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Panorama

Drei Tote in Tiefgarage

Beziehungstat um FDP-Politikerin in Eislingen

In Baden-Württemberg hat die Polizei drei Leichen in einer Tiefgarage entdeckt. Vermutlich tötete ein eifersüchtiger Ehemann seine Frau, ihren neuen Partner und anschließend sich selbst.

DPA

Polizisten vor Tiefgarage in Eislingen

Freitag, 20.10.2017   16:57 Uhr

Die Ermittler gehen von einer Beziehungstat aus: Die Bluttat in einer Eislinger Tiefgarage ist höchstwahrscheinlich von einem eifersüchtigen Ehemann begangen worden, der getrennt von seiner Frau lebte. In einem Auto soll der 56-Jährige seine gleichaltrige Ehefrau und ihren 30 Jahre jüngeren Partner mit einem Messer getötet haben. Anschließend sei er an einer Schussverletzung gestorben, wie aus einer Mitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei hervorgeht.

Am Tatort sei ein Abschiedsbrief des Ehemannes gefunden worden, hieß es. Dennoch müsse noch endgültig geklärt werden, wer den Schuss abgab. Die Polizei fand im Auto auch die mutmaßlichen Tatwaffen - zwei Küchenmesser und zwei Schusswaffen.

Die drei Leichen waren am Donnerstag in einem Auto in der Tiefgarage nahe dem Bahnhof von Eislingen im Landkreis Göppingen entdeckt worden. Dabei saß der 26-jährige Freund der Frau den Ermittlern zufolge auf dem Fahrersitz, die 56-Jährige habe daneben gesessen. "Beide hatten Schnittverletzungen an der Kehle. Auf dem Rücksitz saß der von der Frau getrennt lebende 56-jährige Ehemann mit einer Schussverletzung", heißt es in der Mitteilung.

Schatzmeisterin im FDP-Kreisverband

Zur Klärung der Frage, wer den Schuss abgeben hat, wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben. Zudem wird der Ehemann auf Antrag der Staatsanwaltschaft Ulm obduziert. Das Ehepaar hinterlässt zwei erwachsene Kinder.

Die Bluttat in der Tiefgarage stellt sich den Ermittlern als tödlicher Höhepunkt von seit Längerem anhaltenden Streitigkeiten dar. Sie seien zwischen dem Ehemann und seiner Frau teils offen ausgetragen worden, berichteten Zeugen. Dem Ehemann war ein Kontaktverbot erteilt worden.

Bereits im Juni war die Polizei der Mitteilung zufolge zu einem Streit des Ehepaares gerufen worden. Die Ehefrau zog jedoch kurz darauf ihre Strafanzeige gegen ihren Mann wieder zurück, weswegen das Verfahren eingestellt wurde.

Da der Ehemann bei dem Polizeieinsatz Widerstand geleistet hatte und dabei einen Polizeibeamten umstieß, sollte dieser Tage ein Strafbefehl gegen ihn beantragt werden. Auch nach einem freiwilligen Aufenthalt des Ehemanns in einer psychiatrischen Fachklinik hatte er die Frau und ihren neuen Lebensgefährten weiter bedroht. Außerdem wurde er verdächtigt, das Auto der Frau beschädigt zu haben, wie die Polizei mitteilte.

Bei der Ehefrau handelt es sich um die örtliche FDP-Politikerin Cornelia Jehle. Sie sei Schatzmeisterin im FDP-Kreisverband Göppingen gewesen, teilte dessen Vorsitzender Armin Mathias Koch mit. "Wir sind alle noch geschockt, sie war ein geschätztes Mitglied bei uns." Hauptberuflich arbeitete Jehle bei der Stadtverwaltung.

wit/dpa

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