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Panorama

Landgericht Berlin

Prozess gegen mutmaßlichen U-Bahn-Treter beginnt

Es war ein Angriff aus dem Nichts: In einem Berliner U-Bahnhof tritt ein Mann einer Frau in den Rücken, das Opfer stürzt eine Treppe hinab. Nun beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter.

Foto: DPA
Donnerstag, 15.06.2017   09:33 Uhr

Berlin, Bahnhof Hermannstraße, 27. Oktober 2016: Eine junge Frau geht eine Treppe zum Bahnsteig der U8 hinab. Hinter der Frau taucht eine Gruppe Männer auf. Einer von ihnen läuft hinter die Frau und tritt ihr in den Rücken. Die damals 26-Jährige stürzt die Stufen hinab, bricht sich den Arm und verletzt sich am Kopf.

Als die Polizei im Dezember ein Überwachungsvideo veröffentlicht, das die Tat zeigt, macht sich bundesweit Empörung breit: Der brutale Angriff auf eine arg- und wehrlose Passantin wird als Indiz für die Verrohung der Gesellschaft gesehen.

Nun beginnt am Landgericht Berlin der Prozess gegen Swetoslaw S. Dem 28-Jährigen wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen, die junge Frau tritt als Nebenklägerin auf. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angriff das Potenzial hatte, "ihr Leben zu gefährden". Bei einer Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung könnte das Gericht eine Haftstrafe von maximal zehn Jahren verhängen.

Mehrfach auffällig geworden

Der mutmaßliche Angreifer war nach der Gewaltattacke untergetaucht und wurde mit Haftbefehl gesucht. Während viele den Mann noch in seiner bulgarischen Heimat vermuteten, wurde er kurz vor Weihnachten in Berlin gefasst, als er auf dem Zentralen Omnibusbahnhof aus Südfrankreich ankam.

Den Angriff auf dem U-Bahnhof soll der 28-Jährige gegenüber Ermittlern zugegeben haben. Er sitzt in Untersuchungshaft. Er muss sich zudem wegen exhibitionistischer Handlungen verantworten. Zwei Wochen vor der mutmaßlichen Attacke im U-Bahnhof soll sich der Verdächtige am helllichten Tag auf einem Parkplatz im Stadtteil Reinickendorf vor zwei Frauen entblößt und selbst befriedigt haben. 35 Minuten später soll er dies in einer Grünanlage vor einer Zeugin wiederholt haben.

Der Angeklagte ist nach Angaben von Ermittlern in Deutschland nicht vorbestraft. In Bulgarien soll er bei Polizei und Justiz mehrfach aufgefallen sein - unter anderem wegen Diebstahls und Fahrens ohne Führerschein.

ulz/dpa

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