04.08.2012
Hähnchenbrater und Homo-Ehe
Küssen als Protest
New York - Was hat ein Hähnchen-Burger mit der Home-Ehe zu tun? In den USA jede Menge. Mit einer Kuss-Aktion haben am Freitagabend Homosexuelle in den USA gegen die Ablehnung der Homo-Ehe durch den Chef der Fast-Food-Kette Chick-fil-A protestiert. "Es hat nichts damit zu tun, gegen die Religions- oder Meinungsfreiheit zu sein", sagte der 35-jährige Innenarchitekt Bryan McIlroy bei dem Protest vor einer Filiale in Hollywood. "Ich bin hier, weil ich schwul bin und nicht glaube, dass es richtig ist, irgendeine Form von Hass zu unterstützen."
Die Organisatoren hatten auf sozialen Online-Netzwerken für den Abend zu der Kuss-Aktion vor den rund 1600 Schnellrestaurants der Kette aufgerufen, um gegen die umstrittenen Äußerungen des Firmenchefs zur Homo-Ehe zu protestieren. Seine Firma sei schon immer nach "der biblischen Definition der Familie" ausgerichtet gewesen, sagte Dan Cathy Mitte Juli einer christlichen Nachrichtenagentur und ergänzte später in einem Radio-Interview: "Ich glaube, dass wir Gott dazu einladen, über uns zu richten, wenn wir unsere Faust ihm gegenüber schütteln und sagen 'Wir wissen besser als du, was eine Ehe ausmacht'."
Die Fast-Food-Kette ist ebenso für ihre Brathähnchen wie für ihr Eintreten für christliche Werte bekannt. Homosexuellen-Aktivisten werfen ihr vor, Million Dollar für die Kampagnen konservativer christlicher Gruppen gegen die Homo-Ehe gespendet zu haben.
"Irgendwas war mit dem Burger"
In den USA tobt seit Jahren ein erbitterter politischer Streit um die Gleichstellung von Schwulen und Lesben auf der Heiratsurkunde. Konservative Gruppen und Kirchen laufen Sturm dagegen. Auf der Gegenseite stehen viele Demokraten, Menschrechtler und Hollywood-Stars wie Brad Pitt, George Clooney oder Steven Spielberg. Der Komiker Steve Martin etwa twitterte zu der Hähnchen-Homo-Kontroverse gewohnt sarkastisch: "Ich habe gerade bei 'Chick-fil-A' zu Abend gegessen und dann einen Mann geheiratet. Irgendwas war mit dem Burger."
Zu der Kuss-Protestaktion hatten sich laut "Huffington Post" insgesamt mehr als 15.000 Menschen angekündigt. Sie erfolgte zwei Tage, nachdem zahlreiche Gegner der Homo-Ehe einem Aufruf gefolgt waren, zur Unterstützung der Kette zum Essen in die Schnellrestaurants zu kommen. Demokraten und Republikaner lieferten sich in den vergangenen Tagen einen Glaubenskrieg im Schnellrestaurant. Für sie wurde der Biss ins Hähnchen-Sandwich zur politischen Meinungsäußerung. Die gleichgeschlechtliche Partnerschaft ist in sechs US-Bundesstaaten legal.
Chick-fil-A bemüht sich indes um Entspannung. "Die Kultur und Service-Tradition in unseren Restaurants ist, jeden Menschen mit Ehre, Würde und Respekt zu behandeln - ungeachtet seines Glaubens, seiner Herkunft, seiner sexuellen Orientierung oder seines Geschlechts", verbreitete die Fast-Food-Kette per Pressemitteilung. "Wir wollen die Debatte über die Homo-Ehe der Regierung und der Politik überlassen."
wit/AFP/AP/dpa