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28.01.2013
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Brandkatastrophe in Disco

Brasilien trauert

REUTERS

Brasiliens Präsidentin Rousseff hat nach dem Brand in einer Disco eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Mehr als 230 Menschen kamen bei der Katastrophe ums Leben. Überlebende berichten von dramatischen Szenen in dem Club. Der Betreiber soll keine gültige Zulassung gehabt haben.

Porto Alegre - Montag sollte ein Feiertag in Brasilien werden: 500 Tage sind es noch bis zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in dem Land. Eine große Feier war geplant - und ist nun wegen der Brandkatastrophe in der Disco Kiss in Santa Maria abgesagt worden. Die Organisatoren des Ereignisses, das in Brasília stattfinden sollte, sprachen den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus.

Bei dem Unglück im Süden Brasiliens kamen in der Nacht zum Sonntag mehr als 230 Menschen ums Leben. Bei den Opfern handelt es sich nach Angaben des Zivilschutzes um 120 junge Männer und 113 Frauen. Mehr als hundert Menschen sind noch in Krankenhäusern. Die Mehrheit leide an Rauchvergiftung. Etwa ein Fünftel der Verletzten habe bei dem Unglück Brandwunden erlitten, sagte Gesundheitsminister Alexandre Padilha. 30 Patienten seien an Atemgeräte angeschlossen.

Unklar ist bisher, ob die auf tausend Gäste ausgelegte Disco doppelt so voll war. Augenzeugen behaupten das. Der Betreiber soll keine gültige Zulassung gehabt haben. Laut Polizei wird das Gegenstand der Ermittlungen sein. Der Eigentümer müsse sich verantworten und Papiere vorlegen. Am Montag wurden mehrere Personen festgenommen. Dabei handelt es sich offenbar um einen der Besitzer der Disco sowie um ein Mitglied der Band Gurizada Fandangueira, die in der Unglücksnacht in dem Club spielte.

Staatspräsidentin Dilma Rousseff brach eine Auslandsreise ab und ordnete drei Tage Staatstrauer an. "Es ist für uns alle eine Tragödie", sagte sie. Rousseff war nach der Nachricht über die Tragödie direkt vom Gipfel der EU mit den Staaten Lateinamerikas und der Karibik in Chile nach Santa Maria geflogen. Dort sprach sie mit Familien und Freunden der Opfer. Es kam zu erschütternden Szenen. Die Staatschefin nahm Angehörige in den Arm. Sie wurde vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Marco Maia, begleitet. "Das ist die Art von Tragödie, die man sich nicht vorstellen kann", sagte er. Der Bürgermeister Santa Marias, Cezar Schirmer, ordnete eine 30-tägige Trauerzeit an.

"Es gab so viele Tote"

Zu der Tragödie kam es ersten Erkenntnissen zufolge, als die Band Gurizada Fandangueira während ihres Auftritts eine Art Leuchtfackel als pyrotechnische Show-Einlage entzündete. Die Funken setzten vermutlich das Dämmmaterial aus Isolierschaum an der Decke in Brand. Es verbreitete sich ein hochgiftiger Rauch, dem sofort viele der Nachtclub-Besucher zum Opfer fielen. Ein Mitglied der Band kam ebenfalls ums Leben.

Feuerwehrleute berichteten, sie hätten Probleme gehabt, ins Innere des Clubs zu gelangen, weil vor dem Eingang Dutzende Tote gelegen hätten. Fernsehbilder zeigten junge Männer, die an der Seite von Feuerwehrleuten mit Äxten und Vorschlaghämmern versuchten, die Mauern des Gebäudes einzuschlagen, um dort Eingeschlossene zu befreien. Andere brachten Verletzte vom Unglücksort weg. "Da war so viel Rauch und Feuer, es herrschte totale Panik, und die Leute brauchten lange, um rauszukommen", sagte die Überlebende Luana Santos Silva im Fernsehsender Globo TV. "Es gab so viele Tote."

Laut Feuerwehr war zum Zeitpunkt der Katastrophe eine wichtige Tür abgeschlossen. In der Disco kam es zu einer Massenpanik. Zeugen berichteten zudem, dass die Sicherheitsleute des Nachtclubs am Anfang nur Besucher hätten herauslassen wollen, die auch ihre Rechnung bezahlt hätten. In Brasilien ist es üblich, dass man Eintritt, Getränke und Essen auf einem eigenen Zettel vermerken lässt und erst beim Verlassen der Disco bezahlt.

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Mehr als 200 Tote bei Brand: Feuerhölle im Nachtclub Kiss

ulz/dpa/dapd

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