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Panorama

Entlaufene Kuh

Waltraud und Waldi sollen Yvonne retten

Seit Wochen pilgert eine entlaufene Kuh namens Yvonne durch ein bayerisches Waldgebiet. Versuche, sie einzufangen, schlugen bislang fehl. Nun holen Tierschützer eine Stallfreundin und ein Kalb zu Hilfe: Sie sollen Yvonne aus dem Wald locken. Die Zeit drängt - das Tier ist zum Abschuss freigegeben.

DPA

Kuh Yvonne (Foto vom 21. Juli): Eine Stallfreundin soll sie zur Räson bringen

Freitag, 05.08.2011   08:40 Uhr

Hamburg - Yvonne hat man sie getauft, die Kuh, die es mittlerweile zu einiger Berühmtheit gebracht hat: Ende Mai büxte sie im bayerischen Landkreis Mühldorf aus, seither genießt sie ein Leben in Freiheit. Ganz so spaßig ist die Situation für Yvonne jedoch nicht. Das Landratsamt hat inzwischen den Abschuss erlaubt. Aus Sicherheitsgründen.

Yvonne war vor kurzem ausgerechnet vor ein Polizeiauto gerannt. Den Beamten gelang es nicht, das Tier einzufangen, doch der Schock saß tief. Yvonne ist eine Gefahr für den Straßenverkehr, da hört der Spaß auf.

Tierschützer versuchen jedoch, Yvonne vor dem Abschuss zu retten. Sie kauften das für die Schlachtung vorgesehene Tier für rund 700 Euro und wollen es auf den Gnadenhof Gut Aiderbichl bringen. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit: Zwei Männer sollen mit Betäubungspfeilen und scharfer Munition auf der Suche nach dem Tier sein.

Die Mitarbeiter vom Gut Aiderbichl suchen mit einem Quad und einem Geländefahrzeug nach Yvonne. Sogar drei Jäger wurden angeheuert, um die Kuh einzufangen.

Weil das alles bislang vergeblich war, rüsten die Tierschützer auf: "Wir sind jetzt mit der Wärmebildkamera unterwegs", sagte der Salzburger Gutsverwalter von Aiderbichl, Hans Wintersteller, am Donnerstagabend. Bei Regenwetter hätten am Donnerstag nur etwa 14 Leute bei der Suche geholfen, nötig seien aber 80 bis 100 Menschen, die dann das Unterholz durchkämmen könnten. Experten mit Betäubungsgewehren sollten die Kuh dann abfangen.

Sie wollen jedoch nicht allein der Technik vertrauen: Wintersteller und seine Mitstreiter haben die Kuh Waltraud und das Kälbchen Waldi gekauft. Waltraud ist eine Stallfreundin aus Österreich, Waldi soll Yvonnes Mutterinstinkte wecken. "Sie hat ja selbst auch Kälbchen gehabt", sagte Wintersteller. Gemeinsam sollen Kuh und Kalb Yvonne aus dem Wald locken.

Mit Waltraud war Yvonne nach Aschau zu ihrem neuen Besitzer gebracht worden, der sie mästen und schlachten wollte - und dem sie am 24. Mai entkam. Wegen ihres scheuen Verhaltens wird sie auch die "Kuh, die ein Reh sein will", genannt. Sie grast zum Beispiel nur nachts.

Die Locktiere wurden nach Zangberg gebracht. Dort leben sie in einem eigens gebauten Gehege. Erste Versuche schlugen allerdings fehl. "Wir versuchen es weiter", sagte Wintersteller.

bim/dpa

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