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18.02.2013
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Bikini-Fotos

Rassismusvorwürfe gegen "Sports Illustrated"

"Sports Illustrated" hat für seine Bademodenausgabe Models in alle Welt geschickt - Kate Upton in die Antarktis, Jessica Gomes nach China, Emily DiDonato nach Namibia. Nun hagelt es Kritik: Die Fotos mit Einheimischen in traditioneller Kleidung manifestierten Stereotype und Kolonialismus.

Hamburg - Da wollte sich "Sports Illustrated" für die Bademodenausgabe 2013 mal was ganz Besonderes einfallen lassen. Das US-Magazin machte das Shooting für sein Titelblatt nicht einfach an einem sonnigen Strand in Kalifornien oder Florida, sondern schickte Model Kate Upton in die Antarktis. Und fotografierte weitere Models auf den restlichen sechs Kontinenten, so dass im Heft eine Reise auf alle sieben Erdteile zu sehen ist.

Es entstanden Bilder in Spanien, andere in China, weitere in Namibia. Meist sind im Hintergrund Menschen in traditioneller Kleidung zu sehen - und im Fall von Upton Pinguine.

Genau das fliegt dem Magazin jetzt um die Ohren. Das sei rassistisch, man bediene sich Stereotypen, ätzten Blogger und Forennutzer im Internet. Speerspitze der Bewegung ist das US-Blog Jezebel, genaugenommen Autorin Dodai Stewart. Unter dem Titel "Sex & Stereotypes" kritisiert sie, das Magazin missbrauche "Menschen als Requisiten".

Auf einem Foto, das in Guangxi in China aufgenommen wurde, sei beispielsweise Model Jessica Gomes in einer Gruppe von Kindern zu sehen. Nicht nur, dass die weiße Frau in westlicher Kleidung ("Wie knapp auch immer der Bikini ist") zu sehen sei und in der Mitte der Gruppe stehe - "sie interagiert nicht einmal mit den Kindern", moniert die Bloggerin.

Noch schlimmer sei das Bild, auf dem sich das Model im Boot eines chinesischen Mannes in traditioneller Kleidung räkelt. "Ein weißer Mensch entspannt, ein Farbiger arbeitet… Dieses Foto manifestiert Stereotype, bewahrt das Ungleichgewicht alter Machtstrukturen und erinnert an Jahrhunderte von Kolonialismus", so Stewart.

Die härteste Kritik übt die Autorin an einem Foto, das in Namibia aufgenommen wurde. Es zeigt ein weißes Model neben einem schwarzen Mann, dessen von hinten aufgenommener Körper nur äußerst spärlich bedeckt ist. "Emily DiDonato vor dem beeindruckenden Sand Namibias aufzunehmen, hat nicht gereicht. Ein halbnackter Mann lässt das Bild exotischer wirken", kritisiert Stewart.

"Den chinesischen Bootsmann in Speedo stecken?"

Unter den rund 160 Forumseinträgen, die bis Montagnachmittag eingegangen waren, finden sich durchaus einige Unterstützer, die dem Magazin ebenfalls mangelndes Fingerspitzengefühl vorwerfen. Doch viele der User interessieren sich eher dafür, warum Kate Upton nicht ein Bikini angezogen wurde, in den sie hineinpasst.

Es gibt auch Blogger, denen diese Political Correctness zu weit geht. Peter Bella von den "Washington Times Communities" macht sich über die Jezebel-Kritik lustig. "Hätten die den chinesischen Bootsmann in einen Speedo-Badeanzug stecken sollen oder vielleicht in Segelmode?", fragt er ironisch. Schließlich beschwere sich doch auch niemand, wenn auf einem Foto ein venezianischer Gondoliere in seiner Arbeitskleidung zu sehen sei.

Außerdem fragt Bella, warum man sich über die Fotos mit den Pinguinen aufrege. Bella hat einen geeigneten Vorschlag parat: "Vielleicht sollte 'Sports Illustrated' nächstes Jahr auf die Models verzichten und einfach den Pinguinen die Bikinis anziehen."

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