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Panorama

"Florence" wütet in den USA

"Dieser Sturm ist tödlich"

Mindestens fünf Tote, Hunderttausende Menschen sind ohne Strom: Wirbelsturm "Florence" bringt gigantische Wassermassen nach North und South Carolina.

Foto: AFP
Samstag, 15.09.2018   07:35 Uhr

Wirbelsturm "Florence" bringt, begleitet von heftigem Wind, gigantische Wassermengen in die US-Bundesstaaten North Carolina und South Carolina. Wegen nachlassender Windgeschwindigkeiten vom Hurrikan zum Tropensturm zurückgestuft, bewegt er sich nach Darstellung des Nationalen Hurrikanzentrums in Miami nur sehr langsam voran.

North Carolinas Gouverneur Roy Cooper bezeichnete das Unwetter als "Jahrtausend-Ereignis". "Florence" entwurzelte Bäume, zerstörte Häuser, machte Straßen unpassierbar.

"Wir wissen, dass es noch Tage weitergehen wird", sagte Cooper. "Florence" bewegte sich am Freitag mit nur etwa sechs Kilometern pro Stunde. Per Erlass ordnete Cooper an, dass etwa Betroffene leichter als bisher an Übergangswohnungen kommen. "Tatsache ist: Dieser Sturm ist tödlich." Bis zum späten Freitagabend starben mindestens fünf Menschen durch "Florence" oder seine Folgen.

Eine Mutter und ihr Kleinkind kamen in der Küstenstadt Wilmington (North Carolina) um, nachdem ein umstürzender Baum auf ihr Haus krachte, wie die Polizei mitteilte. Eine Frau starb an einem Herzinfarkt. Ein Mann erlitt einen Stromschlag, als er mit einem Notstromaggregat hantierte. Ein 77-Jähriger in Kinston wurde vom Sturm schlicht umgeblasen - er starb durch den Sturz.

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Sturm "Florence": North Carolina unter Wasser

Nach offiziellen Angaben waren rund 930.000 Häuser ohne Strom, laut Gouverneur Cooper waren allein in North Carolina 650.000 Menschen davon betroffen. Die Behörden rechnen damit, dass bis zu zehn Millionen Menschen in einem riesigen Einzugsgebiet im Südosten der USA von dem Sturm betroffen sein könnten. Meteorologen prognostizieren, dass "Florence" über den südlichen Appalachen an Wucht verlieren und nach Nordosten abdrehen wird. In den Neuenglandstaaten soll der Sturm Mitte nächster Woche ankommen.

Das Zentrum des Sturms war am Freitag in Wrightsville Beach in North Carolina auf Land gestoßen. Im Laufe des Tages wurde "Florence" vom Nationalen Hurrikanzentrums (NHC) zu einem tropischen Sturm herabgestuft.

Gefährlicher als der Wind ist bei "Florence" aber das Wasser. In manchen Orten sollen bereits mehr als 600 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen sein - bis "Florence" verschwunden ist, könnten es mehr als 1000 Liter werden, warnen Meteorologen.

Flüsse traten über die Ufer und erreichten Rekord-Pegelstände. Straßen wurden überspült. Mehr als 1300 Flüge wurde laut CNN an der US-Ostküste gestrichen. In der Nähe von Wilmington in North Carolina - unweit des Ortes, an dem "Florence" auf die Küste traf - hatte der Stromversorger Duke Energy ein Atomkraftwerk vorsichtshalber vom Netz genommen.

REUTERS

"Florence" aus dem Weltall

Viele Küstenorte glichen am Freitag Geisterstädten. Fenster waren mit Brettern vernagelt, die Straßen wie ausgestorben. In mehreren Städten galten Ausgangssperren. "Florence" brachte schwere Fluten, heftige Böen und extreme Regenfälle. Katastrophenschützer mussten ausrücken, um Menschen aus überfluteten Häusern zu retten.

Die Behörden hatten vorsorglich mehr als eine Million Menschen entlang der Küste aufgerufen, sich vor dem Hurrikan in Sicherheit zu bringen und landeinwärts Schutz zu suchen - bei Freunden, Verwandten, in Hotels oder Notunterkünften. Nicht alle folgten aber den Aufrufen. Allein 20.000 fanden Unterschlupf in den 150 Notunterkünften North Carolinas. Die Nationalgarde war mit rund 9700 Personen im Einsatz.

Der Sturm stellt auch die Katastrophenschutzbehörde Fema vor Herausforderungen. Sie steht wegen ihrer langsamen und schlecht vorbereiteten Reaktion auf Hurrikan "Maria" im vergangenen Jahr in Puerto Rico in der Kritik; damals waren nahezu 3000 Menschen gestorben.

Es liefen bereits viele Notfalleinsätze in der betroffenen Küstenregion, sagte Fema-Chef Brock Long. Als eine der ersten Gegenden wurden die Outer Banks getroffen, eine dem Festland vorgelagerte Inselkette in North Carolina. Auch den Ort New Bern an der Küste North Carolinas traf die Sturmflut. Rund 150 Menschen warteten hier zwischenzeitlich darauf, von Rettungskräften aus den Wassermassen gerettet zu werden, wie der National Weather Service auf Twitter meldete.

ulz/dpa/Reuters/AFP/AP

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