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Panorama

Neue Vorwürfe

Oxfam-Mitarbeiter sollen Sex als Gegenleistung für Hilfe gefordert haben

Die Kritik an Oxfam nimmt zu, immer mehr Vorwürfe werden gegen Mitarbeiter laut. Die Hilfsorganisation räumt ein, nicht immer angemessen reagiert zu haben.

AFP

Oxfam-Laden in Glasgow

Dienstag, 13.02.2018   14:53 Uhr

Die Hilfsorganisation Oxfam gerät immer stärker unter Druck. Mitarbeiter sollen Frauen zu sexuellen Handlungen als Gegenleistung für Unterstützung in Notsituationen gezwungen haben. Das berichtete eine ehemalige Oxfam-Managerin dem britischen Fernsehsender Channel 4.

Allein sie habe von drei Fällen sexueller Übergriffe binnen 24 Stunden gehört, schilderte Helen Evans. Dabei sei in zwei Fällen die Not der Frauen ausgenutzt worden. Evans kritisierte via Twitter, dass Oxfam solchen Vorfällen ungenügend nachgegangen sei.

"Die Vorfälle sexuellen Fehlverhaltens von Oxfam-Mitarbeitern sind unentschuldbar und beschämend", teilte die Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland, Marion Lieser, mit. "Es ist nicht zuletzt ein Schlag ins Gesicht für die vielen Menschen, die Oxfam mit Geld, Zeit oder Sachspenden unterstützen." Das Vertrauen sei durch "Fehlverhalten einiger weniger" massiv beschädigt worden.

Nach Berichten über Sexpartys von Oxfam-Mitarbeitern mit Prostituierten in Haiti und im Tschad war am Montag die britische Vizechefin Penny Lawrence zurückgetreten. Sie übernahm damit die "volle Verantwortung" für das Verhalten von Mitarbeitern in der Karibik und in Afrika, auf das nicht angemessen reagiert worden sei. Als Lawrence 2006 zu der Organisation in Großbritannien stieß, war sie als Programmdirektorin für Teams in Dutzenden Ländern zuständig.

"Haiti war kein isolierter Vorfall", betonte Evans, zu deren Aufgaben von 2012 bis 2015 auch der Schutz vor sexueller Ausbeutung gehörte. Eine interne Umfrage in einigen Ländern hatte ihren Angaben zufolge ergeben, dass einer von zehn Mitarbeitern selbst Opfer sexuellen Fehlverhaltens wurde oder solche Belästigungen und Übergriffe zumindest beobachtet habe.

Oxfam-Chef Mark Goldring entschuldigte sich bei Evans, nicht schnell genug auf ihre Hinweise reagiert zu haben. Oxfam ist ein internationaler Zusammenschluss von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen und hat seinen Sitz in Oxford.

Die britische Ministerin für internationale Zusammenarbeit, Penny Mordaunt, forderte die Hilfsorganisation auf, nun moralische Führerschaft zu demonstrieren. Das Vertrauen in die Organisation müsse wiederhergestellt werden, sonst könnten Regierungsgelder zur Unterstützung gekappt werden. Haitis Botschafter in Großbritannien, Bocchit Edmond, bezeichnete es als Beleidigung für sein Land und Volk, dass Oxfam nicht sofort die Übergriffe bei der Polizei gemeldet habe. "Das repräsentiert eine Kultur der Vertuschung."

Am Freitag hatte die Zeitung "The Times" berichtet, Oxfam-Mitarbeiter hätten während ihres Einsatzes nach dem Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 Sexorgien mit Prostituierten veranstaltet. Die Partys sollen in einer von der Organisation gemieteten Villa stattgefunden haben.

Am Sonntag schrieb dann das britische Wochenblatt "The Observer", im Tschad seien 2006 wiederholt mutmaßliche Prostituierte in das Haus des Oxfam-Teams eingeladen worden. Ein leitender Mitarbeiter sei damals wegen seines Verhaltens entlassen worden.

Auch an anderer Stelle steht Oxfam wegen mutmaßlicher Fehltritte eines ranghohen Vertreters in den Schlagzeilen. Juan Alberto Fuentes, ehemaliger Finanzminister Guatemalas und aktuell Vorsitzender von Oxfam International, wurde im Zuge einer Korruptionsaffäre festgenommen. Sie steht allerdings nicht im Zusammenhang mit den anderen Vorwürfen gegen Oxfam. Vielmehr geht es um möglicherwiese illegale Finanzierung von Wahlkampagnen.

wit/dpa

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