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01.02.2012
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Mutmaßlicher Terrorhelfer Carsten S.

Der lange Schatten der braunen Vergangenheit

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Er engagierte sich in der Aidshilfe für Homosexuelle und schien mit seiner Neonazi-Vergangenheit abgeschlossen zu haben. Nun hat die GSG 9 den Düsseldorfer Sozialarbeiter Carsten S. festgenommen. Er soll dem Zwickauer Terrortrio vor zehn Jahren eine Waffe beschafft haben.

Düsseldorf - Auf einer Internetseite, die den Untertitel "Lebe offen anders" trägt, stellt sich der mutmaßliche Terrorhelfer Carsten S. vor. Er höre neben der Arbeit gerne Musik und treffe Freunde, liebe die Serien "Six feet under" und "die Simpsons", sei noch nie Bungee gesprungen, dafür aber einmal Kfz-Lackierer gewesen. Was der Sozialarbeiter in seinem Kurzporträt lieber unerwähnt lässt: Er war einst eine große Nummer in der thüringischen Neonazi-Szene.

Die Markenstraße im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk ist eine Gegend, in der es sich gut leben lässt. Es gibt schmucke Altbauten, eine Trinkhalle und das nächste italienische Lokal liegt gleich um die Ecke. In diese Großstadtgemütlichkeit jedoch platzte am frühen Mittwochmorgen die Eliteeinheit GSG 9, die bei Zugriffen in Terrorverfahren routinemäßig eingesetzt wird.

Die Beamten in den schwarzen Einsatzoveralls rammten eine Tür im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses auf, stürmten in die Wohnung und nahmen S. fest. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 31-Jährigen vor, die rechtsradikale Zwickauer Terrorzelle unterstützt zu haben. Er soll an diesem Mittwoch dem Ermittlungsrichter in Karlsruhe vorgeführt werden.

Konkret wird Carsten S. verdächtigt, 2001 oder 2002 gemeinsam mit dem ebenfalls inhaftierten Ralf Wohlleben eine Waffe und Munition in Jena gekauft zu haben. Die Pistole soll über einen Mittelsmann zu Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe gebracht worden sein. Die Ermittler werfen S. Beihilfe zu sechs vollendeten Morden und einem versuchten Mord vor.

Kein Kommentar

Der Kölner Verteidiger des Beschuldigten wollte nach Auskunft seiner Kanzlei am Mittwoch zunächst keinen Kommentar zu den Vorwürfen abgeben. Vor 14 Tagen hatte Carsten S. noch persönlich auf SPIEGEL-Anfrage jegliche Stellungnahme zu seiner Vergangenheit verweigert.

In der vergangenen Woche wandte sich dann sein Anwalt an die Presse. S. sei im Jahre 2000 aus der rechten Szene ausgestiegen, hieß es in einer Erklärung. Seitdem habe er sich "davon distanziert und verabscheue jegliche Art von rechtem, rassistischem und extremistischem Gedankengut". Auch habe Carsten S. nach 2000 keinen Kontakt mehr zum Nazimilieu gehabt.

Wie nach SPIEGEL-Informationen aus einem Bericht des Bundesamts für Verfassungsschutz hervorgeht, war der aus Jena stammende S. Ende der neunziger Jahre ein strammer Aktivist im rechtsextremistischen "Thüringer Heimatschutz" und zeitweilig einer der wichtigsten Unterstützer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Der Inlandsgeheimdienst stufte ihn als "maßgebliche Kontaktperson" des bereits im Untergrund lebenden Trios ein.

Unterschlupf gesucht

Demnach soll Carsten S. im April 1999 nicht nur Spendengelder für die Flüchtigen auf ein Konto in Sachsen transferiert, sondern wenig später auch einen Unterschlupf für Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe gesucht haben. Im Januar 2000 geriet S. dem Dossier zufolge mit dem Rechtsextremisten Wohlleben aneinander, weil dieser ihm vorwarf, in der Szene mit seinen Kontakten zum Neonazi-Trio zu prahlen. Die letzte Unterstützungshandlung datiert der Verfassungsschutz auf April 2000. Carsten S. soll damals versucht haben, ein Mobiltelefon an die Eltern eines der Abgetauchten übergeben zu lassen.

"Carsten war der ideale Mann, um Befehle auszuführen", sagen ehemalige Kameraden des "Thüringer Heimatschutzes" heute über ihn. Damit habe S. auch als Spitzenkader der "Jungen Nationaldemokraten", dem Jugendverband der NPD, geglänzt. Er sei " absolut zuverlässig, regelrecht pflichtbesessen" gewesen, einer, der "alles ausgeführt" habe, was man ihm aufgetragen habe. Strafrechtlich sei er nie in Erscheinung getreten.

Dem Geheimdienstpapier zufolge deutete sich jedoch Ende 2000 an, dass Carsten S. aus der Szene aussteigen wollte. Offenbar verloren ihn die Beamten dann zeitweise aus den Augen. Nach Auffassung des Generalbundesanwalts soll S. allerdings genau in dieser Zeit eine Waffe für das Terrortrio beschafft haben. Später stellte das nordrhein-westfälische Landesamt für Verfassungsschutz fest, dass S. im August 2003 in ein Studentenwohnheim in Hürth bei Köln gezogen war. Drei Monate später verlegte er seinen Wohnsitz nach Düsseldorf.

Engagiert als Schwulen-Referent

Carsten S. studierte sodann wohl an der Fachhochschule Düsseldorf und engagierte sich dort auch als Schwulen-Referent. Im Juni 2004 monierte eine autonome Zeitung, dass S. die Wählerschaft im Unklaren über seine politische Vergangenheit gelassen hatte und outete ihn damit als ehemaligen Extremisten. Etwa im Jahr 2005, genau konnten sich seine Kollegen auf Anhieb nicht erinnern, nahm S. eine Teilzeitstelle bei der Düsseldorfer Aidshilfe an.

S. sei "überhaupt nicht" durch extreme politische Ansichten aufgefallen, sagt eine Angestellte des Vereins. Carsten sei "sehr nett und hilfsbereit" und arbeite in der "Schwulenprävention". "Das liegt nicht unbedingt auf der Hand, wenn man an Nazis denkt." Sie alle seien von der Nachricht überrascht worden, dass S. nun festgenommen wurde.

Der NSU soll für die Morde an neun Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft sowie an einer Polizistin in Heilbronn 2007 verantwortlich sein. Auch zwei Bombenattentate in Köln 2001 und 2007 und mehrere Banküberfälle gehen wohl auf das Konto der Gruppe. Die mutmaßlichen Terroristen Böhnhardt und Mundlos hatten sich Anfang November selbst getötet. Die einzige Überlebende des Trios, die 37-jährige Beate Zschäpe, sitzt in der Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf. Außerdem befinden sich neben Carsten S. vier weitere mutmaßliche Unterstützer des Trios in Untersuchungshaft.

Carsten S. ist ein hochgewachsener, schlanker Mann mit schwarzen, sehr kurz geschnittenen Haaren. Auf den Bildern, die im Netz von ihm kursieren, schaut er zumeist freundlich in die Kamera. "Der hat sicher nicht damit gerechnet", sagt ein Szene-Aussteiger, "dass ihn die Vergangenheit noch einmal einholt." Und er fügt hinzu: "Mit solcher Gewalt."

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insgesamt 41 Beiträge
1. gemach
spiegel-hai 01.02.2012
nun - Läuterung schließt nicht aus, sich für Vergangenes rechtfertigen zu müssen. Im übrigen wird der nicht lange in U-Haft sitzen. Sofern man ihm nicht eine aktive Beteiligung an irgendwelchen Morden nachweisen kann (und danach [...]
Zitat von sysopEr engagierte sich in der Aidshilfe für Homosexuelle und schien mit seiner Neonazi-Vergangenheit*abgeschlossen zu haben. Nun*hat die GSG 9 den Düsseldorfer Sozialarbeiter*Carsten S. festgenommen. Er soll dem Zwickauer Terrortrio vor*zehn Jahren eine Waffe beschafft haben.** NSU-Unterstützer Carsten S.: Der lange Schatten der braunen Vergangenheit - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,812766,00.html)
nun - Läuterung schließt nicht aus, sich für Vergangenes rechtfertigen zu müssen. Im übrigen wird der nicht lange in U-Haft sitzen. Sofern man ihm nicht eine aktive Beteiligung an irgendwelchen Morden nachweisen kann (und danach sieht es wohl derzeit nicht aus) kommt für ihn nur illegaler Besitz und Handel mit Waffen in Frage. Da stellt sich zum einen die Frage der eventuellen Verjährung. Zum anderen, wenn er sich nicht hat "mehr" als die Beschaffung der Waffe hat zuschulden kommen lassen, eine Geld- oder Bewährungsstrafe, und da wäre doch wohl eine ausdauernde U-Haft vollkommen unverhältnismäßig. Und "auf Verdacht" festhalten kann man ihn auch nicht, nur weil es derzeit en vogue ist, Neo-Nazis (oder ehemalige) einzubuchten, um eine Weile darüber nachzudenken, wessen man ihn vielleicht doch noch ernsthaft vor Gericht stellen könnte - wir leben in einem Rechts- und keinem Willkür-Staat. Viel interessanter wäre er als Zeuge der damaligen Szene - aber dafür muß man ihn nicht einsperren.
2. wieder mal so
ronald1952 01.02.2012
Deutscher Aktionissmuss von Feinsten.Und natürlich völlig übertrieben. Ich glaube nicht, das man gleich die GSG9 hätte schicken sollen.Es ist aber so Typisch für uns Deutsche.auf der einen Seite alles Verdunkeln und [...]
Zitat von sysopEr engagierte sich in der Aidshilfe für Homosexuelle und schien mit seiner Neonazi-Vergangenheit*abgeschlossen zu haben. Nun*hat die GSG 9 den Düsseldorfer Sozialarbeiter*Carsten S. festgenommen. Er soll dem Zwickauer Terrortrio vor*zehn Jahren eine Waffe beschafft haben.** NSU-Unterstützer Carsten S.: Der lange Schatten der braunen Vergangenheit - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,812766,00.html)
Deutscher Aktionissmuss von Feinsten.Und natürlich völlig übertrieben. Ich glaube nicht, das man gleich die GSG9 hätte schicken sollen.Es ist aber so Typisch für uns Deutsche.auf der einen Seite alles Verdunkeln und verleugnen und auf der anderen Seite Türen eintreten.Völlig bekloppt so was. schönen Tag noch.
3. sollten lieber Niedrig und Kuhnt kommen und freundlich nachfragen ??
katerramus 01.02.2012
Was sollte man denn Ihrer Meinung nach tun, wenn man weiss, dass er schon mal Waffen besorgt hat? Abwarten, bis er sich mit einer Waffe wehrt ? Ich bin sehr froh über diese Festnahme, weil damit hoffentlich diese dämlichen [...]
Zitat von ronald1952Deutscher Aktionissmuss von Feinsten.Und natürlich völlig übertrieben. Ich glaube nicht, das man gleich die GSG9 hätte schicken sollen.Es ist aber so Typisch für uns Deutsche.auf der einen Seite alles Verdunkeln und verleugnen und auf der anderen Seite Türen eintreten.Völlig bekloppt so was. schönen Tag noch.
Was sollte man denn Ihrer Meinung nach tun, wenn man weiss, dass er schon mal Waffen besorgt hat? Abwarten, bis er sich mit einer Waffe wehrt ? Ich bin sehr froh über diese Festnahme, weil damit hoffentlich diese dämlichen Diskussionen darüber aufhören, wieviele Tatverdächtige und Unterstützer es braucht, damit man von Terrorismus reden kann. Und ich hoffe sehr, dass alle rechtsextremen Gruppierungen ab und zu mal nach Waffen durchsucht werden, schließlich gehört Gewaltverherrlichung zu deren Ideologie.
4. Ach so ... alles nicht so schlimm!
Apologet 01.02.2012
Wochenlang haben die Medien nach Vergeltung gerufen, nach Aufklärung der Hintermänner, des gesamten Netzwerks. Jetzt ist es ein Sozialarbeiter - ein schwuler noch dazu oder einer der sich für Schwule engagierte. Ein in der [...]
Wochenlang haben die Medien nach Vergeltung gerufen, nach Aufklärung der Hintermänner, des gesamten Netzwerks. Jetzt ist es ein Sozialarbeiter - ein schwuler noch dazu oder einer der sich für Schwule engagierte. Ein in der linken Weltsicht "Guter" also. Auf einmal ist alles nicht mehr so schlimm. Aber - der hat doch abgeschworen! Jaja. Also entweder gelten Recht und Gesetz für alle gleich oder was? Widerlich diese doppelten Standards.
5. Braune Vergangenheit
guteronkel 01.02.2012
Es bleibt noch zu erwähnen, dass im Artikel nur Worte wie "können", "soll", "ist im Verdacht", usw. geschrieben sind. Also ist davon auszugehen, dass die Behörden die Beweise bislang schuldig [...]
Zitat von ronald1952Deutscher Aktionissmuss von Feinsten.Und natürlich völlig übertrieben. Ich glaube nicht, das man gleich die GSG9 hätte schicken sollen.Es ist aber so Typisch für uns Deutsche.auf der einen Seite alles Verdunkeln und verleugnen und auf der anderen Seite Türen eintreten.Völlig bekloppt so was. schönen Tag noch.
Es bleibt noch zu erwähnen, dass im Artikel nur Worte wie "können", "soll", "ist im Verdacht", usw. geschrieben sind. Also ist davon auszugehen, dass die Behörden die Beweise bislang schuldig sind. Das zu erfahren würde langsam das Fass zum überlaufen bringen- sind wir nicht schon genug durch unseren verlogenen, korrupten Bundespräsidenten Wulff gestraft?

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