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Panorama

Heftige Kritik

Bäcker verkauft Torten mit Nazi-Symbolen

Ein Baby hebt den Arm zum Hitlergruß, ein Ensemble aus Marzipan zeigt Stahlhelm, Kampfflugzeug und Hakenkreuz: In Österreich sorgen die Tortenmotive eines Bäckers für heftige Kritik. Ein Verein von KZ-Überlebenden hat ihn angezeigt - der Mann versteht die Aufregung nicht.

DPA/ Mauthausen Kommittee

Torte mit Hakenkreuz: Heftige Kritik an Bäcker in Österreich

Dienstag, 05.04.2011   19:19 Uhr

Wien - Österreich ist für seine Süßspeisen bekannt - eine pietätlose Kreation hat einem Konditor nahe Wien nun aber eine Anzeige eingebracht: Der Bäcker im kleinen Ort Maria Enzersdorf bietet mit Nazi-Symbolen verzierte Torten für jeden Anlass an.

Ein Verein für Überlebende von Konzentrationslagern, das Mauthausen Komitee (MKÖ), zeigte den Mann am Dienstag an. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt bestätigte den Eingang einer Anzeige, erklärte aber, zu diesem Zeitpunkt sei eine Stellungnahme verfrüht. Österreichische Gesetze verbieten die Verherrlichung der Nazi-Zeit ebenso wie jeden Versuch, den Holocaust zu relativieren, zu leugnen oder zu rechtfertigen.

"Willkommen in der Welt der ganz speziellen Tortenkunst", wirbt die Konditor auf seiner Homepage für seine Backkünste. Ob nackte Frauen, berühmte Bauwerke oder Rasenmäher - der Konditormeister verwandelt alles in bunte Zuckerlandschaften. "Das Geheimnis des Erfolgs", so die Homepage, heiße "Qualität" und "individuelle Kundenzufriedenheit".

"Wenn es den Kunden gefällt"

Das bedeutet offenbar auch, Kunden mit Nazi-Symbolen auf ihren Torten zu versorgen. In seinem im Laden ausliegenden Katalog biete der Konditor eine Tauftorte an. Darauf sei ein Baby zu sehen, das auf einem Hakenkreuz liege und seinen Arm zum Hitlergruß recke, berichteten österreichische Medien. Eine andere Version zeige auf brauner Marzipandecke einen Stahlhelm, Kampfjet und Hakenkreuz.

Der Bäcker selbst ist sich keiner Schuld bewusst und verweist auf die Wirtschaftskrise. "In Zeiten wie diesen müssen wir nehmen was kommt", sagte er der österreichischen Zeitung "Standard". Auf seiner Geburtstagstorte wolle es so etwas nicht haben, "aber wenn es den Kunden gefällt". Und weiter: "Ich würde auch den Gaddafi backen, wenn es wer bestellt."

"Dies ist ein abscheuliches Beispiel, wie mit Nazi-Dreck Geld gemacht wird", sagt der MKÖ-Vorsitzende Willi Mernyi. Ihm bereiten vor allem die Auftraggeber solcher Torten Sorgen: "Wie wächst ein Kind auf, dessen Eltern eine solche Tauftorte bestellen?"

Einer Kaffeehausbesucherin waren die Motive in dem Tortenkatalog aufgefallen, so das MKÖ. Sie informierte das Komitee, zahlreiche Medien berichteten über die Anzeige. Der Bäcker selbst ist von dem ganzen Rummel überrascht: "Ich habe nicht damit gerechnet, dass so ein Wind gemacht wird", sagte er dem ORF am Nachmittag.

ulz/dpa/dapd

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