundesstaat Rio Grande do Sul im Süden Brasiliens, in der Nähe der Grenzen zu Argentinien und Uruguay. Durch die Hochschule Universidade Federal de Santa Maria und große Militärstandorte gibt es besonders viele junge Menschen in der Stadt. Insgesamt leben dort rund 250.000 Menschen.

Der Gouverneur des Bundesstaates, Tarso Genro, erklärte über Twitter, die Behörden würden die nun nötigen Schritte unternehmen. Er werde in Kürze nach Santa Maria reisen.

Brasiliens Staatschefin Dilma Rousseff brach ihre Teilnahme an dem EU-Lateinamerika-Gipfel in Santiago de Chile vorzeitig ab. Sie werde von dort aus direkt nach Santa Maria reisen, teilte das Präsidialamt mit.

chs/siu/Reuters/AFP/dpa

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