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Panorama

Vergewaltigte Camperin bei Bonn

Der Mann mit der Astsäge

Ein abgelehnter Asylbewerber aus Ghana soll im April eine Camperin in der Bonner Siegaue vergewaltigt haben. Nun beginnt der Prozess. Der Angeklagte bestreitet die Tat - doch die Beweislage ist erdrückend.

DPA

Polizisten in Bonner Siegaue

Von
Samstag, 23.09.2017   07:38 Uhr

Das Verbrechen geschah am 2. April, eine Viertelstunde nach Mitternacht, so schilderten es die Opfer später der Polizei. In der Bonner Siegaue machte sich ein Mann an einem Zelt zu schaffen, in dem ein junges Paar übernachtete. Mit einer Astsäge schnitt der kräftige Fremde die Plane auf und bedrohte die beiden. Verschreckt gaben sie ihm sechs Euro und eine Lautsprecherbox im Wert von 120 Euro.

Doch der Mann ließ nicht ab. Die Astsäge zur Waffe erhoben, zwang er die Frau nach draußen. Dann, so berichtete die 23-Jährige, habe er sie auf einer mitgebrachten Decke vergewaltigt und sei geflohen. Im Zelt wählte der Freund den Notruf, ergriffen von Todesangst, wie er zu Protokoll gab. Den sexuellen Übergriff verhinderte er nicht.

Prozess in Bonn

Die Tat in dem Naturschutzgebiet am Rheinufer bewegt bis heute das Land. Wohl auch deshalb, weil der Tatverdächtige ein abgelehnter Asylbewerber ist: Eric X., 31 Jahre alt, aus Ghana. Seine Abschiebung war bereits beschlossen. Sechs Tage suchten die Ermittler den Täter, auch mit Fahndungsfotos, dann nahmen sie X. fest.

Der Prozess gegen den Mann, der am Montag vor dem Bonner Landgericht beginnt, fällt in eine Zeit, in der sich viele Menschen fragen: Ist Deutschland unsicherer geworden durch die große Zahl der Flüchtlinge? Gibt es deshalb womöglich auch mehr Vergewaltigungen?

In Freiburg etwa läuft zurzeit ein viel beachteter Prozess gegen einen Flüchtling aus Afghanistan, der eine 19-Jährige missbraucht und getötet hat. Er legte ein Geständnis ab. Vor wenigen Tagen veröffentlichte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eine umstrittene Statistik, die nahelegte, dass Flüchtlinge in überdurchschnittlich vielen Vergewaltigungsfällen Täter sind. Allerdings musste Herrmann zentrale Aussagen zurücknehmen.

Im Fall Eric X. spricht die Beweislage gegen den Angeklagten. Ein DNA-Abgleich ergab, so die Staatsanwaltschaft: Es kann kein ernsthafter Zweifel daran bestehen, dass die Spermaspuren am Tatort von X. stammen. Bei seiner Festnahme warf der Mann eine Lautsprecherbox ins Gebüsch, die mit der geraubten Box identisch sein soll.

Die bisherigen Aussagen des Angeklagten lassen sich damit nicht in Einklang bringen. X. will mit der Tat nichts zu tun haben. "Mein Mandant bestreitet pauschal sämtliche Vorwürfe", sagt sein Bonner Verteidiger Martin Mörsdorf. X. behauptet, er sei zur Tatzeit in seiner Unterkunft gewesen, knapp zehn Kilometer vom Tatort entfernt. Zeugen? Keine.

Kopfstoß gegen Mitbewohner

X. ist schon mehrfach als Gewalttäter aufgefallen. So räumte der Afrikaner in Verhören ein, er habe in seiner Heimat seinen Schwager erschlagen. Die Tat sei der Grund für seine Flucht, die ihn über Libyen und Italien nach Deutschland geführt habe. In der Untersuchungshaft prügelte er mehrfach auf Wachpersonal ein, inzwischen ist er im Gefängnis in Köln im Hochsicherheitstrakt untergebracht.

Bereits im März, wenige Wochen nach seiner Ankunft in Deutschland, soll X. einem Mitbewohner im Flüchtlingsheim aus nichtigem Anlass einen Kopfstoß versetzt haben. Deswegen ermittelte die Staatsanwaltschaft bereits vor der Tat in der Siegaue gegen ihn.

Ein psychiatrischer Gutachter bescheinigte X. narzisstische Persönlichkeitszüge, die aber nicht krankhaft seien. Er sei voll schuldfähig. Marc Eumann, Vorsitzender Richter der 10. Großen Strafkammer am Bonner Landgericht, hat acht Verhandlungstage anberaumt. Am 19. Oktober könnte das Urteil fallen.

SPIEGEL-Informationen zufolge will X. im Prozess aussagen. Sollte die Kammer ihn wegen Vergewaltigung und räuberischer Erpressung schuldig sprechen, muss er mit bis zu 15 Jahren Haft rechnen. Sobald er seine Strafe verbüßt haben sollte, müsste er wohl unverzüglich das Land verlassen.

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