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16.11.2012
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Hambacher Forst

Eingebuddelter Aktivist in Lebensgefahr

DPA

Seit vier Tagen harrt ein Umweltschützer in einem sechs Meter tiefen Erdbunker aus. Er hat sich dort angekettet, um gegen die Abholzung des Hambacher Forsts zu protestieren. Die Polizei spricht von einer "lebensgefährlichen Aktion" - und versucht, den Mann mit allen Mitteln herauszuholen.

Kerpen - Die Geschichte begann schon Mitte April: Dutzende Umweltaktivisten besetzten damals einen Teil des Hambacher Forsts bei Kerpen. Sie wollten verhindern, dass der Wald gerodet und der Energiekonzern RWE aus dem Gebiet Braunkohle gewinnt. Am vergangenen Dienstag begann die Polizei mit mehreren Hundertschaften damit, das Camp im Rhein-Erft-Kreis zu räumen. Doch ein Mann zeigte sich besonders hartnäckig: Er hatte ein Tunnelsystem unter der Erde gebuddelt und verbarrikadierte sich dort.

Noch immer sitzt er in sechs Metern Tiefe fest, er hat sich in dem Bunker unter einer Holzhütte des früheren Camps an einem Betonblock angekettet. Die Polizei in Hürth bei Köln spricht inzwischen von einer "lebensgefährlichen Situation". Spezialisten der Grubenwehr des Steinkohleförderers RAG hatten gewarnt, das selbstgegrabene Tunnelsystem sei akut einsturzgefährdet. Die Hütte über dem Erdbunker musste daraufhin vorsichtig abgebaut werden, ehe mit den Arbeiten an einem Rettungsschacht begonnen werden konnte.

Dazu wurde am frühen Freitagmorgen ein Saugbagger eingesetzt, der das Erdreich abtragen sollte. "Es geht weiter, wir kommen voran", sagte eine Polizeisprecherin. Die Dauer der weiteren Rettungsarbeiten sei aber nicht abzuschätzen. Die Sicherheit des Mannes habe "oberste Priorität".

Nach Fertigstellung des Rettungsschachtes wollen die Helfer, darunter neben Polizei und Feuerwehr auch viele Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW), seitlich einen Zugang zum Erdloch graben. Anschließend soll der Braunkohle-Gegner von einem Notarzt versorgt werden, bevor er an die Oberfläche geholt wird. Der Mann soll laut Polizei Mitte 20 und gelernter Tischler sein.

aar/dapd/AFP

Forum

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insgesamt 54 Beiträge
1.
zylinderkopf 16.11.2012
Bevor wieder welche hier Beifall klatschen für diesen heroischen Einsatz gegen das Großkapital - denkt mal an ganzen Einsatzkräfte und deren Angehörige, die für diesen Spacken Ihre Freizeit opfern und Sonderschichten [...]
Bevor wieder welche hier Beifall klatschen für diesen heroischen Einsatz gegen das Großkapital - denkt mal an ganzen Einsatzkräfte und deren Angehörige, die für diesen Spacken Ihre Freizeit opfern und Sonderschichten schieben. Und wenn dann doch was passiert heißt es noch "Versager" und "anklagen wg. fahrlässiger Tötung".
2. Falsche Darstellung..,
rallehajo666 16.11.2012
die Gefahr geht von den schweren Maschinen der Räumungskräfte aus..!
die Gefahr geht von den schweren Maschinen der Räumungskräfte aus..!
3. optional
desert1234 16.11.2012
Ich hoffe doch sehr das die Kosten für die Rettung dem Aktivisten in Rechnung gestellt. Das wird doch wieder zehntausende von Euros kosten.
Ich hoffe doch sehr das die Kosten für die Rettung dem Aktivisten in Rechnung gestellt. Das wird doch wieder zehntausende von Euros kosten.
4. Tischler
trader_07 16.11.2012
Wenn es nach mir ginge, dürfte dieser liebenswerte Zeitgenosse nach dem Herausholen so lange in einer Gefängnis-Tischlerei arbeiten, bis er die Kosten für diesen Einsatz abgearbeitet hat.
Zitat von sysopDPASeit vier Tagen harrt ein Umweltschützer in einem sechs Meter tiefen Erdbunker aus. Er hat sich dort angekettet, um gegen die Abholzung des Hambacher Forsts zu protestieren. Die Polizei spricht von einer "lebensgefährlichen Aktion" - und versucht den Mann mit allen Mitteln herauszuholen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/hambacher-forst-eingebuddelter-umweltschuetzer-in-lebensgefahr-a-867654.html
Wenn es nach mir ginge, dürfte dieser liebenswerte Zeitgenosse nach dem Herausholen so lange in einer Gefängnis-Tischlerei arbeiten, bis er die Kosten für diesen Einsatz abgearbeitet hat.
5. Demonstrieren ja, ABER NICHT SO
ehrenamtlicherhelfer 16.11.2012
Zuerst dachte ich (wohne selbst in Köln), super Aktion. Auch Freunde von mir waren unter den Helfern die versucht haben, diese Person zu retten. Mittlerweile ist jedoch rausgekommen, dass sich dieser Ars... frei bewegen kann [...]
Zuerst dachte ich (wohne selbst in Köln), super Aktion. Auch Freunde von mir waren unter den Helfern die versucht haben, diese Person zu retten. Mittlerweile ist jedoch rausgekommen, dass sich dieser Ars... frei bewegen kann und NICHT angekettet war. Die Helfer (die auch ihr eigenes Leben für seine Rettung riskiert haben) waren beinahe bei ihm und er hat nicht besseres zu tun als einen Stützpfeiler wegzutreten und so den Bereich zum Einsturz zu bringen, in welchem er lag. Er verzog sich (feige) in einen anderen Bereich. Mit welchem Recht setzt er das Leben anderer aufs Spiel?!? Diese Leute sind gekommen in dem festen Glauben jemanden retten zu müssen. So kann man (vielen) EHRENAMTLICHEN Helfern auch in den Hintern treten.... Ich finde solche Proteste ja gut und auch gerechtfertigt, aber das der Kerl dort gerade abzieht ist einfach falsch. Meiner Meinung nach sollte keiner um in Trauern wenn jetzt der Stollen noch einbrechen sollte. So etwas hat er nicht verdient.

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