Schrift:
Ansicht Home:
Panorama

Boris Becker zu rassistischem AfD-Tweet

"Es ist Zeit, auf die Straße zu gehen"

Boris Becker hat emotional auf die Beschimpfung seines Sohnes reagiert: Rassismus dürfe nicht länger hingenommen werden, schrieb er in einem Gastbeitrag. Noah Becker hat indes Strafanzeige erstattet.

AP

Boris (l.) und Lilly Becker, Sohn Noah Becker (r.)

Sonntag, 07.01.2018   11:40 Uhr

Nach den Beschimpfungen aus den Reihen der AfD gegen seinen Sohn Noah hat Boris Becker zum Kampf gegen Rassismus aufgerufen. In einem Gastbeitrag für die "Welt am Sonntag" schrieb der Ex-Tennisstar: "Es ist Zeit, aufzustehen, den Finger zu heben und auf die Straße zu gehen. Hier und auf der ganzen Welt."

Noah Becker, Maler, DJ und Sohn von Tennislegende Boris Becker, war über den Twitter-Account des AfD-Abgeordneten Jens Maier rassistisch beschimpft worden. Der Kommentar wurde später gelöscht. Maier selbst gab an, der Tweet sei nicht von ihm, sondern von einem Mitarbeiter abgesetzt worden.

Er zweifle daran, dass ein Mitarbeiter Maiers den Tweet abgesetzt hätte, schrieb Boris Becker weiter. "Das tun sie bei der AfD doch immer, das ist ihre Masche. Irgendetwas in die Welt setzen und sich dann davon distanzieren." Der AfD-Politiker sage solche Dinge weder aus Dummheit noch aus Angst - er wisse genau, was er tue. Maiers Wähler würden dessen Worte aufsaugen und er bediene diese perfekt.

Seinen Sohn habe das Ganze "schon ziemlich hart getroffen". Er sei aber erstaunt gewesen, wie aufgeräumt er auf eine solche Aussage reagiert habe. "Da hat er mir in seinen jungen Jahren einiges voraus, ich bin bei diesem Thema deutlich emotionaler." Noah wolle dem Hass mit noch mehr Liebe begegnen - "ich fordere erst einmal Konsequenzen".

Noah Becker stellt Strafanzeige gegen Maier

Konsequenzen fordert aber auch sein Sohn Noah. Er geht juristisch gegen Maier vor: Bereits am vergangenen Mittwoch habe er "wegen aller hier in Betracht kommenden Delikte" Strafanzeige erstattet sowie Strafantrag gestellt, teilte sein Anwalt Christian-Oliver Moser laut der Nachrichtenagentur dpa mit.

Zudem sei der AfD-Politiker zur Abgabe einer Unterlassungserklärung aufgefordert worden, "um eine derartige rassistische Beleidigung in Zukunft auszuschließen", hieß es. Die für Freitag gesetzte Frist habe Maier aber "ohne jede Reaktion" verstreichen lassen. Daher wolle er "zeitnah auch die Zivilgerichte bemühen", sagte Moser.

Boris Becker machte deutlich, dass Maiers Handeln entsprechende Folgen haben müsse und forderte eine klare Haltung gegen derlei Aussagen: Rassismus dürfe einfach nicht länger hingenommen werden, schrieb er. Niemand werde bestraft, niemand müsse büßen, und am Ende werde das Thema totgeschwiegen. "Damit muss endlich Schluss sein! Bei diesem Thema gibt es keine Grauzone. Wir haben doch nun wirklich aus unserer Vergangenheit gelernt."

kry/dpa/AFP

insgesamt 72 Beiträge
Japhyryder 07.01.2018
1. Boris & Noah Becker
Man kann über Boris Becker sagen, was man will. Aber in Puncto Rassismus und Nationalismus hatte er immer eine klare Haltung. Respekt. Ich fand auch die Reaktion seines Sohnes Noah klasse. Mir gefällt, dass Boris Becker als [...]
Man kann über Boris Becker sagen, was man will. Aber in Puncto Rassismus und Nationalismus hatte er immer eine klare Haltung. Respekt. Ich fand auch die Reaktion seines Sohnes Noah klasse. Mir gefällt, dass Boris Becker als seinen Lebensmittelpunkt London gewählt hat.
Wunderläufer 07.01.2018
2. Zustimmung
1. das passiert in letzter Zeit häufig, dass Naziparolen verbreitet werden, der Accountowner aber auf jemanden Drittes verweist 2. Nach Frau Storch nun ein weiterer Rassist der AfD; solche Äußerungen müssen strafrechtliche [...]
1. das passiert in letzter Zeit häufig, dass Naziparolen verbreitet werden, der Accountowner aber auf jemanden Drittes verweist 2. Nach Frau Storch nun ein weiterer Rassist der AfD; solche Äußerungen müssen strafrechtliche Konsequenzen haben; da darf keine Immunität schützen
romeov 07.01.2018
3. Wo der Mob regiert
Ich habe mir neulich mal die Beiträge auf dem t-online Nachrichten Portal über Noah Becker angesehen. Es gab hunderte Beiträge. Etwa jeder zweite Beitrag war beleidigend, rassistisch, nationalistisch. Die Frage wird sein, wie [...]
Ich habe mir neulich mal die Beiträge auf dem t-online Nachrichten Portal über Noah Becker angesehen. Es gab hunderte Beiträge. Etwa jeder zweite Beitrag war beleidigend, rassistisch, nationalistisch. Die Frage wird sein, wie man mit so einem Phänomen umgehen soll und in wie weit die Betreiber dieser Foren dem Mob die Gelegenheit geben darf, sich dementsprechend auszulassen.
südwest3 07.01.2018
4. das geht gar nicht
Zwischenzeitlich sollte es auch dem letzten AfD-Anhänger aufgegangen sein, dass er eine rassistische und nationalistische Partei unterstützt. Mit unserer Vergangenheit geht das absolut nicht! Die Haltung von Boris und Noah B. [...]
Zwischenzeitlich sollte es auch dem letzten AfD-Anhänger aufgegangen sein, dass er eine rassistische und nationalistische Partei unterstützt. Mit unserer Vergangenheit geht das absolut nicht! Die Haltung von Boris und Noah B. ist super. Hoffentlich bringt die Justiz den einen oder anderen AfD-Wähler wieder in eine angemessene und respektvolle Spur und der rechte Spuk bleibt nur eine kurze Episode in der deutschen Geschicht.
fdb 07.01.2018
5. da gibt es keine zwei Meinungen
Treffend von Herrn Becker analysiert. Vielleicht hat es bei allem Schlimmen was Gutes, das es eine prominente Person getroffen hat und dadurch was los getreten wird. Wobei der Fall Gauland / Boateng ja auch nur kurzfristig was [...]
Treffend von Herrn Becker analysiert. Vielleicht hat es bei allem Schlimmen was Gutes, das es eine prominente Person getroffen hat und dadurch was los getreten wird. Wobei der Fall Gauland / Boateng ja auch nur kurzfristig was bewirkt hat. Schade Deutschland, es muss doch möglich sein, konservative Werte zu mögen und gleichzeitig Rassismus deutlich zu verurteilen, oder? Dann würde sich das Thema AfD vo n selbst erledigen, denn das ist die aktuelle politische Lücke.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Sonntagsfrage

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP