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Panorama

Rassistischer Vorfall in Manhattan

"... und dann lasse ich sie aus meinem Land werfen"

Ein Mann besucht ein Restaurant in New York, einige der Angestellten sprechen Spanisch, da holt der Kunde zu einem rassistischen Rundumschlag aus. Er droht, die Einwanderungsbehörde zu rufen - nun steht er massiv in der Kritik.

Foto: Emily Serrano/@ABCPolitics/Twitter
Freitag, 18.05.2018   06:54 Uhr

In den Vereinigten Staaten sorgt ein Video für Aufsehen, in dem ein Mann eine rassistische Schimpftirade auf Angestellte eines New Yorker Restaurants niedergehen lässt. Der Vorfall wurde am vergangenen Dienstag von Emily Serrano mit einer Handykamera festgehalten, der Clip wird derzeit tausendfach geteilt - und kommentiert.

Der Mann im weißen Hemd spricht darin mit einem anderen Mann, der offenbar der Manager des Restaurants Fresh Kitchen in Manhattan ist. "Ihre Angestellten sprechen Spanisch mit ihren Kunden, dabei sollten sie Englisch sprechen." Jede Person, mit der er gesprochen habe, habe Spanisch geredet. Dann zeigt der Mann im Hemd auf umstehende Angestellte: "Er hat es gesprochen, er hat es gesprochen, sie spricht es. Das ist Amerika."

Der Mann wendet sich ab, im Gehen dreht er sich noch einmal um und droht damit, den Fall weiter zu verfolgen. "Ich vermute, dass sie keine Papiere haben", sagt er in Richtung der Spanisch sprechenden Angestellten. "Mein nächster Anruf gilt ICE, und dann lasse ich jeden einzelnen von ihnen aus meinem Land werfen." ICE ist die Abkürzung für United States Immigration and Customs Enforcement, die amerikanische Einwanderungsbehörde.

Der Mann wirft den Angestellten dann noch vor, auf seine Kosten in den USA zu leben; dafür sei es das Mindeste, dass sie Englisch redeten.

Die Kritik an dem Verhalten des Mannes ist groß. US-Medienberichten zufolge handelt es sich bei ihm um einen Anwalt mit eigener Kanzlei in New York. Auf seiner Homepage wirbt er unter anderem damit, dass er fließend Spanisch spreche. Die Kanzlei könne Anrufe in vier Sprachen annehmen.

Die Yelp-Seite der Kanzlei wurde in den vergangenen Tagen tausendfach bewertet, mit jeweils der schlechtesten Note. Der Anwalt wurde von mehreren Tabloid-Medienvertretern in New York aufgespürt und mit den Vorwürfen konfrontiert. Aufnahmen zeigen, wie er auf der Straße vor Reportern flüchtet. Zudem tauchen immer weitere Berichte auf, wonach der Mann bereits in der Vergangenheit an ähnlichen Aktionen beteiligt gewesen sein soll.

"Vice" berichtet beispielsweise, der Anwalt habe im April 2017 an einer Protestaktion gegen Einwanderer vor dem Trump-Tower teilgenommen, dabei trug er demnach einen Hut mit dem Trump-Slogan "Make America Great Again" und beschimpfte unter anderem einen Niederländer: Der habe sich gefälligst dafür zu bedanken, ins Land gelassen worden zu sein. Ein anderes Video soll zeigen, wie der Anwalt im Oktober 2016 auf der Straße einen Mann als "hässlichen Ausländer" beschimpft und damit droht, die Polizei zu rufen (mehr dazu, dass US-Präsident Donald Trump erst vor Kurzem wieder einige Einwanderer als "Tiere" bezeichnet hat, können Sie hier nachlesen).

Gegen den Anwalt wurde am Donnerstag offiziell Beschwerde eingereicht, wie die "Washington Post" berichtet. Die beiden US-Demokraten Adriano Espaillat und Ruben Diaz jr. schrieben demnach in einem Brief, sie werfen dem Mann Fehlverhalten vor, das nicht toleriert werden dürfe. Diaz forderte, der Mann solle suspendiert werden oder die Lizenz entzogen bekommen. Welche Konsequenzen aus der Beschwerde resultieren könnten, sei unklar, heißt es in dem Artikel.

Die Zeitung fragte eigenen Angaben zufolge bei ICE an, ob ein Hinweis auf die Restaurantmitarbeiter eingegangen sei. Dort habe man keine Auskunft erteilen wollen, aber allgemein gesamt: Die Hinweis-Telefonnummer solle nur für "rechtmäßige Berichte über mutmaßlich kriminelle Aktivitäten" genutzt werden und nicht "als ein Instrument zur Einschüchterung oder Belästigung".

aar

insgesamt 44 Beiträge
franxinatra 18.05.2018
1. Ein Hauch von 'SUITS' liegt in der Luft...
Man sollte mal überprüfen, ob er wirklich legal an seine Zulassung gekommen ist; wer so wenig in größeren Zusammenhängen denken kann ist auch nicht in der Lage komplexe juristische Sachverhalte zu überschauen...
Man sollte mal überprüfen, ob er wirklich legal an seine Zulassung gekommen ist; wer so wenig in größeren Zusammenhängen denken kann ist auch nicht in der Lage komplexe juristische Sachverhalte zu überschauen...
Korken 18.05.2018
2. Trumps Stil lässt grüßen
Das sind die Auswüchse der populistisch rassistischen Regierungen, die das ganze wieder(!) hoffähig machen. Deutschland hat ja seine Erfahrungen schonmal gemacht, wobei einige das schon vergessen haben. Sehr gut, dass die [...]
Das sind die Auswüchse der populistisch rassistischen Regierungen, die das ganze wieder(!) hoffähig machen. Deutschland hat ja seine Erfahrungen schonmal gemacht, wobei einige das schon vergessen haben. Sehr gut, dass die Identität des Mannes bekannt ist und das sich noch viele gegen so ein Verhalten wenden.
Furchensumpf 18.05.2018
3. Nein...
...der Mann ist eben nicht im Recht! Natürlich wäre es auch für den Gast hilfreich, wenn er die Bedienung verstehen würde. Wenn das nicht der Fall ist, kann ich das Personal oder den Geschäftsführer freundlich darauf [...]
...der Mann ist eben nicht im Recht! Natürlich wäre es auch für den Gast hilfreich, wenn er die Bedienung verstehen würde. Wenn das nicht der Fall ist, kann ich das Personal oder den Geschäftsführer freundlich darauf aufmerksam machen und ggf. ein anderes Restaurant aufsuchen. Das hier gezeigte Verhalten ist jedoch völlig inakzeptabel. Dankbar sein, dass man ihn in sein Land gelassen hat? Er sollte froh sein, dass es immer noch Menschen gibt, die ihren Urlaub in den USA verbringen wollen (ich gehöre jedenfalls nicht dazu).
solltemanwissen 18.05.2018
4.
Wenn Sie keine Lust haben im Restaurant auf Sprache XYZ angesprochen werden, dann, Entschuldigung, verp... Sie sich bitte aus dem Restaurant. Niemand muss hier und auch nicht in den USA in irgendeinem Restaurant essen. Und Gott [...]
Wenn Sie keine Lust haben im Restaurant auf Sprache XYZ angesprochen werden, dann, Entschuldigung, verp... Sie sich bitte aus dem Restaurant. Niemand muss hier und auch nicht in den USA in irgendeinem Restaurant essen. Und Gott sei dank sind wir immernoch halbwegs frei hier. Und da entscheidet allerhöchstens der Restaurantbesitzer, in welcher Sprache er möchte, dass der Gast angesprochen wird, aber ganz bestimmt nicht Sie oder der Staat! Es ist schlimm, wie durch Trump und AfD solch Rassismus plötzlich alltagsfähig geworden ist. Die CSU hat da leider auch einen sehr großen Anteil.
Gmorker 18.05.2018
5. Yo!
Klarer Fall: Der Forist santosilver hat Unrecht. Die USA haben keine offizielle Amtssprache, auch wenn englisch als inoffizielle Landessprache gilt. Lediglich 32 der US-Bundesstaaten haben englisch zur Amtssprache erklärt, der [...]
Klarer Fall: Der Forist santosilver hat Unrecht. Die USA haben keine offizielle Amtssprache, auch wenn englisch als inoffizielle Landessprache gilt. Lediglich 32 der US-Bundesstaaten haben englisch zur Amtssprache erklärt, der Staat New York gehört nicht dazu. Ob die Angestellten in dem besagten Restaurant nicht auch problemlos englisch hätten sprechen können, wird überhaupt nicht erwähnt.
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