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Panorama

Anschlag auf Borussia Dortmund

Ermittler fassen mutmaßlichen BVB-Attentäter

Die Bombenattacke auf den Teambus des BVB ist offenbar aufgeklärt. Ein Verdächtiger wurde festgenommen. Der mutmaßliche Täter ist wohl kein Extremist - er soll aus Gier gehandelt haben.

Foto: OSKAR EYB/ EPA/ REX/ Shutterstock
Von und
Freitag, 21.04.2017   10:24 Uhr

Anderthalb Wochen nach dem Bombenanschlag auf Borussia Dortmund scheint den Ermittlern der große Durchbruch in dem Aufsehen erregenden Fall gelungen zu sein. Nach Informationen des SPIEGEL haben Spezialkräfte der GSG 9 am frühen Freitagmorgen in Baden-Württemberg den mutmaßlichen Täter gefasst. Es handelt sich um den 28-jährigen Sergej W. aus dem Raum Tübingen.

Vorausgegangen waren dem Erfolg intensiv geführte Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und der nordrhein-westfälischen Polizei. Die Behörden hatten den Verdächtigen seit einer Woche im Visier, sie observierten ihn seither pausenlos. Auf die Spur hatten sie ein Hinweisgeber aus dem Finanzsektor sowie die Geldwäscheverdachtsanzeige einer Bank gebracht.

OSKAR EYB/ EPA/ REX/ Shutterstock

Die Polizei nimmt Sergej W. am Freitagmorgen fest

Der mutmaßliche Täter soll aus Habgier versucht haben, mit dem Bombenanschlag möglichst viele Teammitglieder von Borussia Dortmund zu töten oder zu verletzen. Er wollte nach Erkenntnissen der Ermittler auf diese Weise einen Kurssturz der BVB-Aktie erzwingen und mit sogenannten Put-Optionen ein Vermögen verdienen. Put-Optionen sind im Grunde genommen Wetten auf fallende Kurse bestimmter Wertpapiere. In der deutschen Kriminalgeschichte dürfte die Tat beispiellos sein und ein völlig neues Phänomen darstellen.

15.000 Optionsscheine gekauft

Nach SPIEGEL-Informationen hatte der Verdächtige einen Verbraucherkredit aufgenommen und 15.000 Optionsscheine gekauft. Dazu nutzte er nach Erkenntnissen der Ermittler die IP-Adresse des BVB-Mannschaftshotels L'Arrivée, in dem er sich kurz vor dem Anschlag aufgehalten hatte. Bei der Buchung des Zimmers im März soll der Beschuldigte einen Raum mit Blick auf den späteren Anschlagsort verlangt haben, womöglich löste er von dort über Funk die Detonation der drei Sprengsätze aus.

Bei dem Attentat unterlief dem Verdächtigen jedoch ein entscheidender Fehler: Während die erste und dritte Bombe wohl planmäßig umsetzten, war der zweite und wichtigste Sprengsatz einen Meter über dem Boden und damit zu hoch platziert worden. Die Ladung verfehlte ihr Ziel und schoss über den Bus hinweg. Als Schwierigkeit in dem Verfahren könnte sich indes noch erweisen, dass es den Ermittlern bislang nicht gelungen ist, den Beschuldigten mit dem verwendeten Sprengstoff in Verbindung zu bringen.

Mit der Festnahme ist aber wohl das große Rätsel um die drei seltsam anmutende Bekennerschreiben gelöst, die am Tatort hinterlassen worden waren: Nach SPIEGEL-Informationen hat der Beschuldigte keine Bezüge in die islamistische Szene und versuchte daher offenbar bewusst, eine falsche Fährte in Richtung "Islamischer Staat" (IS) zu legen. Allerdings stellte er den Versuch, einen vielfachen versuchten Mord zur Marktpreismanipulation als Terrorakt aussehen zu lassen, ziemlich dilettantisch an.

Schrapnell bohrte sich in Kopfstütze

Am Dienstagabend in der vergangenen Woche, waren um 19.15 Uhr im Süden Dortmunds drei am Straßenrand deponierte Sprengsätze just in dem Moment detoniert, als das Team von Borussia Dortmund vorüberfuhr. Ein Spieler und ein Polizist wurden verletzt. "Wir können von Glück sagen, dass nichts Schlimmeres passiert ist", sagte die Sprecherin des Generalbundesanwalts, Frauke Köhler.

Die Bomben waren nach offiziellen Angaben mit Metallstiften versehen, ihre zerstörerische Kraft hätte Hunderte Meter weit gereicht. Einer der Splitter, etwa 70 Millimeter lang und 15 Gramm schwer, verfehlte die Businsassen und bohrte sich in die Kopfstütze eines Sitzes.

In Visier der Fahnder waren zunächst zwei Islamisten aus Nordrhein-Westfalen geraten. Doch schnell kristallisierte sich heraus, dass der Iraker und der Deutsche mit der Attacke nichts zu tun hatten. Gleichwohl erließ der Bundesgerichtshof auf Antrag des Generalbundesanwalts auch einen Haftbefehl gegen Abdul Baset al-O., 26, weil der nach Erkenntnissen der Ermittler im Irak eine Einheit des IS kommandiert hatte, die für Entführungen, Erpressungen und Tötungen zuständig war.

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