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Panorama

Knochenfund auf Fehmarn

Archäologen stoßen erneut auf menschliche Skelette

Erst Ende November hatten Arbeiter auf einem Campingplatz auf Fehmarn menschliche Skelette gefunden. Nun sind Überreste weiterer Leichen aufgetaucht. Geschlecht und Todesursache sind noch unklar.

DPA

Fehmarn: Drei Schädel liegen auf dem Campingplatz Flüggerteich im Erdreich

Donnerstag, 06.12.2018   10:25 Uhr

Der nächste spektakuläre Fund an der deutschen Ostsee: Zehn Tage nachdem Arbeiter menschliche Skelette auf der Ferieninsel Fehmarn entdeckt hatten, sind nun Überreste weiterer Toter aufgetaucht. Insgesamt seien bislang sieben Leichen gefunden worden, sagte Ingo Clausen vom Archäologischen Landesamt.

Er gehe davon aus, dass noch weitere gefunden würden. Arbeiter waren vor mehr als einer Woche bei Tiefbauarbeiten auf einem Campingplatz in Flügge im Westen der Insel auf die Knochen von fünf Menschen gestoßen. Eine Gerichtsmedizinerin hatte festgestellt, dass die Knochen älter als hundert Jahre und somit ein Fall für die Archäologen seien.

Clausen vermutet zudem, dass die Toten Erwachsene waren, Geschlecht und Todesursache sind noch unklar. Forensische Untersuchungen sollen nun Klarheit bringen.

Laut Clausen könnte es sich bei den Toten um Opfer der Seeschlacht von Fehmarn im Jahr 1715 handeln. Bei dem Gefecht waren mehr als 400 Menschen ums Leben gekommen.

bam/dpa

Archäologische Methoden der Datierung

Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, erlaubt das Rückschlüsse auf das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag. Allerdings liefert dieses Verfahren keine absolute Altersangabe wie die C14-Methode. Die Archäologen können so nur feststellen, dass ein Artefakt etwa zur gleichen Zeit in die Erde gelangt ist.

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