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Panorama

Befangenheitsantrag gegen Schöffin

Berliner U-Bahn-Treter-Prozess unterbrochen

In einem Berliner U-Bahnhof soll er einer Frau in den Rücken getreten haben: Der Prozess gegen Swetoslaw S. ist überraschend vertagt worden - eine Schöffin soll befangen sein.

DPA

Swetoslaw S. mit seiner Verteidigerin

Donnerstag, 15.06.2017   16:02 Uhr

Der Prozess um die brutale Attacke gegen eine Frau in einem Berliner U-Bahnhof ist überraschend unterbrochen worden. Die Verteidigung von Swetoslaw S. stellte einen Befangenheitsantrag gegen eine der Schöffinnen vor dem Berliner Landgericht. Sie soll sich in Leserbriefen unter anderem abfällig über Migranten geäußert haben. Die Verhandlung wurde wegen des Antrags noch vor dem Verlesen der Anklage auf kommenden Dienstag vertagt.

Den Antrag der Verteidiger muss das Gericht erst noch entscheiden. Sollte die Frau tatsächlich als befangen gelten, müsste ein neuer Schöffe gesucht werden. Dann könnte sich der Prozess um mehrere Wochen verzögern.

Dem 28-jährigen S. wird vorgeworfen, die arglose Passantin mit einem wuchtigen Tritt in den Rücken eine Betontreppe hinuntergetreten zu haben. Er ist wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt . Die Tat hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst.

Das damals 26-jährige Opfer brach sich bei dem Angriff den Arm und wurde am Kopf verletzt. Die Frau tritt in dem Prozess als Nebenklägerin auf. Zum Auftakt erschien sie nicht persönlich.

Das Überwachungsvideo aus der Berliner U-Bahn

Foto: DPA

Die Anklage geht davon aus, dass der Angriff das Potenzial hatte, "ihr Leben zu gefährden". Bei einer Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung droht dem Angeklagten eine Haftstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Er war nach der Gewaltattacke untergetaucht und wurde mit Haftbefehl gesucht.

Während viele den Mann noch in seiner bulgarischen Heimat vermuteten, wurde er kurz vor Weihnachten in Berlin gefasst, als er auf dem Zentralen Omnibusbahnhof aus Südfrankreich ankam. Er ist nach Angaben von Ermittlern in Deutschland nicht vorbestraft. In Bulgarien soll er bei Polizei und Justiz mehrfach aufgefallen sein - unter anderem wegen Diebstahls und Fahrens ohne Führerschein.

apr/dpa

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