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Panorama

Wohnungslosenhilfe

Hunderte Obdachlose in Deutschland sollen seit 1991 erfroren sein

In den vergangenen 26 Jahren sind nach Angaben der Wohnungslosenhilfe fast 300 Obdachlose an Unterkühlung gestorben. Die Linke wirft der Regierung "soziale Kälte" vor.

DPA

Obdachlose unter der Oberbaumbrücke in Berlin

Freitag, 20.01.2017   09:29 Uhr

Seit 1991 sind in Deutschland mindestens 289 wohnungslose Menschen erfroren, wie die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe mitteilte. Sie seien im Freien, unter Brücken, auf Parkbänken oder in Hauseingängen an Unterkühlung gestorben, heißt es.

Die Zahl der Kältetoten beruht auf einer Schätzung. Nach Angaben der Organisation wurden verschiedene Quellen ausgewertet, unter anderem Medienberichte.

Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann hatte die Bundesregierung gefragt, wie viele Menschen in den vergangenen Jahren erfroren seien und welchen Handlungsbedarf sie sehe. Der Regierung lägen dazu keine Erkenntnisse vor, hieß es daraufhin in einem Schreiben des Sozialministeriums. Für die Betreuung und Unterbringung von Wohnungslosen seien die Länder und Kommunen zuständig.

Zimmermann hält diese Antwort nicht für zufriedenstellend. Sie wirft der Regierung vor, sich nicht um das Problem zu kümmern. "Es ist unendlich traurig und ein Skandal, dass Menschen in Deutschland erfrieren", sagte sie.

"Dass die Bundesregierung sich offensichtlich nicht dafür interessiert, zeugt von der sozialen Kälte der großen Koalition", sagte Zimmermann. Sie forderte die Regierung auf, regelmäßig über die Zahl wohnungsloser Menschen und über die Angebote der Kältehilfe zu berichten.

Die Zahl der Wohnungslosen ist in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Sie stieg seit 2010 von 248.000 auf 335.000 im Dezember 2016. Die Wohnungslosenhilfe prognostiziert einen Zuwachs auf 536.000 Obdachlose bis 2018.

tak/dpa

insgesamt 11 Beiträge
ole#frosch 20.01.2017
1. Wie wird man In Deutschland Wohnungslos?
Vorab, mir tun diese Menschen leid und ich finde auch, dass on diesem Land niemand erfrieren darf. Ich frage mich aber wie man in Deutschland wohnungslos sein kann. Ich dachte für mittellose Menschen gibt es die Sozialhilfe und [...]
Vorab, mir tun diese Menschen leid und ich finde auch, dass on diesem Land niemand erfrieren darf. Ich frage mich aber wie man in Deutschland wohnungslos sein kann. Ich dachte für mittellose Menschen gibt es die Sozialhilfe und für Menschen die das geistig nicht schaffe Heime. Menschen die diese Soziale Hilfe verweigern, den kann man ja irgendwie nur schwer helfen.
Meinungsführer 20.01.2017
2. Alternative?
Eine Möglichkeit wäre, dass wir das Rumlungern verbieten. Die Polizei verhaftet alle Nichtsesshaften und sperrt sie über Nacht wie Betrunkene in eine beheizte Zelle. Der Mensch ist unfrei, aber überlebt. Oder er ist frei und [...]
Eine Möglichkeit wäre, dass wir das Rumlungern verbieten. Die Polizei verhaftet alle Nichtsesshaften und sperrt sie über Nacht wie Betrunkene in eine beheizte Zelle. Der Mensch ist unfrei, aber überlebt. Oder er ist frei und erfriert. Oder wir quatschen so lange auf ihn ein, dass er vor Erschöpfung freiwillig in eine Notunterkunft mitkommt? Mal ganz ehrlich, das Thema taugt nicht für politische Debatten. Es gibt viele Obdachlose, die wollen trotz Kälte auf der Straße bleiben. Die wollen weder in einen frostfreien U-Bahnhof, noch in eine Notunterkunft. Und wenn sie Pech haben, und Pech haben ist ihre hervorstechendste Eigenschaft, dann erfrieren sie. Ohne Zwang wird sich daran nichts ändern. Und mit Zwang behandeln wir sie wie Verbrecher oder Irre. Darüber und nur darüber muss man debattieren. Was passt besser zu unserem Menschenbild?
suplesse 20.01.2017
3. Das Problem ist
dass die meisten dort draussen nicht in diese Unterkünfte wollen. Manche deswegen, weil sie Angst haben dort beklaut zu werden und andere weil sie keine geschlossenen Räume mehr ertragen. Ich glaube beinahe jeder hat die Chance [...]
dass die meisten dort draussen nicht in diese Unterkünfte wollen. Manche deswegen, weil sie Angst haben dort beklaut zu werden und andere weil sie keine geschlossenen Räume mehr ertragen. Ich glaube beinahe jeder hat die Chance zumindest in der kalten Zeit unter zu kommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es möglich ist bei 10 Grad minus Menschen abzuweisen. Aber ich lasse mich das auch gerne eines besseren belehren. Dann wäre es in der Tat ein Riesenskandal.
dr.eldontyrell 20.01.2017
4. Wundert mich,
dass die Anfrage nicht von der ach so sehr um das Wohl der Obdachlosen besorgten AfD kam ;) Solch pikante Fragen stellt fast ausschließlich die Linke.
dass die Anfrage nicht von der ach so sehr um das Wohl der Obdachlosen besorgten AfD kam ;) Solch pikante Fragen stellt fast ausschließlich die Linke.
kraftmeier2000 20.01.2017
5. Wieso soll
denn immer die Regierung Schuld sein an diesem Dilemma, habe selber Obdachlose kennen gelernt, die wollten gar nicht in eine "Notunterkunft" wo es warm ist, weil Sie dort angeblich z. B. beklaut werden. Und man kann [...]
denn immer die Regierung Schuld sein an diesem Dilemma, habe selber Obdachlose kennen gelernt, die wollten gar nicht in eine "Notunterkunft" wo es warm ist, weil Sie dort angeblich z. B. beklaut werden. Und man kann doch nicht erwarten, nach dem Motto hier bin ich und nun kümmert Euch, der Staat für viele Obdachlose die aus anderen Staaten hierher kommen aufkommt, denn das finde ich als Steuerzahler nicht gerecht, dafür sind die jeweiligen Länder zuständig, und nicht unsere Regierung bzw. unser Staat. Es sind alles erwachsene Menschen, die wissen sollten was Sie tun. Ich bin gerne bereit zu helfen, was ich auch mache, aber es gibt hier auch Grenzen.
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