26.01.2012
Silikonskandal
Polizei nimmt Gründer von Brustimplantate-Firma fest
Paris - Der Gründer der französischen Brustimplantate-Firma PIP, Jean-Claude Mas, ist am Donnerstag festgenommen worden. Er sei im Morgengrauen in seinem Landhaus in der Ortschaft Six-Fours-Les-Plages an der französischen Mittelmeerküste aufgegriffen worden und befinde sich nun in Gewahrsam, teilte die Polizei mit.
Poly Implant Prothèse (PIP) hatte minderwertiges Material zur Herstellung von Silikonimplantaten verwendet. In der von Mas gegründeten und bis zuletzt geführten Firma wurden systematisch Stoffe verwendet, die für medizinische Produkte nicht zugelassen waren. Die Staatsanwaltschaft hatte PIP 2010 geschlossen.
"Ich bin nur den Regeln des Kapitalismus gefolgt", hatte Mas nach Bekanntwerden des Skandals zu Ermittlern gesagt. Sein Produkt sollte billig sein, der Gewinn hoch. Weil sein Industrie-Gel zehnfach günstiger war als das medizinisch zugelassene, habe er sich dafür entschieden.
Weltweit sollen bis zu 500.000 Frauen diese Silikonkissen erhalten haben. Mehrere Länder haben empfohlen, sie wegen gesundheitlicher Risiken entfernen zu lassen. Ende des vergangenen Jahres hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine erste Empfehlung veröffentlicht, dass Frauen mit PIP-Implantaten wegen des Risikos der Rissbildung in jedem Fall ihren Arzt oder ihre Klink aufsuchen sollen.
Anfang Januar verschärfte das BfArM seine Angaben: Alle betroffenen Implantate sollten vorsorglich entfernt werden. Das BfArM geht davon aus, dass in Deutschland bis zu 10.000 Frauen minderwertige PIP-Implantate erhalten haben.
Vor wenigen Tagen hatte die erste Betroffene in Deutschland Klage eingereicht. Die 29-Jährige fordert 100.000 Euro unter anderem als Schmerzensgeld sowie wegen möglicher künftiger Schäden. Die Klage richtet sich gegen den Chemikalienhändler Brenntag, den TÜV Rheinland, der PIP-Silikonkissen geprüft hatte, und den behandelnden Arzt. Es könnte der Auftakt einer Prozesslawine sein: Weitere Klagen würden vorbereitet, sagte der Anwalt der Frau.
ulz/AFP/AP/Reuters