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Panorama

Rätselhafter Koma-Patient

Polizei identifiziert Jogger aus Berlin

Niemand meldete ihn vermisst: Seit Monaten liegt ein Jogger aus Berlin im Koma. Die Suche nach seiner Identität stellte die Polizei vor ein Rätsel. Nun hat ein Schlüssel den Ermittlungserfolg gebracht.

DPA

Der Volkspark Wilmersdorf

Donnerstag, 12.07.2018   15:18 Uhr

Vier Monate lang lag ein Mann auf der Intensivstation der Berliner Charité - niemand dort kannte seinen Namen oder wusste, woher er kam. Die Polizei übernahm den Fall. Dieser sei einzigartig, sagten Berliner Polizisten, die nach den Namen und Wohnort des Unbekannten suchten. Wochenlang führten ihre Ermittlungen ins Nichts. Doch nun ist die Identität des Mannes geklärt: Ein Schlüssel brachte die Beamten auf seine Spur.

Bei dem Mann, der sich inzwischen im Wachkoma befindet, handelt es sich nach Informationen der Berliner Polizei um einen alleinlebenden 74-Jährigen. Er lebe an der Brandenburgischen Straße und somit in der Nähe des Parks, in dem er gefunden wurde.

Außer 15 Euro und zwei Schlüsseln trug er nichts bei sich

Am 13. März 2018 war er beim Joggen im Volkspark Wilmersdorf gestürzt und hatte das Bewusstsein verloren. Passanten entdeckten den Mann und alarmierten den Notarzt. Dieser brachte den 74-Jährigen in die Berliner Charité.

Doch außer 15 Euro und zwei Schlüsseln trug der Berliner nichts bei sich - keinen Ausweis, keinen Führerschein und auch keine anderen Dokumente, die irgendeinen Hinweis auf seine Identität hätten geben können. Die Polizei ging mit Bildern des Unbekannten an die Öffentlichkeit. Aber der entscheidende Hinweis blieb aus.

Vor zwei Tagen entschieden sich die Ermittler für eine ungewöhnliche Aktion: Sie schickten Polizeischüler mit Duplikaten der Schlüssel in die Straßen rund um den Volkspark. Sie sollten ausprobieren, ob die Schlüssel in eine Tür passten. Doch auch hier landeten die Beamten keinen Treffer.

Über Twitter bat die Berliner Polizei dann noch einmal die Bürger der Hauptstadt um Hilfe. Wer Hinweise zu dem Schlüssel geben könne, möge sich bitte melden.

Nachbar erkannte den Schlüssel

Am Mittwochabend entdeckte schließlich ein 25-Jähriger, der im gleichen Haus wie der Mann lebt, im Internet einen Artikel zu dem Fall. Er erkannte den Schlüssel und meldete sich am nächsten Morgen bei der Vermisstenstelle, teilte die Polizei mit. Im Gespräch mit den Beamten erzählte der Nachbar, dass er den älteren Herren nur selten gesehen habe. Der 74-Jährige habe allein und zurückgezogen gelebt.

Kurz darauf machte sich das Team von Uwe Dziuba, Hauptkommissar der Vermisstenstelle, mit der Adresse auf den Weg. Tatsächlich passte einer der Schlüssel in die Haustür des sechsstöckigen Hauses. "Wir sind rein und haben uns erstmal die Briefkästen angeguckt. Drei waren voll und quollen wirklich über", berichtete Dziuba. Die Beamten kehrten zunächst zurück zur Dienststelle und recherchierten die Namen der Bewohner. Dann landeten sie einen Treffer: Ein Name, der auf einem vollen Briefkasten stand, passte zum Alter des Unbekannten.

Wenig später stand Dziuba mit seinen Kollegen vor der Wohnungstür des 74-Jährigen. Auch hier passte der Schlüssel. Im Inneren schien die Zeit stehen geblieben: "Da standen die Winterschuhe, da hing die Winterjacke," sagte Dziuba. Er fand Ausweis und die Krankenkassenkarte des Mannes. Das Rätsel um seine Identität war endlich gelöst.

sen/dpa

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