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Panorama

Anschlag auf BVB

Drei Bomben, zwei Bekenntnisse, ein großes Rätsel

Wer steckt hinter dem Anschlag auf Borussia Dortmund? Die Ermittler haben zwei mögliche Islamisten im Visier. Doch die Verdachtslage scheint dünn zu sein, das Bekennerschreiben gibt Rätsel auf.

DPA
Von und
Mittwoch, 12.04.2017   19:19 Uhr

"Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen", so beginnt das einseitige Bekennerschreiben, das in drei Ausfertigungen am Dienstagabend im Süden Dortmunds gefunden wurde. Hier, wo zuvor gegen 19.15 Uhr drei Sprengsätze just in dem Moment detoniert waren, als das Team von Borussia Dortmund sich im Mannschaftsbus auf den Weg ins Stadion machte.

Die Bomben waren nach offiziellen Angaben mit Metallstiften versehen, ihre zerstörerische Kraft hätte hundert Meter weit gereicht. Doch das Sicherheitsglas des Busses, eine Hecke und viel Glück verhinderten Schlimmeres. Zwar wurden der Innenverteidiger Marc Bartra und ein Polizist verletzt, doch angesichts der Gefahr ging es noch glimpflich aus: Ein Schrapnell verfehlte die Businsassen und bohrte sich in die Kopfstütze eines Sitzes. "Wir können von Glück sagen, dass nichts Schlimmeres passiert ist", sagte die Sprecherin des Generalbundesanwalts, Frauke Köhler.

Ins Visier der Ermittler von Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt gerieten sehr schnell zwei Männer aus Nordrhein-Westfalen: Spezialkräfte stürmten am frühen Mittwochmorgen die Wohnungen des Irakers Abdul Baset al-O., 25, und des Deutschen Abdullah al-Z. in Wuppertal und Fröndenberg bei Unna. Die Bundesanwaltschaft ordnet sie in das "islamistische Spektrum" ein. Al-O. wurde festgenommen, die Beantragung eines Haftbefehls wird geprüft. Er war in Deutschland bisher nicht als Islamist aufgefallen, in seiner Zeit im Irak offenbar schon.

imago

Nach dem Anschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus sperrt die Polizei den Tatort ab

Im Fall des Dortmunder Anschlags scheint die Beweislage gegen die Verdächtigen bislang dünn zu sein. Womöglich haben sie mit der Attacke nichts zu tun. Die Polizei überraschte al-Z. jedenfalls schlafend im Bett, im Arm hielt er sein Kind. Ins Visier der Behörden war der 28-Jährige nach SPIEGEL-Informationen geraten, weil er einen Regenschirm des BVB-Mannschaftshotels besessen haben soll. Gegen al-O. wiederum spricht, dass vor einigen Tagen in einem vom Verfassungsschutz abgehörten Telefonat ein bislang Unbekannter zu ihm sagte: "Der Sprengsatz ist fertig."

"Todesliste des Islamischen Staates"

Für besondere Verwirrung sorgt bei den Ermittlern aber das am Tatort gefundene Bekennerschreiben, das mit Versatzstücken aus dem Repertoire islamistischer Propaganda zu operieren scheint, insgesamt aber nicht stimmig wirkt. So fordern die Attentäter - sehr ungewöhnlich, weil ausgesprochen konkret - den Abzug von Tornados aus Syrien und die Schließung der "Ramstein Air Base". Bis das erfüllt sei, stünden "alle ungläubigen Schauspieler, Sänger, Sportler und sämtliche Prominente in Deutschland und anderen Kreuzfahrer-Nationen auf Todesliste des Islamischen Staates", heißt es in dem Schriftstück.

Schon allein die Existenz eines solchen Dokuments widerspricht allen Erfahrungen, die europäische Sicherheitsbehörden mit IS-Bekenntnissen gemacht haben. Gleichwohl ist nicht auszuschließen, dass sich Islamisten, die bislang keinen Bezug zur Terrormiliz hatten, von deren Propaganda inspiriert und sich zu einer Tat in ihrem Namen entschlossen haben könnten. Diese Form des Mitmach-Terrorismus hat es in der jüngeren Vergangenheit vielfach im Westen gegeben, sie ist besonders schwer zu verhindern. Ebenso gut ist vorstellbar, dass die tatsächlichen Täter bewusst eine falsche Spur legen und den Verdacht auf Islamisten lenken wollen.

Noch größere Zweifel an der Echtheit des Dokuments bestehen im Fall des anderen Bekennerschreibens, das auf der Internetseite Indymedia veröffentlicht worden war. Diese Einschätzung der Ermittler deckt sich mit einer Stellungnahme der Betreiber: "Weder Inhalt noch Sprache deuten auf einen linken Hintergrund hin, deshalb haben wir es bereits sehr kurz nach der Veröffentlichung gelöscht", teilte die Plattform mit. Der Eintrag hatte einen linksextremistischen Hintergrund der Tat behauptet: Der Bus sei als "Symbol für die Politik des BVB" attackiert worden, der sich nicht genügend gegen Rassisten, Nazis und Rechtspopulisten engagiere.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte, die "Motivlage" der Täter sei gewesen, "größtmögliche Öffentlichkeit herzustellen". Das sei ihnen gelungen. Jedoch "werden wir in NRW uns dem Hass und Terror nicht beugen", so Jäger.

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