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Panorama

Unfall in Thüringen

Fahrer wegen tödlichen Schulbus-Unglücks verurteilt

Ein Junge starb, Dutzende Kinder erlitten im Herbst 2015 bei einem Busunglück in Thüringen Verletzungen. Nun hat ein Gericht den verantwortlichen Fahrer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

DPA

Angeklagter Busfahrer

Montag, 20.03.2017   11:22 Uhr

Im Prozess um einen tödlichen Busunfall auf der A4 bei Erfurt ist der Fahrer zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Dem Urteil des Amtsgerichts Weimar zufolge ist der 37-Jährige wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung schuldig.

Die Vorsitzende Richterin sprach von einem Augenblicksversagen und einem Fehler des Busfahrers. Das Gericht folgte mit dem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte einen Freispruch verlangt.

Der Busfahrer aus Österreich hatte am 30. Oktober 2015 eine Schülergruppe aus dem sächsischen Annaberg-Buchholz gefahren. Der Bus raste nach einem Überholmanöver in eine Böschung und stürzte um. Dabei kam der vierjährige Sohn einer Lehrerin ums Leben. Die anderen mehr als 60 Businsassen wurden verletzt. Die Schülergruppe war auf der Heimfahrt von einer Sprachreise nach England.

"Ich habe mich auf den Verkehr konzentriert"

Am letzten Verhandlungstag des Verfahrens hatte zuvor ein Gutachter die Schuld an dem Unglück dem Fahrer zugewiesen. Der Unfall wäre vermeidbar gewesen, wenn er reagiert und nach dem Überholmanöver entsprechend zurückgelenkt hätte, sagte der Sachverständige. Technische Mängel als Unfallursache schloss er aus.

In dem Prozess hatte der Fahrer Erinnerungslücken angeführt. "Ich habe den Lkw überholt, und dann ist es aus", hatte der 37-Jährige zum Prozessauftakt gesagt. Die Anklage wirft dem Fahrer vor, mit überhöhter Geschwindigkeit überholt zu haben. Er sei 19 km/h zu schnell gewesen, erlaubt war demnach nur Tempo 100. Außerdem sei der Fahrer entweder abgelenkt oder unkonzentriert gewesen.

Der Fahrer bestritt, während der Fahrt das Handy in der Hand gehabt zu haben. Er habe nur über die Freisprechanlage telefoniert. Auch habe er vor dem Unfall einen kurzen Zwischenstopp eingelegt, um die gesetzlich vorgeschriebene Pause einzuhalten. Zu dem Vorwurf, zu schnell überholt zu haben, sagte er: "Ich habe mich auf den Verkehr konzentriert und nicht wirklich auf den Tacho geschaut."

Der Angeklagte ist nach eigenen Angaben in Österreich weiter als Busfahrer tätig, in Deutschland ist sein Führerschein gesperrt.

mxw/dpa

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