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Panorama

Höxter-Prozess

Eingesperrt, bedroht, zum Sex gedrängt

Die Polizei vernahm eine weitere Zeugin, die bei Wilfried und Angelika W. in Höxter lebte. Die Frau berichtet von "panischer Angst" und sexuellen Übergriffen.

DPA

Angeklagter Wilfried W. (Mitte), Verteidiger

Von und
Freitag, 17.03.2017   14:25 Uhr

Ein weiteres mutmaßliches Opfer im Fall Höxter hat bei der Polizei ausgesagt, wie der Angeklagte Wilfried W. es bedroht und zum Sex gedrängt habe. Die 56-jährige Martina F. wohnte demnach Ende 2011 fünf Tage bei Angelika und Wilfried W. Die beiden stehen vor Gericht, weil sie zwei Frauen in dem Haus im Ortsteil Bosseborn zu Tode gequält haben sollen.

Martina F. berichtete in zwei bislang nicht öffentlich gemachten Aussagen, was sie in Höxter erlebte. Sie sei in dem Haus am Saatweg eingesperrt gewesen. Wilfried W. habe von Beginn an Sex gewollt. Am dritten Tag habe er sie herumgeschmissen. Als es zum Sex kam, habe sie sich gewehrt, sagte sie am 14. September. Sie habe getreten und mit den Armen herumgefuchtelt.

Von dem anfänglichen Vergewaltigungsvorwurf rückte sie in der zweiten Vernehmung im Oktober ab. Bei dem einmaligen Geschlechtsakt habe sie den Sex grundsätzlich nicht abgelehnt. Gegen weitere Annäherungsversuche habe sie sich erfolgreich gewehrt.

Die Zeugin berichtete außerdem, das Paar habe sich häufig gestritten, keiner der beiden habe die Oberhand gehabt. Sie habe gesehen, dass Angelika W. schwere Verbrennungen erlitten und kahle Stellen am Kopf hatte. Angelika seien offenbar die Haare ausgerissen worden.

"Panische Angst"

Vor Wilfried W. habe sie noch immer "panische Angst". Bei der Polizei meldete sie sich damals nicht. Auch nachdem das Paar im April 2016 aufgeflogen war, habe sie sich zunächst nicht getraut, sich bei der Staatsanwaltschaft zu melden. Ermittler hatten sie erst nach einem Hinweis von Angelika W. ausfindig gemacht.

Ihre Eindrücke könnten in dem Prozess, der seit fünf Monaten vor dem Landgericht Paderborn läuft, noch bedeutsam werden. Dort geht es auch darum, welche Tatanteile die Angeklagten hatten. Die Staatsanwaltschaft wirft beiden Mord durch Unterlassen vor, sieht Wilfried W. als Haupttäter.

Angelika W. behauptet, ihr Ex-Mann habe sie durch jahrelange Misshandlungen dazu gebracht, ihm hörig zu sein. Sie habe die Frauen im Haus gequält, um seinen Willen zu erfüllen. Und auch Wilfried W. habe Gewalt angewendet.

Im Sadistenhaus von Höxter

Im Prozess meldete sich der Angeklagte in dieser Woche erstmals zu Wort und behauptete in einer wirren Aussage, seine Ex-Frau sei bei Misshandlungen im Haus "die treibende Kraft" gewesen. Sie habe auch ihn geschlagen und bedroht.

Angelika W. sei eine Sadistin. "Was sie sagte, musste gemacht werden, sonst gab es Schläge von Angelika." Sie gehe "über Leichen". W.s Verteidiger Carsten Ernst sagte dem SPIEGEL: "Mein Mandant hatte nicht die Kontrolle über das Geschehen in Höxter."

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