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29.02.2012
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Geständnis im Piratenprozess

"Die Angeklagten erzählen nur Märchen"

Von Simone Utler
dapd

In 77 Verhandlungstagen passiert im Hamburger Piratenprozess wenig, nun hat einer der Angeklagten sein Schweigen gebrochen. Vor Gericht berichtete Abdul K., wie er und die anderen Männer die "Taipan" kaperten. Seine Mitangeklagten hätten "das Gericht in die Irre geführt".

Hamburg - In Saal 337 des Hamburger Strafjustizgebäudes herrscht eine ungewöhnliche Spannung. Drei Berufsrichter, zwei Schöffen, zwei Staatsanwälte, 20 Verteidiger und neun Angeklagte warten darauf, was der zehnte Angeklagte wohl vortragen wird. Abdul K., einer der bei der Entführung des Containerschiffs "Taipan" verhafteten Somalier, hat ein umfassendes Geständnis angekündigt.

Einen sechsseitigen Brief habe der Angeklagte dem Gericht geschrieben, erklärt der Vorsitzende Richter Bernd Steinmetz an diesem Mittwochmorgen und lehnt alle Anfragen der Verteidiger ab. "Wir wollen nun als erstes Herrn K. zu Wort kommen lassen", so Steinmetz, der blass und angespannt aussieht.

Abdul K. ergreift das Wort, seine Sätze bedeuten die Kehrtwende in dem bereits 15 Monate dauernden Prozess: "Es wurde hier viel gelogen, man hat das Gericht in die Irre geführt", sagte Abdul K. vor Gericht. Es stimme nicht, was von den Mitangeklagten zum Teil behauptet werde. "Niemand wurde gezwungen oder genötigt."

Gefasst, so als wisse er ganz genau, was er tue, wirkt Abdul K., während er seine Aussage macht: die erste umfassende Schilderung der Tat vor Gericht. Der Mann, der vermutlich 1983 geboren wurde, trägt eine schwarze Trainingsjacke mit grünem Adidas-Logo auf dem Rücken. Er stützt sich auf den schwarzen Tisch vor ihm und spricht so zügig in das Mikrofon, dass der Dolmetscher kaum hinterherkommt.

K. schildert den Überfall als durchorganisierte und von langer Hand geplante Aktion. "Wir haben schriftliche Verträge gemacht. Darin wurden beispielsweise die zugeteilten Aufgaben festgehalten, die Höhe des Erlöses, unsere Namen und wie wir mit Geiseln umgehen sollten. Und jeder hat unterschrieben", berichtet K.

Seit November 2010 stehen die zehn Somalier vor Gericht. Sie sollen am Ostermontag 2010 vor der Küste Somalias die "Taipan" beschossen und gekapert haben. Die 15-köpfige Besatzung des Containerschiffs verschanzte sich in einem Sicherheitsraum und wurde Stunden später von einem niederländischen Marinekommando befreit.

Neun der zehn Angeklagten hatten vor Gericht ihre Beteiligung an dem Überfall eingeräumt, redeten die eigene Verantwortung aber stets klein. Sie hätten nicht gewusst, dass ein Schiff entführt werden sollte. Mit Waffengewalt seien sie zum Mitmachen gezwungen worden. Selbst hätten sie keine Waffen eingesetzt, seien nur Mitläufer gewesen. So äußerten sich die meisten der mutmaßlichen Piraten während des Prozesses in Hamburg.

"Er war quasi der Chef"

Insgesamt seien an der Planung und Entführung des Schiffs 15 Personen beteiligt gewesen: die zehn Angeklagten, ihr Anführer, der "Dagaweene" genannt wird, was zu deutsch so viel wie "große Ohren" heißt, und dessen Hintermänner, erklärt K. "Man hat uns angestellt, Aufgaben gegeben, jeder wusste, was er tun musste", führt K. aus und nennt jeden seiner Mitangeklagten mit Namen und Aufgabe. Zwei seien mit Panzerfäusten bewaffnet gewesen, drei andere mit Maschinengewehren, einer sei Ersatzsteuermann gewesen.

Zwei Männer belastet K. besonders schwer: Der 1962 geborene Ahmet A. habe beim Angriff das vordere Motorboot gesteuert, sei "der Frontmann" gewesen. "Er war sehr motiviert, wollte mitmachen, hat eine große Rolle gespielt", so K. "A. ist ein sehr guter Navigator, er kann unglaublich gut steuern", sagt K. und klingt dabei, als würde er den Mann bewundern, der direkt vor ihm sitzt und sich nicht einmal zu ihm umdreht. Der 1984 geborene Ahmed M. sei mit der Panzerfaust ausgerüstet und von den Hintermännern als Befehlshaber auserkoren worden: "Er war quasi der Chef."

Man habe mehrere Tage nach einem Schiff Ausschau gehalten. Als die "Taipan" am Horizont erschienen sei, habe man sofort mit den Vorbereitungen begonnen. Die Schnellboote seien mit einem Kran zu Wasser gelassen worden, die Männer seien in zwei Fünfer-Gruppen an Bord gegangen. Das erste Schnellboot unter der Führung von A. habe die "Taipan" angegriffen - und sie beschossen. Das zweite Boot habe ihnen den Rücken freihalten sollen.

Er selbst sei im ersten Boot, aber lediglich als Dolmetscher im Einsatz gewesen, beteuert K. bei der Schilderung des Tathergangs. Und bedient sich dabei desselben Mechanismus wie die anderen Männer: Er redet seine Rolle klein.

Er sei als erster auf die "Taipan" gegangen, über eine Enterleiter. Er habe dort laut gerufen, die Besatzung solle sich ergeben. Dann seien die anderen Angeklagten an Bord gekommen - die Crew der "Taipan" hätten sie aber nicht gefunden. Als der Helikopter und das Kriegsschiff der Niederländer gekommen seien, hätten sich die Somalier ergeben. "Ich wollte niemanden töten und wollte auch nicht umgebracht werden", erklärt K. Bei der Befragung durch das niederländische Militär habe er als Dolmetscher fungiert und schon damals ausführlich alles geschildert.

Geständnis erfordert Wende vom Gericht

Das Verfahren wird immer mehr zu einer Dauerbelastung für alle Beteiligten: Die Beweisaufnahme wurde geschlossen, die Staatsanwaltschaft hatte am 25. Januar plädiert, auch die ersten Verteidiger hielten bereits ihre Schlussvorträge. Nun ist die Beweisaufnahme wieder eröffnet. Erst in der vergangenen Woche hatte die Kammer den Prozess in zwei Verfahren geteilt, um schneller voranzukommen. Nun führten sie sie wieder zusammen. Mit der schriftlichen Ankündigung seines Geständnisses nötigte K. die Richter zu dieser 180-Grad-Wendung. Die Aussage des Angeklagten könnte für alle von Bedeutung sein, erläuterte Richter Steinmetz.

Doch warum sagt Abdul K. erst jetzt aus?

"Ich konnte nicht mehr ertragen, dass hier jeden Tag Märchen erzählt werden", behauptet K. Das Gericht und die Staatsanwaltschaft hätten ihn und die anderen immer fair und korrekt behandelt, darum wolle er nicht länger schweigen: "Die Wahrheit muss auf den Tisch kommen."

Vielleicht gab aber auch die mögliche Ladung neuer Zeugen den Anstoß, denen er mit seiner Aussage zuvorkommen wollte. Vielleicht wären ihre Aussagen belastend gewesen - und er könnte mit einem Geständnis zum jetzigen Zeitpunkt noch eine Strafmilderung herausschlagen. Ein Geständnis kann auch zu diesem späten Zeitpunkt noch strafmildernd wirken.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer für K. acht Jahre Haft gefordert, weniger als für die anderen erwachsenen Täter. Sie hielt ihm zugute, dass er bei den Niederländern ein Geständnis abgelegt und Hintergrundwissen zur Piraterie in Somalia preisgegeben hatte.

"Ist das tatsächlich glaubhaft?"

"Das Geständnis kann man schon eine Bombe nennen. Es kam sehr überraschend und enthielt viele Neuigkeiten", sagte Rechtsanwalt Rainer Pohlen, der den jüngsten Angeklagten vertritt. Die Glaubwürdigkeit der Aussage sei jedoch sehr fragwürdig. "Ist es tatsächlich glaubhaft, dass der Dolmetscher als erstes und allein an Bord geht? Unbewaffnet?", gibt der Anwalt zu bedenken.

Sicherlich neigt auch K. dazu, die eigene Verantwortung möglichst kleinzuhalten. Er habe sehr viel Angst gehabt, als er an Bord der "Taipan" ging, weil er nicht schwimmen könne und kein Seil zur Sicherung gehabt habe. In weiten Strecken erscheint seine Schilderung aber durchaus plausibel. Warum sollten es die Anführer nötig haben, Komplizen mit Waffengewalt zum Mitmachen zu zwingen, wie die anderen Angeklagten behaupten, wenn es im Elend Somalias durchaus ausreichend Freiwillige gibt?

Abdul K. soll die offenen Fragen nun beantworten. Am Mittwoch wurde das Verfahren aber erstmal vertagt - einer der Angeklagten hat eine Grippe und war nicht verhandlungsfähig.

Vor allem für die Angeklagten, die laut Abdul K. bewaffnet waren, könnte die Aussage Konsequenzen haben. Bisher konnte die Staatsanwaltschaft keinem der zehn Männer den Gebrauch einer Waffe nachweisen, auch konnte nicht bewiesen werden, dass tatsächlich mit der Panzerfaust geschossen wurde. Nun haben die Ermittler neue Anhaltspunkte. Im schlimmsten Fall könnte für einige zu den bisherigen Anklagepunkten nun noch der Vorwurf der Körperverletzung oder der versuchten Tötung hinzukommen.

Der Wiedereinstieg in die Beweisaufnahme bringt aber auch ein Problem im Zusammenhang mit den drei jüngsten Angeklagten mit sich. Das Oberlandesgericht hatte auf Antrag einiger Verteidiger entschieden, dass gegen die Männer zügig verhandelt werden muss. Als Frist wurde Ende März genannt. Mit der aktuellen Aussage ist ein Urteil erneut in weite Ferne gerückt.

mit Material von dpa

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insgesamt 9 Beiträge
1. Paradoxon
rhodensteiner 29.02.2012
"Die Angeklagten erzählen nur Märchen", erzählt der Angeklagte. Klasse. Das ist jetzt wie beim Paradoxon von Epimenides dem Kreter, der sagt: Alle Kreter sind Lügner.
"Die Angeklagten erzählen nur Märchen", erzählt der Angeklagte. Klasse. Das ist jetzt wie beim Paradoxon von Epimenides dem Kreter, der sagt: Alle Kreter sind Lügner.
2. kkk
schon,aber 29.02.2012
Das Gericht sollte jetzt mal nachhaken und Abdul die Frage stellen, was dran ist an der These, die armen somalischen Fischer wären von den internationalen Fischereikonzernen in die Piraterie gedrängt worden. Ich weiß [...]
Zitat von sysopIn 77 Verhandlungstagen passiert im Hamburger Piratenprozess wenig, nun hat einer der Angeklagten sein Schweigen gebrochen. Vor Gericht berichtete Abdul K., wie er und die anderen Männer die "Taipan" kaperten. Seine Mitangeklagten hätten "das Gericht in die Irre geführt". Geständnis im Piratenprozess: "Die Angeklagten erzählen nur Märchen" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,818427,00.html)
Das Gericht sollte jetzt mal nachhaken und Abdul die Frage stellen, was dran ist an der These, die armen somalischen Fischer wären von den internationalen Fischereikonzernen in die Piraterie gedrängt worden. Ich weiß vielleicht, was der sagen würde. Dann würde endlich mal dieses ewige Geflenne hier in den Piraten-Threads aufhören.
3. Ist klar
lonestar67 29.02.2012
der böse Westen ist Schuld, die Amerikaner, die Konzerne und der Raubtierkapitalismus in Form internationaler Fangflotten, die den armen Bauern, die nichts anders im leben haben als ihre Raketenwerfer, Schnellfeuergewehr und [...]
Zitat von schon,aberDas Gericht sollte jetzt mal nachhaken und Abdul die Frage stellen, was dran ist an der These, die armen somalischen Fischer wären von den internationalen Fischereikonzernen in die Piraterie gedrängt worden. Ich weiß vielleicht, was der sagen würde. Dann würde endlich mal dieses ewige Geflenne hier in den Piraten-Threads aufhören.
der böse Westen ist Schuld, die Amerikaner, die Konzerne und der Raubtierkapitalismus in Form internationaler Fangflotten, die den armen Bauern, die nichts anders im leben haben als ihre Raketenwerfer, Schnellfeuergewehr und Handgranaten, keine andere Wahl gelassen haben. Und die Millionen Lösegelder sind auch schon wieder weg. Hach es ist so ungerecht, schnüff....
4.
hyperborea 29.02.2012
Zwei Pflichtverteidiger... wer bezahlt diese? Sind zwei wirklich notwendig?
Zwei Pflichtverteidiger... wer bezahlt diese? Sind zwei wirklich notwendig?
5.
Luscinia007 29.02.2012
Da selbst Sie die Zusammenhänge hier sehr vereinfacht darstellen, wie soll ein somalischer Pirat, der möglicherweise nicht einmal eine abgeschlossenen Schulausbildung hat, über die weltpolitischen Zusammenhänge informiert [...]
Zitat von schon,aberDas Gericht sollte jetzt mal nachhaken und Abdul die Frage stellen, was dran ist an der These, die armen somalischen Fischer wären von den internationalen Fischereikonzernen in die Piraterie gedrängt worden. Ich weiß vielleicht, was der sagen würde. Dann würde endlich mal dieses ewige Geflenne hier in den Piraten-Threads aufhören.
Da selbst Sie die Zusammenhänge hier sehr vereinfacht darstellen, wie soll ein somalischer Pirat, der möglicherweise nicht einmal eine abgeschlossenen Schulausbildung hat, über die weltpolitischen Zusammenhänge informiert sein. Es ist sehr überhelblich, am evtl. nicht vorhandenen Wissen einer Einzelperson Fakten, die Ihnen nicht in den Kram passen, negieren zu wollen. Dabei sind die illegalen Fischraubzüge europäischer Fischfangflotten, auch wenn sie jährlich mehrerer hundert Mio. Euro wert sind, harmlos im Vergleich zur Entsorgung von Gift- und Atommüll in den somalischen Küstengewässern. Piraten vor Somalia - Korsarenträume - Politik - sueddeutsche.de (http://www.sueddeutsche.de/politik/piraten-vor-somalia-korsarentraeume-1.450530)

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