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Panorama

Nach zwei Tagen gescheiterte Weltumsegler

"Wir wollen ein neues Boot kaufen"

Nikki Walsh und Tanner Broadwell verkauften ihren Besitz, um auf einem Boot die Welt zu umsegeln. Nach zwei Tagen erlitten sie Schiffbruch. Ihren Traum geben sie trotzdem nicht auf.

Nikki Walsh/ Lagniappe Adventures
Von Viktoria Degner
Dienstag, 13.02.2018   18:27 Uhr

Mit der eigenen Jacht in die Karibik, später sogar um die ganze Welt: Nikki Walsh und ihr Lebensgefährte Tanner Broadwell hatten genug vom Leben an Land. All ihr Hab und Gut hatten die 24-Jährige und der 26-Jährige aus den USA verkauft, all ihr Geld in das Segelboot "Lagniappe" gesteckt. Und das nur, um vor der Küste Floridas unterzugehen - gerade einmal zwei Tage nach Beginn ihrer Reise.

Am vergangenen Dienstag waren sie vor Anclote Key Richtung Florida Keys aufgebrochen. Die Inseln liegen vor der Südspitze des US-Bundesstaates. Danach wollten Walsh und Broadwell in die Karibik weitersegeln.

"Donnerstagabend kam Nebel auf", berichtet Walsh auf Anfrage des SPIEGEL. "Also wollten Tanner und ich für eine Nacht in John's Pass anlegen." Den Weg in den Touristenhafen nahmen sie durch eine Fahrrinne, die sie nicht kannten.

Die 24-Jährige stand am Bug des Bootes, während ihr Lebensgefährte versuchte, die "Lagniappe" durch die Rinne zu manövrieren. Mit einem Scheinwerfer suchte Walsh nach Bojen. Ihre Karten waren veraltet. "Wir waren vielleicht mit zwei Knoten unterwegs", berichtet Walsh. Das entspricht einer Geschwindigkeit von etwa 3,7 Kilometern pro Stunde. "Auf einmal stoppte das Boot und ich wäre fast vornüber gefallen."

Pannendienst traf erst nach einer Stunde ein

Das Boot war offenbar auf Grund gelaufen. Der Kiel der etwa achteinhalb Meter langen "Lagniappe" wurde abgerissen, das Boot sank in dem drei Meter tiefen Wasser. "Das Boot schwappte von einer Seite zur anderen", erinnert sich 24-Jährige. "All unsere Sachen flogen herum."

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Das Paar rief die Sea Tow, ein Pannendienst auf See. Eine Stunde später traf der ein - zu spät, um das Boot noch wegschleppen zu können. Zu viel Wasser war bereits hineingelaufen. Alles, was Walsh und Broadwell laut einem Bericht der "Tampa Bay Times" noch mitnehmen konnten, waren ihr Mops Remy, 90 Dollar in bar, Broadwells Papiere und Walshs Mobiltelefon.

Mittlerweile ist das Paar in Jackson, Florida. Verletzt wurden die beiden bei dem Unfall nicht. Walsh berichtet, ihre Familie sei vor Ort. Das Boot müsse noch geborgen werden. Das könnte das Paar bis zu 10.000 Dollar kosten.

Verkannte das Paar, wie gefährlich eine Weltumsegelung ist - und wie gut man dafür segeln können muss? Besonders erfahren waren Walsh und Broadwell jedenfalls nicht. Laut der "Tampa Bay Times" kauften die beiden das Boot erst im April 2017 in Alabama für 5000 Dollar. Um sich auf ihr Abenteuer vorzubereiten, nahmen sie Segelstunden bei Freunden. Die beiden segelten entlang der Golfküste von Alabama nach Panama Stadt. "Tanners Vater half uns dabei", sagt Walsh.

"Wir brauchten das Geld, um die Reise zu finanzieren"

Zur Vorbereitung der Weltumsegelung installierte das Paar die elektronischen Geräte an Bord neu, schliff den Rumpf des Bootes ab, strich ihn neu an und lebte zuletzt auf der "Lagniappe". "Wir wollten sie in- und auswendig kennen", so Walsh.

Vor der Abfahrt hätten sie nur das Nötigste mit an Bord gebracht. "Die 'Lagniappe' war zu klein, um all unser Hab und Gut mitzunehmen", sagt Walsh. "Und den Rest mussten wir ohnehin verkaufen, um die Reise zu finanzieren."

Nun, nach dem Untergang des Bootes, steht das Paar nicht einmal mehr mit dem Nötigsten da. Alles verkauft zu haben, um sich das Abenteuer auf hoher See leisten zu können, bedauern Walsh und Broadwell jedoch nicht. "Wir bereuen es aber, bis zum Äußersten gegangen zu sein. Wir haben bei Nacht eine Fahrrinne passiert, die wir gar nicht kannten."

Ihren Traum von einer Weltreise geben Walsh und Broadwell nicht auf. "Wir wollen ein neues Boot kaufen, um unser Abenteuer fortzusetzen."

Online sammelt das Paar Spenden, um ein neues Boot zu finanzieren und das alte zu bergen. Bislang sind mehr als 11.000 Dollar zusammengekommen. Der Spendenaufruf läuft unter dem Namen "Couple's Sunken Dreams" - "Die versunkenen Träume eines Pärchens".

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