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Panorama

Ed Sheeran in NRW

Konzertplanung mit Hindernissen

Erst eine Feldlerche auf einem Flughafengelände, jetzt Kleingärtner und Verwaltungsvorschriften: Das Konzert von Popstar Ed Sheeran in NRW sorgt weiter für Unruhe.

RICHARD WAINWRIGHT/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock
Von Viktoria Degner
Donnerstag, 08.03.2018   18:01 Uhr

Alles deutete auf ein Happy End für Ed Sheeran und seine Fans hin: Zwar musste das Konzert des Musikers wegen einer seltenen Feldlerche vom Flughafen Essen/Mülheim verlegt werden, in Düsseldorf wurde aber schnell Ersatz gefunden, und die 80.000 Fans durften ihre Karten behalten.

Jetzt regt sich allerdings neuerlicher Protest. Wer sind die entscheidenden Akteure in dieser absurden Aufführung um ein Popkonzert? Der Überblick.

Die Feldlerche

Eigentlich sollte Ed Sheeran am 22. Juli auf dem Gelände des Flughafens Essen/Mülheim auftreten. Das Problem: eine seltene Feldlerche, die dort im Gras brütet. Sie sollte dem Sänger und seinen Fans weichen.

Naturschützer gingen auf die Barrikaden. Hinzu kamen 103 Verdachtsfälle von Weltkriegsbomben auf dem Flugplatz. Schließlich gab die Stadt Essen ihre Pläne auf, und der Veranstalter verlegte das Konzert nach Düsseldorf.

Die Grünen

Neuer Veranstaltungsort für das Konzert ist das Open-Air-Gelände auf dem Messe-Parkplatz 1 in Düsseldorf, nur 20 Kilometer vom Flughafen Essen/Mülheim entfernt. Rund 100.000 Besucher finden auf der Fläche Platz. Der "D.Live Open Air Park" soll in Düsseldorf als neuer Veranstaltungsort mit dem Konzert von Ed Sheeran eingeweiht werden.

Doch es gibt Widerstand: Für die Open-Air-Fläche fehlten die Baugenehmigung inklusive der Gutachten zu Verkehr, Sicherheit, Lärm und Artenschutz, heißt es in einem offenen Brief der Grünen an Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel.

Vor dem Konzert sollen auf dem Gelände zudem 100 der 3000 Parkplatzbäume gefällt und 60 bis 80 umgesetzt werden. Auch dafür liegt laut den Grünen bislang keine Genehmigung vor. Wie die "Rheinische Post" berichtete, wolle Geisel sämtliche Genehmigungen bis zum Konzert einholen, an anderen Orten sollen außerdem bis zu 300 neue Bäume gepflanzt werden.

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Konzert in NRW: Ed Sheeran hat es nicht leicht

Die Kirmesbesucher

Wenn das schon alles wäre, stünde dem Konzert sicher nichts mehr im Weg. Aber nein: Die Show von Popstar Ed Sheeran am 22. Juli fällt auf dasselbe Datum wie das Finale der Rheinkirmes. Ausgerechnet. 150.000 Besucher werden der "Bild" zufolge erwartet.

Die Kirmes ist zwar links- und das Konzert rechtsrheinisch, die Rheinbahn habe in den Vorjahren aber immer den Messe-Parkplatz 1 für Besucher genutzt, die zur Kirmes pendelten. Kirmes und Konzert sollen jeweils um 23 Uhr enden. Eine Alternative für die Pendler gibt es laut "Bild" bislang nicht.

Die Kleingärtner

Bleiben noch die Kleingärtner, die wegen des Konzerts nun ebenfalls den Aufstand proben. Die Mitglieder des Kleingartenvereins an der Messe fürchten, dass die Konzertbesucher ihren Müll in die Anlagen werfen.

Auch die geplanten Baumfällaktionen auf dem Messegelände verärgern die Hobbygärtner: "Wegen brütender Vögel dürfen zwischen März und September keine Bäume gefällt werden", sagte Peter Vossen, Vorsitzender des Stadtverbandes der Kleingärtner, der "Bild". "Die Stadt darf sich da nicht einfach selber Ausnahmen wegen eines einzigen Konzertes genehmigen."

Bleibt abzuwarten, ob Ed Sheeran sein Konzert auf dem neuen Gelände geben kann. Oberbürgermeister Thomas Seidel gibt sich optimistisch: "Wir haben jetzt einen eng getakteten Terminplan", sagte er der "Rheinischen Post". Den will er für Superstar Ed Sheeran unbedingt einhalten.

insgesamt 9 Beiträge
MisterD 08.03.2018
1. Wenn ich Ed wäre...
würde ich den Fans das Geld für die Karten erstatten und mit dem Verweis auf unfähige deutsche Bürokraten und Nörgeler das Konzert absagen. Ist zwar schade, aber wenn ein Konzert nicht stattfinden kann, weil irgendein [...]
würde ich den Fans das Geld für die Karten erstatten und mit dem Verweis auf unfähige deutsche Bürokraten und Nörgeler das Konzert absagen. Ist zwar schade, aber wenn ein Konzert nicht stattfinden kann, weil irgendein Piepmatz im Gras sitzt... dann tut es mir leid, dann sind solche Großveranstaltungen in Deutschland eben nicht mehr machbar. Muss man nach Holland rüberfahren, um Ed zu sehen...
bloub 08.03.2018
2.
ist das für den veranstalter wirklich so schwer, sowas an bekannten und bewährten plätzen stattfinden zu lassen?
ist das für den veranstalter wirklich so schwer, sowas an bekannten und bewährten plätzen stattfinden zu lassen?
pontiaxxx 08.03.2018
3. Ich bin bestimmt...
...kein engstirniger Bürokrat und gute Konzerte sind auch für mich oft eine grosse Sache. Doch der guten Lerche, dem Nacktmull oder sonst einem Frosch sollten ein gewisses "Hausrecht" zugestanden werden. Man spricht [...]
...kein engstirniger Bürokrat und gute Konzerte sind auch für mich oft eine grosse Sache. Doch der guten Lerche, dem Nacktmull oder sonst einem Frosch sollten ein gewisses "Hausrecht" zugestanden werden. Man spricht hier gerne über Lebensraum, der Begriff sagt schon Einiges. Auch wenns an Alternativen mangelt...Natur hat Vorrang. Das würde im übrigen die Vita des Schmusesängers leicht beschädigen. Ameisenhaufen wegbaggern lassen passt nicht zu seinem Image...und zu seinen Klamotten auch nicht..!
arndt61 08.03.2018
4. Es ist notwendiger denn je,
dass Veranstaltungen wie diese verstärkt hinterfragt werden. Der Vergnügungsindustrie wird eh schon sehr viel geopfert. Klar, für die Spaß-Fraktion hat nur das eigene Vergnügen Priorität. Diese Leute sehen kein Problem [...]
dass Veranstaltungen wie diese verstärkt hinterfragt werden. Der Vergnügungsindustrie wird eh schon sehr viel geopfert. Klar, für die Spaß-Fraktion hat nur das eigene Vergnügen Priorität. Diese Leute sehen kein Problem darin, dass für ein einziges Konzert 100 Bäume für immer verschwinden. Das Kriterium 'Weltstar' zieht hier selbstverständlich auch nicht, denn das ist natürlich subjektiv und irrelevant. Mir und vielen anderen ist Herr S., bei allem Respekt vor ihm und seinem Können, völlig egal. Ich würde auch in Zukunft lieber dauerhaft die Bäume dort sehen. Übrigens, die Schäden durch ein einziges Rolling Stones Konzert im Sommer 2017 sind immer noch nicht behoben..
geri&freki 08.03.2018
5. Schneiße der Verwüstung
Ja, ja - wieder mal das übliche platte Lamento gegen den Artenschutz oder die scheinbar überbordende Bürokratie generell. Aber muss denn ein einmaliges, nur wenige Stunden dauerndes Großereignis eine Schneiße der [...]
Zitat von MisterDwürde ich den Fans das Geld für die Karten erstatten und mit dem Verweis auf unfähige deutsche Bürokraten und Nörgeler das Konzert absagen. Ist zwar schade, aber wenn ein Konzert nicht stattfinden kann, weil irgendein Piepmatz im Gras sitzt... dann tut es mir leid, dann sind solche Großveranstaltungen in Deutschland eben nicht mehr machbar. Muss man nach Holland rüberfahren, um Ed zu sehen...
Ja, ja - wieder mal das übliche platte Lamento gegen den Artenschutz oder die scheinbar überbordende Bürokratie generell. Aber muss denn ein einmaliges, nur wenige Stunden dauerndes Großereignis eine Schneiße der Verwüstung nach sich ziehen, deren Folgen auch in Jahren noch nicht ausgeheilt sind? Warum sollen ausgerechnet immer die empfindlichsten Rechtsgüter Flexibilität zeigen und auf Zuruf weichen, während die anderen Seite stur auf ihr Bulldozer-Konzept setzt? Nein - was hier wieder einmal fehlt, ist schlichtweg Kreativiität und Improvisationsvermögen. Schließlich finden im weiteren Umkreis auch andere Großveranstaltungen, insbesondere sportlicher Art, statt. Und wenn eines der umliegenden Sportstadien mehrere Zehntausende Zuschauer für ein Länderspiel aufnehmen kann, warum dann nicht auch für ein Großkonzert??

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