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23.02.2012
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Gestohlene Bücher

Beamter hortet Millionenschatz in seinem Haus

Ein Beamter des hessischen Wissenschaftsministeriums soll mehr als 13.000 Bücher aus Bibliotheken gestohlen haben - hauptsächlich wertvolle Exemplare aus dem 18. Jahrhundert. Nun wurde der 45-Jährige auf frischer Tat ertappt.

Darmstadt/Bad Arolsen - Es soll sich um mehr als 13.000 historische und zum Teil sehr wertvolle Werke handeln: Ein Beamter aus Darmstadt steht unter Verdacht, massenhaft Bücher aus deutschen Bibliotheken gestohlen zu haben. Der Gesamtwert könne im Millionenbereich liegen, teilte die Polizei mit.

"13.000 Bücher sind noch nicht das Ende", sagte ein Sprecher. Die Polizei könne noch keine verlässlichen Angaben machen. In ersten Berichten war das Diebesgut noch auf 5000 Werke geschätzt worden.

"Die Bücher sind überwiegend aus dem 18. Jahrhundert", so der Polizeisprecher. Das älteste der bislang untersuchten Werke sei die "Physiologia Kircheriana Experimentalis" (1680) des deutschen Gelehrten Athanasius Kircher. Die Beamten fanden zudem eine fünfbändige Kupferausgabe von Johann Jakob Scheuchzers wertvoller Barockschrift "Physica Sacra" aus dem Jahr 1771.

Der mutmaßliche Dieb ist ein 45-jähriger Mitarbeiter des hessischen Wissenschaftsministeriums. Laut Polizei war er am Dienstag auf frischer Tat ertappt worden, als er mit 53 Büchern die Fürstlich Waldeckischen Hofbibliothek des Bad Arolser Schlosses verlassen wollte. Dabei handelte es sich um Werke aus den Fachgebieten Mineralogie, Geophysik und Naturlehre, die jeweils bis zu 7000 Euro wert sind.

Der Mann habe das Vertrauen der Mitarbeiter genossen und sei zu privaten Forschungen in die Bücherei gekommen, sagte der Besitzer der Bibliothek, Wittekind zu Waldeck und Pyrmont.

Der mutmaßliche Dieb habe sich ungestört bewegen und Bücher entnehmen dürfen. Im November sei zum ersten Mal aufgefallen, dass Werke fehlen. Als kurze Zeit später der Bestand noch einmal überprüft wurde, waren weitere Bücher verschwunden. Zwischen beiden Inventuren habe nur der Ministeriumsmitarbeiter die Bibliothek besucht, so Wittekind zu Waldeck und Pyrmont. Daraufhin sei die Polizei informiert worden. Videokameras sollen den letzten Diebstahl am Dienstag aufgezeichnet haben.

Im Haus des Verdächtigen in Darmstadt fand die Polizei dann den riesigen Bücherschatz. "Wir gehen davon aus, dass der allergrößte Teil nicht ihm gehört", sagte der Sprecher. Auf den ersten Blick sollen die Werke nicht erkennbar beschädigt sein. Nun sollen Bibliothekare den Fund untersuchen und die bestohlenen Bibliotheken benachrichtigen.

Der Mann ist laut Polizei mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Zu den Vorwürfen oder seiner Motivation habe er sich nicht geäußert. Das hessische Wissenschaftsministerium bestätigte die Ermittlungen gegen einen seiner Beamten. Der Betroffene sei vom Dienst suspendiert worden, sagte ein Sprecher in Wiesbaden.

hut/dpa/dapd

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