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26.11.2012
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Brand in Behindertenwerkstatt

Die Tragödie von Titisee

Von und Martin U. Müller

Zeugen berichten von einer Explosion - war das der Grund für die Brandkatastrophe in der Behindertenwerkstatt? 14 Menschen starben in Titisee-Neustadt. Die Rettungskräfte und der Caritas-Verband sind schockiert: "Wir sind fassungslos."

Eigentlich sollte heute gefeiert werden in der Caritas-Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt im Schwarzwald. Der große Advents- und Weihnachtsmarkt sollte beginnen. Doch dazu kam es nicht.

Aus bisher unbekannter Ursache brach gegen 14 Uhr ein Feuer in der Einrichtung in der Straße "Im Bildstöckle" aus. Ein verheerender Brand, der 14 Menschen das Leben kostete. Mindestens acht weitere wurden laut Polizei verletzt, sie sind außer Lebensgefahr. Bei den Toten handelt es sich um 13 Menschen mit Behinderung und eine Betreuerin, sie seien vermutlich an einer Rauchvergiftung gestorben, sagte der Einsatzleiter der Polizei, Alfred Oschwald.

"Ich bin seit 30 Jahren bei der Polizei, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Freiburg. Die Helfer waren mit schwerem Atemschutzgerät in das Gebäude vorgedrungen, um die Bewusstlosen ins Freie zu bringen. Einige wurden noch beim Heraustragen beatmet, berichtet eine Augenzeugin. "Aber dann mussten die Retter draußen feststellen, dass die Menschen bereits tot waren."

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Brand in Behindertenwerkstatt: Der tödliche Brand in Titisee-Neustadt
Das Freiburger Rote Kreuz hat 25 Notfallnachsorger an den Unglücksort bestellt, die Feuerwehrleute und Angehörige psychologisch betreuen. Insgesamt waren 300 Feuerwehrleute, Sanitäter, Katastrophenschützer und Polizisten vor Ort. Zwei Rettungshubschrauber kamen zum Einsatz. Als der Brand ausbrach, seien 50 bis 60 Menschen in dem Haus gewesen, sagte Kreisbrandmeister Alexander Widmaier. Am Nachmittag hieß es, der Brand sei unter Kontrolle. Da drang noch immer Rauch aus den Fenstern des Hauses.

Beim Caritas-Verband Freiburg-Stadt zeigte man sich am Abend erschüttert über eine Katastrophe, wie es sie noch nie gegeben habe. "Wir sind fassungslos", sagte der Stellvertreter des Vorstands, Rainer Gantert, SPIEGEL ONLINE. Niemand könne sich derzeit erklären, wie es zu dem schrecklichen Unglück kommen konnte. "Wir haben hohe Sicherheitsstandards, die Bausubstanz ist solide, wir haben das Gebäude umfangreich saniert." Der vollautomatische Rauchalarm sei ausgelöst worden, zusätzlich hätten sich Menschen telefonisch an die Einsatzleitung gewandt. Die Feuerwehr soll bereits sechs Minuten, nachdem die Brandmelder angeschlagen hatten, vor Ort gewesen sein.

Viele offene Fragen

Ersten Einschätzungen zufolge könnte das Feuer in einem Lagerraum ausgebrochen sein, in dem sich Chemikalien befunden haben sollen. Zeugen hatten von Explosionen berichtet. Laut Polizei kam es zu einer oder mehreren Detonationen, es stand aber nicht fest, ob diese Auslöser oder Folge des Feuers waren.

Viele Fragen bleiben zum jetzigen Zeitpunkt offen: War der Umgang mit offenem Feuer in der Einrichtung erlaubt? "Nein, das kann ich mir nicht vorstellen", sagt Rainer Gantert, "bei uns wird schon das Aufstellen von Kerzenlicht restriktiv gehandhabt." Ob die Türen offen oder geschlossen gehalten wurden, war dem Stellvertretenden Vorstand nicht bekannt. War es die Regel, dass sich eine Betreuerin um 13 Personen gekümmert hat? "Mir ist der exakte Betreuungsschlüssel in der Einrichtung nicht bekannt. Aber er orientiert sich an der Art der Förderung und den Anforderungen der Produktion", sagt Gantert.

Wenige Stunden nach dem verheerenden Brand können auch viele Helfer keinen Fehler bei der Koordination des Rettungseinsatzes erkennen. Die zuständige Leitstelle Freiburg habe vorschriftsmäßig den Löschzug alarmiert, außerdem habe man zusätzliche Fahrzeuge angefordert, sagte ein Sanitäter SPIEGEL ONLINE. Demnach rückten Kranken-, Rettungs- und Notarztfahrzeuge aus, wurden ehrenamtliche Kräfte aktiviert. Fahrzeuge aus den Rettungsdienstbereichen Villingen-Schwenningen und Waldshut kamen zur Hilfe, zwei Rettungshubschrauber flogen zur Einsatzstelle.

Der Malteser Hilfsdienst wie das Rote Kreuz aus Freiburg entsendete Führungskräfte für die Koordination des Einsatzes; selbst der Geschäftsführer des DRK Freiburg ist vor Ort. In einer benachbarten Firma wurde eine Registrierungsstelle aufgebaut: Hier wird akribisch aufgelistet, welche Person wann wohin transportiert worden ist.

Als die Rettungskräfte am Montagmittag vor dem Haus eintrafen, liefen ihnen schreiende Menschen entgegen, andere saßen hilflos in Rollstühlen. Viele der gehandicapten Besucher hatten Schwierigkeiten sich in dem Chaos zu orientieren. "Wir haben hier mit Menschen zu tun, die naturgemäß nicht rational reagieren", sagte Kreisbrandmeister Alexander Widmaier.

Gauck und Merkel erschüttert

Das Unglück löste bundesweit Entsetzen und Trauer aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erkundigte sich bei dem Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Grüne), über die Katastrophe. "Sie ist tief erschüttert, sprachlos und fassungslos angesichts dieser schrecklichen Ereignisse", sagte Kretschmann. Das Land sicherte dem Caritasverband bei der Bewältigung der materiellen Schäden und bei der Betreuung der Menschen Hilfe zu.

Auch Bundespräsident Joachim Gauck brachte seine Erschütterung über die Katastrophe zum Ausdruck: "Ich denke an die armen Menschen, die Opfer zu beklagen haben", sagte er in Duisburg zum Abschluss seines Antrittsbesuchs in Nordrhein-Westfalen.

Kretschmann und Landesinnenminister Reinhold Gall (SPD) waren mit einem Hubschrauber zum Unglücksort geflogen, der rund 40 Kilometer östlich von Freiburg im Breisgau liegt. "Der Brand ist eine Katastrophe für die Betroffenen, für den Ort und ganz Baden-Württemberg", sagte Kretschmann. "Solche Schicksalsschläge sind schwer zu verkraften." Die meisten Behinderten, die in der Einrichtung arbeiten, leben bei ihren Angehörigen. Die Stadt Titisee-Neustadt kündigte einen Gedenkgottesdienst für die Opfer der Brandkatastrophe an.

In der Caritas-Werkstatt arbeiten etwa 120 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung unter anderem in der Metall- und Holzverarbeitung. Sie stellen eigene Produkte wie etwa Nistkästen her, fertigen aber auch Auftragsarbeiten. Die Werkstatt wurde 1979 gegründet und vor sechs Jahren grundlegend saniert und um einen Neubau erweitert. In diesem Gebäude brach das Feuer aus. Derzeit sind noch immer 60 Feuerwehrleute vor Ort, die Brandwache wird die ganze Nacht dauern.

Mit Material von dpa und AFP

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Quelle: dapd

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