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17.11.2012
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Hambacher Forst

Polizei holt eingebuddelten Aktivisten aus Schacht

DPA

Hilfskräfte stehen im Hambacher Forst (Nordrhein-Westfalen) vor dem Erdloch

Er ist wieder übererdig: Polizisten haben einen Umweltschützer aus einem sechs Meter tiefen Erdbunker geholt. Der junge Mann hatte sich dort vier Tage lang verschanzt, um gegen die Abholzung des Hambacher Forsts zu protestieren - und flüchtete sogar dort unten vor den Einsatzkräften.

Kerpen - Trotz Einsturzgefahr wollte der Umweltaktivist weiterhin in dem sechs Meter tiefen Erdloch im Hambacher Forst bei Kerpen ausharren, in das er sich vergraben hatte. Doch die Polizei sah dieser lebensgefährlichen Situation nicht weiter zu: Einsatzkräfte drangen zu dem seit vier Tagen unter der Erde verschanzten Umweltaktivisten vor und trugen ihn gegen 23.15 Uhr in der Nacht zum Samstag unverletzt aus einem Schacht, wie ein Polizeisprecher sagte.

Bei dem Mann handelt es sich dem Sprecher zufolge wahrscheinlich um einen 25-Jährigen. Er ist der letzte verbliebene Aktivist des Camps, das errichtet wurde, um gegen den geplanten Braunkohle-Abbau in dem Waldgebiet zu protestieren.

Die Einsatzkräfte hatten bereits Sichtkontakt zu dem Mann, als er plötzlich wichtige Stützbalken wegtrat und in einen Gang flüchtete. Feuerwehr und Rettungskräfte waren mit schwerem Gerät vor Ort und setzten einen Saugbagger ein, um einen Parallelschacht auszuheben. Über eine Freundin des Mannes wurde zunächst Kontakt gehalten. Entgegen ersten Vermutungen hatte er sich nicht angekettet und konnte sich frei bewegen.

Die Räumung des Camps hatte am Dienstag begonnen. Die Fläche soll gerodet und an den Energiekonzern RWE übergeben werden, der dort Braunkohle abbaggern will. Dagegen hatten Gegner dieser Pläne seit April mit der Besetzung des Waldstücks protestiert. Sie errichteten Baumhäuser und stellten Zelte auf. Dieser Mann zeigte sich besonders hartnäckig: Er hatte ein Tunnelsystem unter der Erde gebuddelt und verbarrikadierte sich dort.

Die Polizei in Hürth bei Köln sprach von einer "lebensgefährlichen Situation". Spezialisten der Grubenwehr des Steinkohleförderers RAG hatten gewarnt, das selbstgegrabene Tunnelsystem sei akut einsturzgefährdet. Die Hütte über dem Erdbunker musste daraufhin vorsichtig abgebaut werden, ehe mit den Arbeiten an einem Rettungsschacht begonnen werden konnte.

Wer die Kosten des tagelangen Einsatzes tragen wird, ist noch unklar.

lgr/dapd

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