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Panorama

Prozess um gepanschte Krebsmittel

Apotheker-Anwälte werfen Ermittlern schwere Fehler vor

Im Prozess um tausendfach falsch dosierte Krebsmedikamente haben die Verteidiger des angeklagten Apothekers die Staatsanwaltschaft scharf kritisiert: Die Vorwürfe könnten nicht stimmen.

DPA

Landgericht Essen

Dienstag, 14.11.2017   13:29 Uhr

Im Prozess gegen einen Apotheker, der jahrelang Krebsmedikamente gepanscht haben soll, haben dessen Anwälte schwere Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft erhoben. Die Ermittlungsergebnisse seien "unbrauchbar", sagten die Verteidiger des 47-Jährigen.

In einem der spektakulärsten Medizinskandale der vergangenen Jahre wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann vor, von 2012 bis 2016 in fast 62.000 Fällen Krebsmedikamente falsch dosiert zu haben. Mindestens 1000 Krebskranke sollen betroffen sein, allein den gesetzlichen Krankenkassen entstand der Anklage zufolge ein Schaden in Höhe von 56 Millionen Euro. Es sei dem Angeklagten darum gegangen, "sich eine erhebliche Einnahmequelle zu verschaffen", heißt es in der Anklageschrift.

Die Verteidiger wiesen die Anschuldigungen nun entschieden zurück. Der Vorwurf, dass Medikamente systematisch unterdosiert gewesen seien, könne nicht stimmen, sagten sie. Studien zeigten, dass von dem Bottroper Apotheker belieferte Ärzte bei ihren Patienten "eine deutlich höhere mittlere Überlebensrate" erzielt hätten.

"Verständnis für die Ängste der Patienten"

Konkret werfen sie den Ermittlern vor, die Einkaufsquoten des Angeklagten nicht genau genug ermittelt zu haben. So sei zum Beispiel der Bestand an Medikamenten nicht berücksichtigt worden. Auch die sichergestellten Proben, in denen laut Anklage wenig oder keine Wirkstoffe nachgewiesen wurden, hätten keine Aussagekraft, da die Analyseverfahren noch nicht ausgereift seien.

"Wir haben Verständnis für die Sorgen und Ängste der Patienten", sagte Verteidiger Peter Strüwe in der Verhandlung. Man müsse sich jedoch von der reflexartigen Bewertung freimachen, dass alles, was bis jetzt bekannt ist, schon stimmen werde.

In der Anklageschrift sind 35 Wirkstoffe aufgeführt, von denen der Apotheker höchstens 70 Prozent der eigentlich benötigten Menge eingekauft haben soll. Die Anklage lautet auf Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz, Betrug und versuchte Körperverletzung. Dem 47-Jährigen drohen bis zu zehn Jahre Haft sowie ein Berufsverbot. Er selbst hat angekündigt, sich nicht zu den Vorwürfen zu äußern.

Betroffen sind den Ermittlungen zufolge Patienten von 37 Ärzten, Praxen und Kliniken in sechs Bundesländern, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen. Lieferungen gingen aber auch an jeweils eine Klinik oder Praxis in Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Sachsen.

fok/dpa

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