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Panorama

Unglück bei Montabaur

Defekt setzte ICE in Brand - Bundespolizist organisierte Evakuierung

Fremdeinwirkung spielte beim ICE-Brand im Westerwald keine Rolle, Ursache war ein technischer Fehler. Augenzeugen berichten von der Rettungsaktion - bei der ein Mitreisender entscheidend mithalf.

Foto: DPA
Samstag, 13.10.2018   11:26 Uhr

Von dem ausgebrannten ICE-Waggon ist nur noch ein verkohltes Gerippe übrig. Zerborstenes Fensterglas liegt auf den Gleisen bei Dierdorf im Westerwald verstreut, daneben die Reste von Sitzen. Die Szene am Unglücksort lässt Schlimmstes vermuten - dabei ging der Brand in einem ICE der Deutschen Bahn auf der Schnellstrecke zwischen Köln und Frankfurt mit fünf Leichtverletzten vergleichsweise glimpflich aus.

Inzwischen ist die Ursache zumindest grob geklärt: ein technischer Defekt. Das teilten Bundespolizei und Deutsche Bahn am Samstag mit. Wie es genau zu dem Brand kam, müssten aber noch weitere Untersuchungen klären. Einzelne Teile sollen nun im Labor untersucht werden, die Ermittlungen könnten mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Eine Einwirkung von außen wurde ausgeschlossen.

Der Südwestrundfunk berichtete, der Defekt sei an einem Trafo gewesen. Dazu äußerten sich Bundespolizei und Bahn zunächst nicht. Das Feuer war am Freitagmorgen in dem ICE ausgebrochen, 510 Passagiere wurden aus dem stehenden Zug gebracht. Die Strecke wird wohl noch das gesamte Wochenende gesperrt bleiben.

Ein Polizist übernahm die ersten Rettungsmaßnahmen

Dass es keine schwereren Verletzungen oder gar Tote gab, ist auch der besonnenen Reaktion eines Bundespolizisten zu verdanken, der zufällig in dem Unglückswagen saß. Wie ein Sprecher der Behörde sagte, sei der Kollege in Uniform auf dem Weg zur Arbeit gewesen, als er Rauch bemerkt und die Rettung eingeleitet habe.

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ICE-Brand: Vom Waggon ist wenig übrig

Der Beamte löste demnach nicht nur den Nothalt aus, sondern sorgte auch dafür, dass nicht alle Passagiere planlos aus den offenen Türen stürmen. Er habe zudem im Blick gehabt, dass herabgerissene Oberleitungen eine tödliche Gefahr sind und noch weitere Züge auf der Strecke unterwegs sein könnten. Der Kollege habe die Menschen dann auf einem bestimmten Korridor in Sicherheit geleitet, so der Sprecher der Bundespolizei.

Die Deutsche Bahn betonte, dass eine Zugevakuierung nach festen Regeln ablaufe. "Das Bordpersonal auf den Zügen ist für diese Fälle geschult", sagte eine Sprecherin.

Hilfe bei der Räumung bekam das Zugpersonal auch von anderer erfahrener Seite: "Es waren weitere Angehörige von Hilfsorganisationen im Zug", sagt der Kreisfeuerwehrinspektor Werner Böcking, darunter mehrere Feuerwehrleute.

Gerettete bedanken sich bei den Helfern

Der Unglücksort liegt hinter einer Böschung zur Autobahn 3, da war der Zugang nach Angaben der Helfer zwar "etwas schwierig". Wenn man aber einmal auf der ICE-Strecke sei, verlaufe das Gelände relativ eben und alle Fahrgäste hätten über befestigte Wege die nächste Straße erreichen können. Die Autobahn war während des Großeinsatzes zeitweise in beiden Richtungen gesperrt.

Den Menschen, die aus dem hinteren Teil des Zuges kamen, sei der Schock teilweise deutlich anzumerken gewesen, sagte der Mitreisende Tim Hübner. Nach seiner Einschätzung hätten sich die Passagiere im Zug schlecht informiert gefühlt. "Wir haben ja nichts mitgekriegt. Und uns wurde auch nichts gesagt", sagte er. "Am Anfang des Zuges hat uns die Feuerwehr aufgenommen. Die waren super. Die haben das deutlich besser kommuniziert."

Ein leitender Helfer berichtet nach dem Einsatz von der besonnenen Atmosphäre am Unglücksort. "Die Leute waren sehr diszipliniert, die Leute waren sehr ruhig." Viele Reisende hätten sich ausdrücklich bei den Einsatzkräften bedankt. Es seien weder Rollstuhlfahrer noch Kleinkinder im Zug gewesen.

Es gebe für die ICE-Strecke einen Alarm- und Einsatzplan, sagt Kreisfeuerwehrinspekteur Böcking. "Genau nach diesem Plan wurde heute vorgegangen und es hat funktioniert." Man könne von Glück sprechen, dass der Brand auf freier Strecke ausgebrochen sei - und nicht in einem Tunnel.

jok/dpa

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