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15.02.2013
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Ex-Bürgermeisterin O'Connor

Völlig verzockt

picture alliance/ ZUMA Press

Maureen O'Connor vor Gericht in San Diego: "Vorgehabt, das Geld zurückzuzahlen"

Mit mehr als einer Milliarde Dollar soll die frühere Bürgermeisterin von San Diego in Casinos gespielt haben. Weil sich Maureen O'Connor bei der Stiftung ihres Mannes bediente, musste sie vor Gericht. Die 66-Jährige macht einen Hirntumor für den Absturz verantwortlich, die Richter zeigen Milde.

New York - Ihre Spielsucht ließ Maureen O'Connor tief fallen. Einst war sie die erste Bürgermeisterin von San Diego und dank der Hochzeit mit Fast-Food-Pionier Robert O. Peterson reich. Doch innerhalb weniger Jahre verspielte die inzwischen 66-Jährige ihr Vermögen - und wurde kriminell.

Mit mehr als einer Milliarde Dollar (750 Millionen Euro) soll O'Connor zwischen 2000 und 2009 in Las Vegas, Atlantic City und San Diego gezockt haben. Das geht aus Ermittlungsakten hervor, aus denen die "New York Times" und die "Los Angeles Times" nun zitierten.

Um flüssig zu sein, habe sie ihre Ersparnisse aufgebraucht, Häuser mit mehreren Hypotheken belastet, sonstigen Besitz versteigert, Freunde angepumpt - und sich bei der Stiftung ihres verstorbenen Mannes bedient. Robert Peterson hatte die Fast-Food-Kette Jack in the Box gegründet, als Erster im großen Stil das Drive-in-System eingesetzt und damit Milliarden gemacht.

Weil sie Ermittlern zufolge gut zwei Millionen Dollar aus einem Wohltätigkeitsfonds ihres Mannes genommen hatte, musste sich O'Connor nun vor Gericht verantworten. Die Stiftung, die unter anderem Patienten mit Alzheimer und ein Hospiz unterstützt hatte, ist pleite.

Hirntumor und Trauer über Tod des Mannes

O'Connor macht einen Hirntumor für ihre Spielsucht verantwortlich. 2011 musste sie sich nach Angaben ihres Anwalts Eugene Iredale einer Hirnoperation unterziehen. Zur Anhörung am Donnerstag betrat die 66-Jährige mit unsicherem Gang den Gerichtssaal in San Diego und wirkte verwirrt. "Ich habe immer vorgehabt, das Geld zurückzuzahlen", sagte sie den wartenden Reportern unter Tränen.

Maureen O'Connor stammt aus einer armen Arbeiterfamilie. Sie wuchs als eines von 13 Kindern auf. Zu Erntedank hätten die Eltern keinen Truthahn kaufen können und aus Hackfleisch einen Vogel geformt, sagte O'Connor laut "New York Times" einst in einem Interview.

Sie arbeitete sich hoch, wurde Grundschullehrerin und stand von 1986 bis 1992 als erste Frau an der Spitze der Stadtverwaltung des südkalifornischen San Diego. Nach dem Tod ihres Mannes und anderer ihr nahe stehender Menschen 1994 habe sie mit dem Spielen begonnen, sagte ihr Anwalt.

Wie viel Geld O'Connor insgesamt verspielt hat, ist den Ermittlungsbehörden zufolge unklar. Weil sie immer wieder auch gewonnen habe, sei von der insgesamt genutzten Milliarde unterm Strich nur ein Minus von 13 Millionen Dollar geblieben, sagte Anwalt Iredale.

Die Richter nahmen Rücksicht auf die Lebensumstände und vor allem den Gesundheitszustand der 66-Jährigen. In Absprache mit der Staatsanwaltschaft hat O'Connor zwei Jahre Zeit, veruntreutes Geld an die Gläubiger und hinterzogene Steuern an den Staat zurückzuzahlen. Außerdem wird sie wegen ihrer Spielsucht behandelt.

siu/dpa

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