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15.02.2013
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Trends der New York Fashion Week

Schluss mit Firlefanz

Von Wlada Kolosowa, New York
AFP

Blingbling hat ein Ende. Auffällig bei der Mode auf der New York Fashion Week war vor allem eines: ihre Einfachheit. Anstatt die Frauen zu dekorieren, setzten Designer auf Experimente mit Form und Volumen - oder hüllten sie in Herrenstoffe.

Schößchen, Fransen, Stickerei - im letzten Jahr waren New Yorker Laufstege mit dekorativen Elementen überladen. In einer Wirtschaftsflaute wollen die Menschen zur Schau tragen, wofür sie Geld ausgegeben - so der Gedanke der Designer. Mit der Flaute in den USA ist es immer noch nicht vorbei, wohl aber mit der Opulenz auf den Laufstegen. Die Schößchen sind nur noch selten zu sehen, genauso wie Pailletten und schwere Stickerei. Hier und da blitzen noch reiche Verzierungen auf, wie bei Zac Posen oder bei Tory Burch, die sich für ihre neue Kollektion von Gustav Klimt inspirieren ließ. Die meisten Designer setzten aber eher auf schlichte Nuancen und Feinheiten. Es ist Schluss mit Firlefanz.

Wilder Mustermix ist nur noch vereinzelt zu sehen. Bei J. Crew oder bei üblichen flippigen Verdächtigen wie Jeremy Scott. Die meisten Designer zeigen aber monochrome Looks. Bei Proenza Schouler hielt man sich fast ausschließlich an Schwarz und Weiß; Alexander Wang beschränkte sich auf Schwarz, gebrochenes Weiß und Grautöne. Und die Präsentationen der Modeschwergewichte Ralph Lauren und Calvin Klein muteten größtenteils an wie ein Film aus der Ära des Schwarz-Weiß-Films.

Kräftige Farben sind eher Akzente, dunkle Töne dominieren die Laufstege. Das ist nicht ungewöhnlich für die Wintermode, aber bei dieser Fashion Week so auffällig, dass Cathy Horyn, die spitzzüngige Modekritikerin der "New York Times", über die "spülwasserfarbene Palette von Grau-, Grün und Brauntönen" lästerte.

Architektur statt Deko

Auch wenn sie nicht in den Augen flimmert - karg ist die neue Mode nicht. Blingbling ist dem Spiel mit Form und Proportionen gewichen, zu sehen zum Beispiel in den Oversize-Jacken von MM6, den üppigen Proportionen von Alexander Wang und den gerundeten Schultern bei DKNY, Derek Lam und Victoria Beckham.

Neopren ist der Lieblingsstoff vieler dieser Mode-Architekten. Auch traditionelle britische Stoffe wie Tweed und Schottenstoffe hielten Einzug auf dem Laufsteg, wie zum Beispiel in der Kollektion von Victoria Beckham. Viele Designer beriefen sich in diesem Winter auf die traditionelle Schneiderkunst der Briten: Zum Beispiel Rag and Bone, Creatures of the Wind und Tommy Hilfiger, der in seiner Kollektion Tommy Nutter würdigte - den ikonischen Designer, der die Londoner Schneiderstraße Savile Row neu erfand.

Herrenstoffe in Kleiderschränken der Frauen

Hilfiger zog seine Damen nach dem gleichen Prinzip wie die Herren an: Hahnentrittmuster, Prince-Of-Wales-Karos und Streifen. Er war nicht der Einzige, der Frauen in Herrenstoffe hüllte: Fischgrätmuster waren bei DKNY und J.Crew zu sehen, schwere Schottenstoffe bei Phillip Lim und Victoria Beckham.

Anstatt die Frauen zu dekorieren, ließen viele Designer ihre Frauenlinien von Männermode inspirieren: Gelobt wurde zum Beispiel ein Wollanzug bei Carolina Herrera, Kleider von Prabal Gurung, die an Militäruniformen angelehnt waren, oder Hosenanzüge mit Weste von Melissa Webb.

Das soll nicht heißen, dass Frauen weniger weiblich aussehen. Die Entwürfe sind sehr feminin und unterstreichen den Körper - aber sie sind schlicht und dadurch zeitlos. Man darf sich also auf Stücke freuen, die nicht nach einer Saison zu Schrankleichen werden. Vielleicht ist das eine Sparmaßnahme. Vielleicht wollen die Designer aber auch den Frauen unter die Arme greifen, in deren kompliziertem, überstimuliertem Alltag kein Platz ist für Überflüssiges. Statt Riffraff wird es taff: Das Accessoire, über das bei der Modewoche am meisten geschrieben wurde, waren weder Schmuck noch Täschchen, sondern übergroße Fäustlinge, die an Boxerhandschuhe erinnern.

Terminplaner auf Diät

Während die Mode fastet, wird auch diskutiert, ob der Terminplaner der Fashion Week abspecken sollte. Dort sind fast 300 Designer gelistet. Viele von ihnen haben keine Lust auf abgehetzte Moderedakteure und Einkäufer. Sie wollen ihre Kollektionen im Netz oder im kleinen Rahmen außerhalb des Modemonats zeigen. Solange huscht das Modepublikum aber zwischen dem traditionellen Herz der Modewoche im Lincoln Center in Uptown und Lower Manhattan, wo inzwischen immer mehr Kollektionen präsentiert werden. Und wer dabei noch ein schwerverziertes Stück aus der letzten Saison mitschleppt, wird sich auf die neue Einfachheit freuen.

Forum

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insgesamt 6 Beiträge
1. Schreckliches Aussehen der
edhoc 15.02.2013
Einige "Models" sehen erschreckend schlecht aus. Blasse Haut, rote Haut, die wund wirkt, und sehr dünn und dazu einen Gesichtsausdruck, bei dem einem das Lächeln gefriert. Fast alle (auf den Bildern) schauen streng [...]
Einige "Models" sehen erschreckend schlecht aus. Blasse Haut, rote Haut, die wund wirkt, und sehr dünn und dazu einen Gesichtsausdruck, bei dem einem das Lächeln gefriert. Fast alle (auf den Bildern) schauen streng "neutral" - sie versuchen es zumindest - mit starrem Blick und ohne Regung im Gesicht. Dazu bei einigen die Haare eng anliegend zusammengebunden - hübsch ist etwas anderes. Zumindest nach meinem Empfinden. Ich dachte, "Models" sollen hübsch sein, sollen die Kleidung, die sie vorführen, attraktiv erscheinen lassen, so dass sie jemand kauft. Wenn jemand die Kleidung mit den Gesichtern in Verbindung bringt, wird man sie kaum positiv in Erinnerung behalten. Ganz abgesehen davon, dass vieles Vorgeführte nicht alltagstauglich ist. Vielleicht finden ja einige etwas extravagantes für Glamour-Ereignisse (Galas, Preisverleihungen usw.).
2.
totalmayhem 16.02.2013
Schau an, die Wall Street-Bonzen halten ihre Trophaeenweiber lieber einfach, die neue Bescheidenheit.
Schau an, die Wall Street-Bonzen halten ihre Trophaeenweiber lieber einfach, die neue Bescheidenheit.
3. Berlin-Style
Guderian 16.02.2013
So they try to be german?
Zitat von sysopBlingbling hat ein Ende. Auffällig bei der Mode auf der New York Fashion Week war vor allem eines: ihre Einfachheit. Anstatt die Frauen zu dekorieren, setzten Designer auf Experimente mit Form und Volumen - oder hüllten sie in Herrenstoffe.
So they try to be german?
4. Zombies
felisconcolor 16.02.2013
auf dem Laufsteg. Wo sind die schönen Models geblieben. Das ist doch gruselig. Da hilft es auch nicht das die gezeigte Mode vielleicht sogar tragbar ist.
auf dem Laufsteg. Wo sind die schönen Models geblieben. Das ist doch gruselig. Da hilft es auch nicht das die gezeigte Mode vielleicht sogar tragbar ist.
5. Ich mag Models nicht
AusVersehen 16.02.2013
Ich kann bei bestem Willen nicht nachvollziehen, warum Models als schön gelten. Die Kleider hängen an ihnen herunter wie an einem Besenstiel. Es sind elendig lange, dürre, flachbrüstige Hungerhaken, die mehr krank als [...]
Zitat von sysopBlingbling hat ein Ende. Auffällig bei der Mode auf der New York Fashion Week war vor allem eines: ihre Einfachheit. Anstatt die Frauen zu dekorieren, setzten Designer auf Experimente mit Form und Volumen - oder hüllten sie in Herrenstoffe. Fazit der New York Fashion Week: Schluss mit Firlefanz - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/fazit-der-new-york-fashion-week-schluss-mit-firlefanz-a-883733.html)
Ich kann bei bestem Willen nicht nachvollziehen, warum Models als schön gelten. Die Kleider hängen an ihnen herunter wie an einem Besenstiel. Es sind elendig lange, dürre, flachbrüstige Hungerhaken, die mehr krank als lebensfroh wirken und stets einen so teilnahmslosen Blick drauf haben, als sei ihr Gehirn zugekokst.

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