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Panorama

"Florence"

Wetterreporter dramatisiert Sturmbericht - und blamiert sich im Netz

Liveberichte von Stürmen sind für Journalisten eine Herausforderung. Doch ein US-Reporter hat bei seinem "Florence"-Einsatz nun wohl ziemlich übertrieben.

Sonntag, 16.09.2018   14:10 Uhr

Man kennt das Bild aus dem TV-Wetterbericht, es wird ab jedem Sturm mittlerer Größe mit verlässlicher Regelmäßigkeit in unsere Wohnzimmer gesendet. Das Szenario geht so: Sobald es irgendwo ordentlich stürmt und ein Unwetter droht, schicken die TV-Stationen ihre Reporter zum Einsatzort für einen Livebericht.

Vor Ort stellt das Kamerateam dann den entsprechenden Berichterstatter vor die Kamera. Gewappnet mit einem kleintiergroßen Mikrofonschutz und gehüllt in wind- und regendichte Survival-Kleidung soll Mann oder Frau dann live einen lebensnahen Eindruck davon vermitteln, wie sich so ein Sturm anfühlt, wenn man mittendrin steht.

Und wenn sich der Reporter vor lauter Sturm kaum noch auf den Beinen halten kann, freut das die Regie im Studio.

So sollte es wohl auch bei einem Bericht des US-amerikanischen Weather-Channels zu "Florence" sein. Der Meteorologe und Reporter Mike Seidel wiegt bei seiner Liveschaltung aus Wilmington im US-Bundesstaat North Carolina vor der Kamera hin und her, als würden ihn die Sturmböen jeden Augenblick umwerfen.

Doch nicht nur die ungelenken Bewegungen des Mannes deuten an: Hier hat wohl jemand den Kampf gegen den Sturm ein wenig übertrieben. Absurd wird die Szene spätestens dann, als im Hintergrund zwei Jungs in kurzen Hosen durch das Bild schlendern, als wären sie bei einem Sonntagsspaziergang.

Die Szene machte in den sozialen Netzwerken die Runde und wurde zu einem Hit bei Twitter. Dort ist der Clip von dem Bericht, den ein Nutzer in Netz gestellt hatte, mehr als 24 Millionen Mal angeschaut worden, Tausende teilten den Beitrag oder kommentierten ihn.

Und darin kam Reporter Seidel nicht gerade gut weg. Viele warfen ihm vor, in dem Bericht geschauspielert zu haben, oder machten sich über ihn lustig. Etliche stellten den Bericht in selbst gedrehten Clips nach.

Immerhin haben die Verantwortlichen beim Weather-Channel inzwischen eine Erklärung veröffentlicht. Es sei wichtig anzumerken, dass die beiden Personen in Hintergrund auf Beton gehen, während ihr Reporter auf Gras stehe, das rutschiger sei. Zudem habe er bis ein Uhr nachts berichtet und sei ohne Frage total erschöpft gewesen.

Inzwischen ist "Florence" offiziell kein Sturm mehr: Nach Angaben des US-Hurrikanzentrums in Miami vom Sonntagmorgen (Ortszeit) verlor er weiter an Kraft und gilt nun nur noch als tropisches Tiefdruckgebiet. Dennoch warnte das Hurrikanzentrum weiterhin vor Sturzfluten und Hochwasser führenden Flüssen in den US-Staaten North Carolina und South Carolina.

joe

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