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Panorama

Anordnung der Behörden

Rettungsschiff "Open Arms" liegt vorerst in Spanien fest

Die Seenotretter von Open Arms dürfen mit ihrem Schiff vorerst nicht auslaufen. Wie die Organisation mitteilte, hätten die spanischen Behörden dies untersagt. Gleichzeitig gerieten erneut Flüchtlinge in Seenot.

REUTERS

Rettungskreuzer "Open Arms"

Samstag, 11.08.2018   14:59 Uhr

Spanische Behörden haben laut privaten Seenotrettern das Schiff "Open Arms" am Auslaufen gehindert. Nach einer üblichen Inspektion habe das Schiff am Freitag zunächst die Erlaubnis erhalten, seine Reise fortzusetzen, schrieb der Gründer der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms, Oscar Camps, auf Twitter. Als das Schiff bereits außerhalb der Bucht von Algeciras war, sei es angewiesen worden, in den Hafen zurückzukehren. Dort liege das Schiff jetzt "ohne weitere Information", schrieb Camps.

Eine Sprecherin sagte der Nachrichtenagentur Europa Press, die Behörden wollten noch Fragen in Bezug auf die Besatzung klären. Die Organisation rechnet damit, nicht vor Montag wieder in See stechen zu können.

Die "Open Arms" hatte am Donnerstag 87 im Mittelmeer gerettete Migranten nach Spanien gebracht. Vor der Rückkehr in die Such- und Rettungszone vor der libyschen Küste wollte die Hilfsorganisation von Algeciras nach Barcelona fahren, um die Besatzung auszutauschen und Ausbesserungen am Schiff vorzunehmen, wie Europa Press berichtete. Neben der "Aquarius" ist die "Open Arms" derzeit das einzige zivile Rettungsschiff, das im Mittelmeer Migranten rettet.

Momentan versuchen besonders viele Migranten, über das Mittelmeer aus Nordafrika nach Spanien zu kommen. Nach Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) waren es seit Jahresbeginn bis zum 5. August insgesamt 23.741 Flüchtlinge und damit mehr als im ganzen Jahr 2017. Damals wurden etwa 21.600 Menschen gezählt.

Auch am Wochenende kamen wieder Migranten bei der Überfahrt in Seenot. So sind vor der Küste Spaniens neun aus Afrika stammende Menschen in einem Holzboot auf hoher See gekentert. Die Seenotrettung der spanischen Region Andalusien rettete die Männer nach einem Notruf, wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtete. Die Flüchtlinge seien nach Tarifa gebracht worden. Sie stammten den Angaben zufolge aus Ländern südlich der Sahara und hatten mit ihrem Holzboot in der marokkanischen Küstenstadt Tanger in Richtung Spanien abgelegt. Die Straße von Gibraltar zwischen Spanien und Marokko ist an ihrer engsten Stelle etwa 14 Kilometer breit.

Merkel spricht mit spanischem Premier über Migration

Das Thema Migration sollte auch beim informellen Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez an diesem Wochenende im Nationalpark Doñana rund 50 Kilometer südwestlich von Sevilla im Mittelpunkt stehen. Der seit Anfang Juni regierende Sánchez fährt in der Migrationspolitik bislang einen liberaleren Kurs als sein Vorgänger Mariano Rajoy. Seitdem Italien und Malta im Juni den privaten Seenotrettern mit vor Libyen geretteten Flüchtlingen an Bord die Einfahrt in ihre Häfen verweigerten, hat Spanien bereits mehrfach ein Einlaufen erlaubt.

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mmq/dpa

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