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Panorama

Siebenjähriger aus Afghanistan

Messi-Fan ist mit Familie geflohen

Ein Trikot aus Plastiktüten: Dieses Bild machte Murtaza weltbekannt. Nun ist seine Familie in Afghanistan vor den Taliban geflohen. Ein Geschenk seines Idols Lionel Messi ließ der Junge zurück.

AFP
Freitag, 07.12.2018   16:18 Uhr

Mit seinem selbst gebastelten Messi-Trikot war der kleine Fußballfan Murtaza Ahmadi aus Afghanistan vor zwei Jahren ein Star im Internet. Nun ist der mittlerweile sieben Jahre alte Junge mit seiner Familie aus seinem Heimatdorf nach Kabul geflohen. Das sagte die Familie mehreren Nachrichtenagenturen.

Murtaza war weltweit bekannt geworden, nachdem sein Bruder für ihn eine blau-weiß gestreifte Plastiktüte zum argentinischen Nationaltrikot umfunktioniert hatte. "Messi" und die Rückennummer zehn waren mit Kugelschreiber darauf gekritzelt. Murtaza ist Fan des argentinischen Fußballers.

Das Bild von Murtaza in dem improvisierten Trikot ging um die Welt. Wenig später schickte ihm Messi zwei signierte Trikots und einen Ball. Im Dezember 2016 lernte Murtaza sein Idol dann vor einem Freundschaftsspiel von Messis Verein FC Barcelona in Doha in Katar kennen.

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Flucht eines Siebenjährigen: Die Trikots blieben zurück

Die Familie ist nun aus ihrer Heimat nach Kabul geflohen, weil Taliban-Kämpfer den Bezirk angegriffen hatten. Murtaza musste die beiden Trikots zurücklassen.

Hunderte Zivilisten, Soldaten und Aufständische wurden bei der November-Offensive der Taliban in Ghasni getötet. Hauptziel der sunnitischen Miliz sind die Hasara, eine schiitische Volksgruppe, der auch Murtazas Familie angehört. Nach UN-Angaben flohen bis zu 4000 Familien vor den Taliban.

Die Taliban duldeten während ihrer Schreckensherrschaft von 1996 bis 2001 in Afghanistan so gut wie keinen Sport. Das Fußballstadion in Kabul nutzten sie für Steinigungen. Die Taliban hätten auch ihren Sohn bedroht, sagte seine Mutter Schafika Ahmadi: "Sie sagten, dass sie ihn zerstückeln würden, sollten sie ihn finden."

Obwohl es den Sicherheitskräften inzwischen gelungen ist, die Taliban aus Dschaghori zu vertreiben, will Murtazas Familie in Kabul bleiben. "Die Gefahr, dass die Taliban wiederkommen, ist zu groß", sagte Schafika Ahmadi.

jpz/dpa/AFP

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