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11.01.2013
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Debatte in den USA

Miss-Kandidatin will sich Brüste amputieren lassen

AP/ Miss America Organization

Allyn Rose will Miss America werden. Vor dem Schönheitswettbewerb sorgt sie mit einer geplanten Operation für Aufsehen: Weil in ihrer Familie mehrere Frauen an Brustkrebs starben, will sich die 24-Jährige beide Brüste amputieren lassen.

Las Vegas - 53 Kandidatinnen treten am Samstag an, um Miss America zu werden. Allyn Rose, Miss DC, ist eine von ihnen. Die 24-Jährige ist blond, groß, schlank und sticht auch sonst äußerlich nicht aus dem Feld der Teilnehmerinnen heraus. Dennoch beherrscht sie die Berichterstattung zur Wahl, seitdem sie im November ihr Vorhaben öffentlich machte: Sie will sich nach dem Wettbewerb beide Brüste amputieren lassen - aus medizinischen Gründen, als Prävention gegen Brustkrebs.

Roses Mutter, Großmutter und Großtante starben an Brustkrebs. "Wenn es etwas gibt, das ich tun kann, um proaktiv zu sein, könnte es meinem Körper wehtun, könnte es meiner äußerlichen Schönheit schaden, aber ich werde leben", sagte die Miss DC.

Ihr Vater habe das Thema präventive Amputation erstmals zu Beginn ihres Politikstudiums an der University von Maryland angesprochen, zwei Jahre nach dem Tod der Mutter. "Ich sagte: 'Dad, das werde ich nicht tun. Ich mag meinen Körper.' Er wurde ernst und sagte: 'Nun, dann wirst du sterben wie deine Mom.'"

Bei Roses Mutter wurde die erste Brustkrebs-Diagnose gestellt, als sie 27 Jahre alt war. "Davon bin ich drei Jahre entfernt", sagte Rose. Sie will ihre Brüste chirurgisch wieder aufbauen lassen. Das sei jedoch risikoreich, und es bestehe keine Garantie, dass ihre Oberweite wieder so aussehen werde wie derzeit.

"Sehr vernünftig" oder "sehr ungewöhnlich"?

Ob jemand genetisch bedingt Brustkrebs bekommen kann, lässt sich mit Tests feststellen. Rose trägt das mutierte Gen BRCA 1 oder BRCA 2 (Breast Cancer Susceptibility Gene 1 oder 2) nicht in sich, aber ihre Mutter hat ihr eine seltene genetische Mutation vererbt, die eine Erkrankung wahrscheinlicher machen könnte.

Das Vorhaben der 24-Jährigen hat der Miss-Wahl eine Diskussion beschert, die den sonst üblichen freundlichen Belanglosigkeiten entgegensteht.

Der Eingriff ist unter Medizinern umstritten. Präventive Amputation sei eine "sehr vernünftige" Wahl für jemanden mit einer solchen Familiengeschichte und einer genetischen Prädisposition, sagte Patricia Greenberg, Leiterin eines Krebsvorsorgeprogramms in Los Angeles.

Andere Spezialisten weisen auf die Risiken von Operation und Anästhesie hin. Der Eingriff sei für jemanden Anfang 20 "sehr ungewöhnlich", sagt Todd Tuttle, Krebsspezialist und Chirurg an der Universität Minnesota.

Zudem monieren Kritiker, dass ein gesunder Mensch operiert werde. Was, wenn etwas schiefgeht oder aufgrund des Eingriffs Folgekrankheiten entstehen? Zudem ist bislang nicht dokumentiert, dass Frauen, die vorsorglich operiert werden, länger leben als jene, die erst operiert werden, wenn Krebs tatsächlich festgestellt wird.

"Das verstümmelt deinen Körper"

Art McMaster, Chef der Miss-America-Organisation, nannte Rose ein unglaubliches Beispiel an Stärke und Mut. Doch die 24-Jährige muss sich auch Kritik gefallen lassen.

Sandra Swain, medizinische Direktorin des Washington Cancer Institute, sagte, sie fürchte, andere Frauen könnten Rose als falsches Vorbild nehmen. Man habe eine Zunahme präventiver Brustamputationen festgestellt, "und viele davon nicht aus medizinischen Gründen, sondern aus Angst und Besorgnis".

Die Zahl der entsprechenden Operationen hat sich zwischen 1998 und 2007 verzehnfacht, wie aus einer 2010 veröffentlichten Studie hervorgeht.

Rose hat Briefe erhalten, deren Verfasser darauf bestünden, sie solle weiterhin ihr Bikinioberteil ausfüllen. "Leute sagen: 'Lass dich nicht operieren. Das verstümmelt deinen Körper. Du hast nicht Krebs.'" Sie sei auch beschuldigt worden, das Ganze sei nur ein Trick, um sich für die Wahl beliebter zu machen.

Auch wenn sie den Wettbewerb gewinnt, will Rose ihre Pläne nicht aufschieben. Als Miss America will sie die Brustkrebsprävention zu ihrem Thema machen. Sie habe daran gedacht, welch machtvolle Botschaft davon ausgehen könnte, wenn eine Miss America sage: "Ich bin vielleicht Miss America, aber ich lasse mich trotzdem operieren. Ich werde mein Leben kontrollieren und meine Gesundheitsvorsorge."

ulz/AP

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