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Panorama

Terrorverdacht wegen Handynachricht

Geschwister mussten Easyjet-Maschine verlassen

Weil sie angeblich IS-Propaganda lasen, mussten in London drei Geschwister ein Flugzeug verlassen. Dabei hatte eine der betroffenen Frauen lediglich WhatsApp-Nachrichten ausgetauscht.

Getty Images/ Bloomberg

EasyJet-Maschine (Symbolbild)

Mittwoch, 24.08.2016   14:30 Uhr

Auf dem Londoner Flughafen Stansted mussten zwei Schwestern und ihr Bruder vor dem Start aus einem Flugzeug der Airline Easyjet aussteigen und sich unangenehmen Fragen von Anti-Terror-Ermittlern stellen. Ein Paar hatte behauptet, Passagen aus Texten des Islamischen Staates auf dem Handy einer der Frauen gesehen zu haben, berichtet der britische "Guardian".

Maryam Dharas, 19, Sakina Dharas, 24, und Ali Dharas, 21, saßen bereits in der Maschine, die nach Neapel abfliegen sollte. Nachdem das Pärchen seine vermeintliche Beobachtung gemeldet habe, sei ein weibliches Crewmitglied auf die Geschwister zugekommen und habe sie gebeten, die Maschine wieder zu verlassen.

"Ich fragte sie: 'Wo gehen wir hin, können Sie uns erklären, wo sie uns hinbringen?', aber sie ignorierte mich völlig", zitiert die Zeitung die 19-Jährige Maryam. Am Ende der Gangway hätten bewaffnete Polizisten auf die drei Verdächtigen gewartet. Der Vorfall soll bereits einige Tage her sein.

Chat mit dem Vater statt Propaganda

Maryam habe keinen IS-Text gelesen, sondern sich lediglich über WhatsApp mit ihrem Vater, einem in Uganda geborenen Apotheker, über den Chef der britischen Labor Partei Jeremy Corbyn unterhalten.

Die Geschwister behaupteten gegenüber dem "Guardian", sie seien aufgrund ihres Aussehens Opfer von rassistischen Ermittlungsmethoden geworden. Die Familie habe indische Wurzeln, die beiden Frauen sollen an dem besagten Tag ein Kopftuch getragen haben. Die drei sollen wie ihre Mutter in London geboren und aufgewachsen sein.

Die erste Frage der Ermittler sei gewesen, ob sie der englischen Sprache mächtig seien. Es folgten Fragen nach ihren Arabischkenntnissen und ob sie jemals den Koran gelesen hätten. "Ich war geschockt, meine Schwester war den Tränen nahe", sagte Maryam. "Diese ganzen Fragen nur, weil wir anders aussehen. Ich spreche keine andere Sprache außer Englisch."

Die Polizei bestätigte den Vorfall und rechtfertigte ihr Vorgehen. "Die Polizei von Essex erreichten besorgte Berichte, das Verhalten von drei Personen betreffend, die auf ihre Mobiltelefone schauten", zitiert der "Guardian" einen Polizeisprecher.

Stempel aus dem Irak im Pass

Eine Stunde hielten die Ermittler die Familie fest und sollen dabei auch darum gebeten haben, den Twitter-Account einer der Schwestern einsehen zu dürfen. Die ältere der beiden Frauen sei von ihren beiden Geschwistern getrennt befragt worden, weil ihr Pass einen Stempel aus dem Irak aufwies. Laut dem "Guardian" war Sakina Dharas in das Land gereist, um an einem Spendenlauf für Opfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" teilzunehmen.

Nach der Befragung durften die drei wieder einsteigen. "Es war ein erniedrigender Gang zurück in das Flugzeug, es war fürchterlich", sagte Maryam dem "Guardian". Sie wünsche, dass so etwas niemand mehr durchmachen müsse.

Die Polizei sei froh darüber, dass der Anruf aus dem Flugzeug "in guter Absicht" erfolgt sei, heißt es weiter. Easyjet entschuldigte sich im "Guardian" für alle Unannehmlichkeiten, die den Geschwistern zugemutet worden seien. Die Sicherheit der Mitarbeiter und der Passagiere habe bei der Airline höchste Priorität, was bedeute, dass Sicherheitsbedenken immer untersucht werden müssten.

Anfang des Jahres gab es einen ähnlichen Fall. Damals musste ein Mann aus Sicherheitsgründen eine Eaysjet-Maschine verlassen. Andere Passagiere hatten das Wort "prayer" auf seinem Handy gelesen. Laut dem "Guardian" wollte sich der Mann lediglich über WhatsApp mit Freunden zu einem gemeinsamen Gebet am Telefon verabreden.

jal

insgesamt 85 Beiträge
santoku03 24.08.2016
1.
Die Hysterie wird immer irrsinniger. Was sind das für Leute, die andere anschwärzen, weil ihnen deren Nase nicht passt. Was ist das für Begleitpersonal, das daraufhin die Polizei holt...
Die Hysterie wird immer irrsinniger. Was sind das für Leute, die andere anschwärzen, weil ihnen deren Nase nicht passt. Was ist das für Begleitpersonal, das daraufhin die Polizei holt...
demiurg666 24.08.2016
2.
Was passiert eigentlich mit den Menschen die so eine Verleumdung in die Welt setzen? Kommen die ungestraft davon? Kann ich jetzt immer wenn mir mein Nebenmann/frau im Flugzeug nicht gefällt der Bordcrew Bescheid sagen und schon [...]
Was passiert eigentlich mit den Menschen die so eine Verleumdung in die Welt setzen? Kommen die ungestraft davon? Kann ich jetzt immer wenn mir mein Nebenmann/frau im Flugzeug nicht gefällt der Bordcrew Bescheid sagen und schon habe ich meine Sitzreihe für mich alleine?
hirlix 24.08.2016
3. Hinweisen muss
nachgegangen werden. Die wurden ja nur befragt und nicht gleich nach Guantanamo gebracht. Es fand auch kein racial profiling statt, da die Polizei erst auf einen Hinweis hin tätig wurde. Woher soll die Polizei wissen, ob die [...]
nachgegangen werden. Die wurden ja nur befragt und nicht gleich nach Guantanamo gebracht. Es fand auch kein racial profiling statt, da die Polizei erst auf einen Hinweis hin tätig wurde. Woher soll die Polizei wissen, ob die Hinweisgeber selbst nur aus rassistischen Gründen den Hinweis geben.
vlado13 24.08.2016
4. Hysterie
Wurden eigentlich die beiden Denunzianten als Zeugen befragt? (Und wieso sie eigentlich fremder Leute Smartphone-Nachrichten mitlesen?) Und glaubt wirklich irgendjemand im Ernst, dass echte Terroristen sich in aller [...]
Wurden eigentlich die beiden Denunzianten als Zeugen befragt? (Und wieso sie eigentlich fremder Leute Smartphone-Nachrichten mitlesen?) Und glaubt wirklich irgendjemand im Ernst, dass echte Terroristen sich in aller Öffentlichkeit per WhatsApp über ihre Pläne austauschen? Diese Art von Hysterie ist widerwärtig.
huggiii 24.08.2016
5. Titel
---Zitat--- ... Die Geschwister behaupteten gegenüber dem "Guardian", sie seien aufgrund ihres Aussehens Opfer von rassistischen Ermittlungsmethoden geworden. ... ---Zitatende--- ... diese Leute sind deshalb [...]
---Zitat--- ... Die Geschwister behaupteten gegenüber dem "Guardian", sie seien aufgrund ihres Aussehens Opfer von rassistischen Ermittlungsmethoden geworden. ... ---Zitatende--- ... diese Leute sind deshalb kontrolliert worden weil es Terroristen gibt die so aussehen wie sie. Sie sind also allenfalls Opfer des Umstandes, dass Glaubensbrüder sich eben so verhalten dass eine Überprüfung angezeigt ist. Wer mit einem Kopftuch herumläuft gibt damit eben auch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe bekannt aus deren Mitte der internationale Terror gespeist wird. ... somit alles im Lot.
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