09.03.2016
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Toter Junge in Sachsen-Anhalt

13-Jähriger soll Spielgefährten mit Gegenstand erschlagen haben

DPA

Im Fall des getöteten Jungen aus Sachsen-Anhalt werden immer mehr Details bekannt. Ein 13-Jähriger hat den Ermittlungen zufolge mit einem Gegenstand auf seinen Freund eingeschlagen. Das Motiv: unklar.

Im Fall des getöteten Jungen aus Sachsen-Anhalt soll ein 13-Jähriger mit einem Gegenstand mehrfach so stark auf seinen Freund eingeschlagen haben, dass er starb.

Nach der Anhörung muss laut Staatsanwaltschaft davon ausgegangen werden, dass der Tatverdächtige mit massiver Gewalt auf den Kopf des anderen Kindes schlug. Der Junge hatte zuvor zugegeben, seinen Spielgefährten geschlagen zu haben. Womit er zuschlug, habe er offengelassen.

Bislang gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass weitere Personen an dem gewaltsamen Tod des am Sonntag verschwundenen Jungen beteiligt gewesen seien, sagte ein Polizeisprecher SPIEGEL ONLINE. Ein Unfall oder ein Sexualdelikt könnten gesichert ausgeschlossen werden. Die beiden Kinder, die Medienberichten zufolge Schulkameraden waren, hatten sich womöglich beim Spielen gestritten.

Die beiden Teenager aus der Kleinstadt Bad Schmiedeberg hatten den Sonntagnachmittag zusammen verbracht und miteinander gespielt. "Die Erziehungsberechtigten beider Kinder waren darüber informiert", so der Sprecher. Ab 17.45 Uhr hätten die Eltern des Getöteten ihren Sohn vermisst und kurz darauf die Polizei informiert. Die suchte daraufhin die ganze Nacht lang mit Fährtenhunden, Beamten und einem Hubschrauber nach dem Jungen.

Gegen 13.20 Uhr sichtete die Hubschrauberbesatzung den Leichnam des Gesuchten in Büschen zwischen Bad Schmiegeberg und dem Ortsteil Kleinkorgau. Seit Sonntagabend ermittelten Polizisten im engsten Umfeld des getöteten Jungen, auch mit dessen Spielgefährten sprachen sie bereits kurz nach der Tat. Am Dienstag habe sich dann der Verdacht erhärtet, dass er für den Tod seines Freundes verantwortlich sein könnte.

"Wir werden ermitteln und dann den Fall einstellen"

Der Tatverdächtige sei in eine geschlossene psychiatrische Klinik gebracht worden, bestätigte der Polizeisprecher: "Es war wichtig, ihn aus seinem Umfeld zu holen." Es gehe aber auch darum zu schauen, "ob es in seiner Persönlichkeit angelegte mögliche Ursachen für die Tat" gebe.

Der Landrat des Landkreises Wittenberg, Jürgen Dannenberg, sagte, beide Jungen seien den Behörden nie aufgefallen. Sollte der Tatverdächtige seinen Freund tatsächlich getötet haben, würde das Jugendamt einen Hilfsplan entwickeln - zum Schutz des Jungen, aber auch zur medizinischen Behandlung. An der Schule des getöteten Jungen waren am Mittwoch Psychologen unterwegs, um mit Schülern und Lehrern zu sprechen.

Bürgermeister Stefan Dammhayn äußerte sich schockiert darüber, wie jung der Tatverdächtige und sein Opfer seien. Der tatverdächtige Junge sei zuvor nicht aufgefallen, aber: "Der Ort hat 4200 Einwohner, das ist eine Größenordnung, wo man sich schon untereinander kennt."

In Deutschland sind Minderjährige erst ab dem vollendeten 14. Lebensjahr strafmündig, 13-Jährige können weder verhaftet noch verurteilt werden. "Wir werden ermitteln, was passiert ist, und dann den Fall einstellen", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Bereits seit Dienstag ist das Jugendamt eingeschaltet, die Eltern des getöteten Jungen werden zudem psychologisch betreut.

Der Wiesbadener Kriminologe Rudolf Egg sagte, Kinder könnten auch vor dem Erreichen der Strafmündigkeit mit 14 Jahren schwerwiegende Folgen ihres Handelns abschätzen. "Die Altersgrenze bedeutet nicht, dass sie kein Schuldbewusstsein hätten oder nicht wüssten, was sie tun." Der Gesetzgeber habe mit der Regelung zur Strafmündigkeit lediglich festgelegt, dass für diese Kinder nicht die Strafjustiz zuständig ist - sondern Eltern, Erziehungsberechtigte und Jugendämter.

mxw/dpa

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