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Panorama

Gedenken an Zweiten Weltkrieg

Dresdner bilden Menschenkette

Vor 73 Jahren fielen die Bomben alliierter Flugzeuge auf Dresden, weite Teile der Stadt wurden zerstört, 25.000 Menschen starben. Am Dienstag demonstrierten Tausende Dresdner gegen Krieg, für Weltoffenheit und Toleranz.

DPA

Menschenkette am Dresdner Elbufer

Dienstag, 13.02.2018   20:54 Uhr

Mit Kerzen, stillen Gebeten und einer Menschenkette haben die Dresdner der Zerstörung ihrer Stadt vor 73 Jahren gedacht. Etwa 11.500 Menschen kamen nach Angaben der Stadt am Dienstagabend zusammen, um eine rund vier Kilometer lange Menschenkette um die Altstadt zu bilden. Damit sollte nach Angaben der Stadt an die Unmenschlichkeit des Kriegs erinnert und gleichzeitig "ein Zeichen des Miteinanders für eine weltoffene, tolerante Stadt" gesetzt werden.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) forderte, sich aktiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen und die gesellschaftliche Spaltung zu überwinden. "Erinnerungskultur ist nicht nur das Ablegen von Kränzen, sondern auch in ganz besonderer Weise gesellschaftliche Bildungsarbeit mit klarem Bezug zur Gegenwart", sagte Hilbert laut Redetext zum Auftakt der Menschenkette. Aus dem 13. Februar erwachse eine Verantwortung "nicht für die Vergangenheit, aber sehr wohl für das, was heute, morgen und übermorgen geschieht".

Foto: DEUTSCHE FOTOTHEK/ Walter Hahn

Zu der Menschenkette hatte wieder ein breites Bündnis aus Politik, Wirtschaft, Kirchen, Wissenschaft und Gewerkschaften aufgerufen. "Wir wenden uns gegen jede Anwendung von Gewalt und fordern zur Versöhnung auf", hieß es in dem gemeinsamen Appell.

Dresden ringt seit langem um Erinnerungskultur

Bereits seit Dienstagvormittag versammelten sich Dresdner Bürger und Politiker an zahlreichen Gedenkorten, um an die Opfer des Zweiten Weltkriegs zu erinnern. Zu den zentralen Erinnerungsorten gehört neben dem Heidefriedhof, wo zahlreiche Tote der Luftangriffe begraben sind, auch der Altmarkt. Dort wurden nach der Bombardierung Tausende Tote eingeäschert. Vor der im Krieg zerstörten und vor wenigen Jahren wieder aufgebauten Frauenkirche entzündeten Besucher Kerzen.

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Jahrestag der Bombenangriffe: Als das alte Dresden unterging

Bei den Luftangriffen alliierter Bomber auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945 waren etwa 25.000 Menschen getötet worden. Weite Teile der historischen Altstadt wurden komplett zerstört. Zuvor war Lübeck vom englischen Bomberkommando als erstes Ziel einer neuen strategischen Luftoffensive ausersehen worden: Kann es gelingen, mit Spreng- und Brandbomben ganze Städte in Schutt und Asche zu legen? Das wollten die Briten testen. Am Ende blieb auch von der Marzipanstadt nur ein rauchendes Trümmerfeld übrig.

REUTERS

Bürger reichen sich bei der Menschenkette die Hände

Um die Erinnerungskultur wird in Dresden seit langem gerungen. Oberbürgermeister Hilbert war im vergangenen Jahr angefeindet worden, nachdem er vor einem Opfermythos gewarnt und erklärt hatte, Dresden sei alles andere als eine unschuldige Stadt gewesen. Nach Drohungen gegen ihn wurde er damals unter Polizeischutz gestellt.

Bereits am Samstag hatten mehrere hundert Menschen gegen einen Aufmarsch von Neonazis in der sächsischen Landeshauptstadt demonstriert. Rechtsextreme versuchen seit Jahren, den Jahrestag der Zerstörung für ihre politischen Zwecke zu instrumentalisieren. Starke Gegenproteste verhinderten größere Neonaziaufmärsche rund um den 13. Februar in den vergangenen Jahren.

mja/AFP

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