20.08.2012
Von Kuba nach Florida
62-Jährige schwimmt für den Weltrekord
Havanna - Diana Nyad gehört sicher nicht zu der Sorte Mensch, die ein Vorhaben vorschnell aufgibt: Die US-Extremschwimmerin ist zu einem vierten Anlauf aufgebrochen, ohne einen schützenden Haikäfig von Kuba nach Florida zu schwimmen und damit ihren eigenen Weltrekord zu brechen. Die 62-Jährige startete am Samstagnachmittag im Hafen von Havanna, um die rund 165 Kilometer zu den Florida Keys durchzuschwimmen. Wenn alles planmäßig verläuft, wird sie etwa 60 Stunden für die Strecke benötigen.
Nyad wird bei ihrem Rekordversuch von einem 50-köpfigen Team auf fünf Booten begleitet - und musste bereits mit Widrigkeiten kämpfen, die einen der vorherigen Anläufe vereitelten: "Heute ist es eher wie Schwimmen", twitterte ein Mitglied ihres Teams am Sonntag. "Ich weiß nicht, wie man das letzte Nacht nennen würde... wahrscheinlich Überleben." Denn vor allem nachts kommen Quallen an die Meeresoberfläche. Im vergangenen Jahr musste Nyad ihren dritten Versuch nach 125 zurückgelegten Kilometern abbrechen, weil begleitende Ärzte befürchteten, eine weitere Berührung mit einer der giftigen Quallen könnte lebensbedrohlich werden.
Diesmal trug Nyad zum Schutz gegen Quallen über dem Gesicht einen Nylonstrumpf mit Löchern für Augen, Nase und Mund. Ein Gerät auf einem Kajak in Nyads Nähe baute zudem ein schwaches elektrisches Feld auf, das die meisten Haie fernhalten soll. Trotz des schützenden Badeanzugs erlitt sie aber auch diesmal an Lippen, Füßen und Beinen Verletzungen durch Quallen.
Erster Versuch vor 34 Jahren
In der Nacht zum Montag passierte Nyad die 28-Stunden-Marke, doch Angaben über die bereits zurückgelegte Distanz machte ihr Team auch auf der eigens eingerichteten Website nicht.
Falls der Versuch gelingt, würde Nyad damit ihren vor 33 Jahren aufgestellten Rekord für die größte je von einer Frau im offenen Meer geschwommene Distanz überbieten. Die Kalifornierin war 1979 insgesamt 164 Kilometer von den Bahamas nach Florida geschwommen.
Mit der gefährlichen Aktion verfolgt Nyad nach eigenen Angaben ihren Traum, Kuba und den US-Staat Florida symbolisch zu verbinden. Den ersten Versuch hatte sie 1978 unternommen. Raue See zwang sie damals nach weniger als der Hälfte der Strecke zum Abbruch. Im vergangenen Jahr musste sie zwei Versuche abbrechen. Der erste scheiterte wegen eines Asthma-Anfalls, der zweite wegen der Quallenbisse.
Erst am Wochenende hatte ein anderer Extremschwimmer eine schier unglaubliche Leistung vollbracht. Der Franzose Philippe Corizon durchschwamm die Beringsee von Alaska nach Russland - die letzte von vier Meerengen zwischen allen Kontinenten, die er in diesem Jahr bezwang. Der 44-Jährige hat weder Arme noch Beine.
fdi/dapd/dpa

